Die Europäische Fußball-Union (UEFA) wird offenbar noch in dieser Woche eine Dringlichkeitssitzung abhalten, um die umstrittenen Pläne des Weltverbandes FIFA zu beraten. Dabei geht es um den Verkauf von Anteilen an künftigen Weltmeisterschaften an private Investoren. Die französische Sportministerin Marina Ferrari kündigte die Sitzung auf der Plattform X an und erklärte, es sei unerlässlich, dass die europäischen Akteure mit einer Stimme sprächen. Die UEFA selbst wollte die Sitzung auf Anfrage nicht kommentieren.
FIFA-Präsident Infantino setzt Verbände unter Druck
Der norwegische Fußballverband widersprach der französischen Ministerin jedoch in einem Punkt: Die Sitzung finde nicht am Mittwoch, sondern erst am Donnerstag statt. Norwegens Verbandspräsidentin Lise Klaveness schloss sich der Kritik an dem Vorhaben an. „Wir sind zutiefst besorgt über die Entwicklung in der FIFA“, sagte die 45-Jährige. „Wir stellen uns hinter die Erklärung der UEFA in dieser Angelegenheit.“
Hintergrund ist ein Plan von FIFA-Präsident Gianni Infantino, über eine neu zu gründende Tochterfirma namens FIFA Forward Enterprise (FFE) Anteile an der Fußball-WM an private Investoren abzutreten. Die FIFA bestätigte das Vorhaben am Dienstagabend weitgehend. Basierend auf einer Unternehmensbewertung von 20 Milliarden US-Dollar solle die FFE in diesem Jahr bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar aufbringen. Laut Medienberichten sollen bis zu 20 Prozent der Anteile verkauft werden.
UEFA droht mit Boykott und schärft Kritik
Die UEFA hatte bereits heftige Kritik an den Plänen geäußert. Es werde „eine Grenze überschritten“, teilte der Verband mit. Man nehme „diese Angelegenheit äußerst ernst. Das sollten auch alle nationalen Fußballverbände tun.“ Später verschärfte die UEFA ihre Kritik und merkte zur Setzung einer Frist an: „Das sagt alles über diesen Plan aus, was man wissen muss.“ Nach vielen Gesprächen zeichne sich ein erheblicher und weiter wachsender Widerstand ab. „Die FIFA kann nicht damit fortfahren, unseren Sport dazu zu benutzen, sich selbst und ihre Freunde reicher zu machen.“
Laut Berichten von Sky, ESPN und Bloomberg soll bei der Dringlichkeitssitzung auch ein möglicher Boykott der Weltmeisterschaft Thema sein. Die Kontinentalverbände aus Asien und Nord- und Mittelamerika zeigten sich zumindest inhaltlich offen für die Pläne, beschwerten sich jedoch darüber, von Infantino vorab nicht informiert worden zu sein.
Infantino setzt Frist und Millionen-Versprechen
FIFA-Präsident Gianni Infantino hat den 211 Mitgliedsverbänden eine Frist bis zum 19. September gesetzt, um den Plänen zuzustimmen. Wie aus einem Brief hervorgeht, der ntv/RTL vorliegt, reicht eine einfache Mehrheit unter den Verbänden, um das Investoren-Vorhaben umzusetzen. Die Pläne sehen vor, dass die FFE Anteile an den kommenden Weltmeisterschaften verkauft – eine Maßnahme, die laut Kritikern das Gleichgewicht des Fußballs tiefgreifend verändern könnte. Norwegens Verbandspräsidentin Klaveness bezeichnete die Entwicklung als „größte existenzielle Bedrohung für den Fußball aller Zeiten“. Die UEFA und zahlreiche nationale Verbände bereiten sich nun darauf vor, geschlossen gegen den Plan vorzugehen.



