Bei Heim-WM: US-Fans feiern lieber Deutschland als eigenes Team
US-Fans feiern bei Heim-WM lieber Deutschland als eigenes Team

Kris Pfeiffer (37) aus Denver (Colorado) ist bei der WM Deutschland-Fan. Foto: Ralf Günther/BILD

Houston (Texas) – Deutschland-Fieber in den USA! Ausgerechnet bei der Heim-WM der Amerikaner feiern viele Fans lieber die DFB-Elf als ihr eigenes Team. Während das US-Team am Freitag mit einem 4:1 gegen Paraguay ins Turnier startete, laufen in Houston zahlreiche Fans lieber im Deutschland-Trikot herum. BILD traf Amis, die für die deutsche Elf Tausende Meilen reisen und Hunderte Dollar für Tickets ausgeben.

Deutsche Fans aus den USA

Seit Tagen wird Houston von deutschen Fans geflutet. Am Sonntag steigt hier Deutschlands WM-Auftakt gegen Curaçao. Doch in den weißen, schwarzen, grünen, blauen und pinkfarbenen DFB-Trikots stecken längst nicht nur Deutsche. Viele US-Amerikaner haben ihr Herz an die Mannschaft von Julian Nagelsmann (38) verloren – manche schon seit Kindertagen, andere seit dem legendären 7:1 gegen Brasilien 2014. Eines haben sie alle gemeinsam: Wenn Deutschland spielt, sind sie dabei. Und die USA? Interessieren sie kaum.

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Kris Pfeiffer: „Das Spiel gegen Brasilien war mein erstes“

Kris Pfeiffer (37) aus Denver (Colorado) erzählt: „Die Familie von meinem Vater kommt aus München. Seit 2014 bin ich von der deutschen Nationalmannschaft begeistert. Das Spiel gegen Brasilien war das erste Fußballspiel, das ich als Erwachsene so richtig gesehen habe. Und ich dachte: Oh mein Gott! Sie spielen fabelhaft!“ Seitdem schaut sie regelmäßig Bundesliga. „Es ist perfekt, weil die Spiele für uns morgens sind und ich Frühaufsteherin bin.“ Als Bayern-Torwart Manuel Neuer (40) ankündigte, noch einmal für die deutsche Elf aufzulaufen, war für die US-Amerikanerin klar: „Ich muss da hin!“ 900 Dollar hat sie deshalb für das Ticket hingeblättert. Insgesamt waren es für den ganzen Trip mehrere Tausend Euro. Ob sie auch das US-Team unterstützt? „Nein!“

Kevin von Riesen: „Ich mag das US-Team nicht“

Auch Kevin von Riesen (37) aus Miami hat Verwandtschaft in Deutschland, ist aber gebürtiger US-Amerikaner. Er sagt: „Ich mag das US-Team nicht. Ich finde, man sollte ein Team haben und dem immer folgen.“ Das macht er, seit er klein ist. „Mein Großvater hat im Krieg die USA verlassen und ist nach München gegangen. Mein Herz ist deshalb immer bei Deutschland. Ich habe schon in der Grundschule die Spiele geschaut, bin dafür immer extra früh aufgestanden. Ich identifiziere mich mit dem deutschen Team, ich spreche ein bisschen Deutsch, ich mag Currywurst und Schnitzel.“ Für ihn die besten Spieler aller Zeiten: Thomas Müller (36, Vancouver Whitecaps) und Manuel Neuer. Der 37-jährige Fan hat Tickets für das Spiel am Sonntag (400 Dollar), aber auch für die Begegnung Ecuador gegen Deutschland am 25. Juni in New Jersey (700 Dollar). „Wenn wir Deutschland schon mal in den USA haben, dann muss man da auch hin“, sagt er.

Juan Garcia: Liebe zu Deutschland in Venezuela entdeckt

Richtig verrückt ist die Geschichte von Juan Garcia (48) aus Houston. Er kommt ursprünglich aus Venezuela, wo Baseball Volkssport ist. Trotzdem fand Garcia zum Fußball – durch Deutschland! „In Venezuela gibt es einen Ort, an dem alles deutsch ist, wegen der Einwanderer. Die Leute, die Gebäude, das Essen. Da habe ich Deutschland lieben gelernt. Deutschland ist für mich spektakulär. Ich mag die Kultur, ich liebe das Essen: Schweinebacken! Meine Tochter wurde an dem gleichen Datum geboren, an dem die Berliner Mauer gefallen ist.“ Seit sieben Jahren lebt Garcia in den USA. An seiner Liebe zu Deutschland hat das nichts geändert.

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