Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und US-Präsident Donald Trump haben in einem Telefonat über den Krieg, Diplomatie und Friedensverhandlungen beraten. Selenskyj habe das etwa halbstündige Gespräch auch genutzt, um Trump zu dessen 80. Geburtstag zu gratulieren, teilt der ukrainische Präsidialberater Dmytro Lytwyn mit.
Großbritannien setzt Tanker der russischen Schattenflotte fest
Das britische Militär hat nach Angaben von Premierminister Keir Starmer einen Öltanker der sogenannten russischen Schattenflotte gestoppt, der den Ärmelkanal passieren wollte. Er habe die Streitkräfte am frühen Morgen angewiesen, das Schiff abzufangen, teilte der Regierungschef auf der Plattform X mit. Der erfolgreiche Einsatz versetze Russland einen weiteren Schlag und erinnere diejenigen, die Putins Krieg in der Ukraine befeuern, dass sie sich nicht verstecken könnten.
Nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums handelt es sich bei dem Schiff um den knapp 244 Meter langen Öltanker Smyrtos, der unter der Flagge Kameruns fährt und von einem russischen Hafen kommt. Kräfte der Marine und speziell ausgebildete Beamte der nationalen Kriminalpolizei hätten das Schiff geentert. Die Militäroperation habe sechs Stunden gedauert. Das Schiff werde nun vor der Südküste festgehalten und überwacht, während die Ermittlungen andauern.
Der Premierminister hatte im März zugestimmt, dass britische Streitkräfte und Strafverfolgungsbehörden Schiffe der Schattenflotte entern dürfen. Die Operation sei in enger Abstimmung mit Frankreich durchgeführt worden. Nun werde das Schiff auf Umwelt- und Sicherheitsmängel überprüft. „Russland finanziert seinen Konflikt in der Ukraine mit seiner Schattenflotte, und unser Abfangen ist ein Schlag gegen Putins illegalen Krieg“, sagte Verteidigungsminister Dan Jarvis.
Schwedische Armee fängt zwei russische Kampfjets ab
Die schwedische Armee hat eigenen Angaben zufolge an zwei Orten jeweils zwei Kampfflugzeuge vom Typ JAS 39 Gripen aufsteigen lassen, um zwei russische Kampfjets abzufangen, die über der Ostsee in die Nähe des schwedischen Luftraums geflogen waren. Die beiden Vorfälle ereigneten sich am Freitag im südlichen und nördlichen Teil der Ostsee. Auch Kampfflugzeuge der Nato seien gestartet, „um die Sicherheit im gemeinsamen Luftraum zu gewährleisten“.
Der schwedische Luftraum wurde durch die russischen Jets nicht verletzt. „Die russischen Vorfälle sind ernst und stellen ein wiederkehrendes Verhaltensmuster dar, das sowohl unsere territoriale Integrität als auch unsere Sicherheit bedroht“, hieß es weiter. Schweden war im März 2024 der Nato beigetreten. Seit Beginn der russischen Offensive in der Ukraine 2022 haben die Spannungen im Ostseeraum zugenommen.
Zwei Tote bei massivem ukrainischen Drohnenangriff auf Russland
Russland ist am Freitag Ziel eines massiven ukrainischen Drohnenangriffs geworden. Das Verteidigungsministerium in Moskau meldete den Abschuss von 185 unbemannten Fluggeräten innerhalb von zwölf Stunden. Diese seien über rund einem Dutzend Regionen abgefangen worden, vor allem in Zentralrussland. In der Region Brjansk kam nach Angaben des dortigen Gouverneurs in einem grenznahen Dorf ein Mensch ums Leben. Eine weitere Person sei verletzt worden. Dem regionalen Einsatzstab zufolge wurden allein in der Region Brjansk 62 Drohnen zerstört.
Auch die Hauptstadt Moskau wurde offenbar angegriffen. Mehrere auf die Metropole zusteuernde Drohnen seien abgewehrt worden, erklärte Bürgermeister Sergej Sobjanin. Fachleute untersuchten die Trümmerteile an den Absturzstellen. Nach einer Auswertung russischer Nachrichtenagenturen wurden in Moskau 27 Drohnen zerstört.
Weitere Entwicklungen im Überblick
- Russische Drohne tötet 73-Jährige nahe Saporischschja: In der Südostukraine ist eine 73-jährige Frau durch eine ferngesteuerte russische Drohne getötet worden. Vier weitere Menschen seien bei dem Angriff auf ein Auto beim Dorf Bilenke verletzt worden, teilte der Militärgouverneur des Gebiets Saporischschja mit.
- Selenskyj fordert vor G7- und EU-Gipfel mehr Luftverteidigungssysteme: Kurz vor dem G7-Gipfel in Evian und einem EU-Treffen in Brüssel hat Selenskyj die Lieferung westlicher Luftverteidigungssysteme gefordert. „Es ist sehr wichtig, dass diese Verhandlungen zu konkreten Entscheidungen führen“, erklärte er.
- Moskau: Russische Truppen rücken in Kostjantyniwka vor: Die russischen Truppen rücken nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau bei einem Häuserkampf in der ostukrainischen Stadt Kostjantyniwka immer weiter vor. Erstürmungstrupps hätten erneut mehr als 100 Gebäude unter russische Kontrolle gebracht.
- Ukrainisches Akw Saporischschja wieder ans Netz gegangen: Fast drei Tage nach einem Verlust der externen Stromversorgung durch einen Angriff ist das russisch kontrollierte Atomkraftwerk Saporischschja wieder ans Netz gegangen. Der Strom sei nach Reparaturen an einer Notstromleitung wiederhergestellt worden, erklärte die IAEA.
- EU startet Beitrittsverhandlungen mit Ukraine und Moldau: Die Europäische Union startet am Montag die ersten Verhandlungen in den Beitrittsgesprächen mit der Ukraine und Moldau. Alle Mitgliedstaaten hätten zugestimmt, den ersten Verhandlungsblock zu eröffnen, teilten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa mit.
Die Vereinten Nationen haben in der Ukraine im Mai einen Höchststand an verletzten und getöteten Zivilisten seit April 2022 registriert. Mindestens 274 Menschen seien im Mai getötet und weitere 1763 verletzt worden, heißt es in einem Bericht des Büros des Hohen Kommissars für Menschenrechte. Das entspreche einem Anstieg um 93 Prozent im Vergleich zum Mai 2025.
Die Ukraine und Russland haben sich in der Nacht zum Freitag erneut gegenseitig mit Drohnenangriffen überzogen. Dabei gab es Tote und Verletzte auf beiden Seiten. Die Ukraine nahm auch wieder Industrieanlagen tief in Russland ins Visier. In der Region Tatarstan wurden drei Menschen verletzt, als eine Drohne ein Wohnhaus traf. In der russischen Grenzregion Brjansk kamen bei ukrainischen Drohnenangriffen zwei Menschen ums Leben, zehn weitere wurden verletzt.
Das russische Militär beschoss unter anderem Bahnhöfe, Signalanlagen und Umspannwerke in der Ukraine. Dabei wurde in der nördlichen Region Sumy ein Bahnmitarbeiter getötet und ein weiterer verletzt. In der südlichen Stadt Mykolajiw seien vier Menschen verletzt und 14 Gebäude beschädigt worden.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat ein Gesetz unterzeichnet, das der russischen Sprache ihren bisherigen Schutzstatus in dem Land wieder aberkennt. „Die Sprache eines Aggressorstaates kann nicht von Schutzinstrumenten profitieren, die indigenen Völkern oder nationalen Minderheiten helfen sollen“, erklärte der ukrainische Parlamentspräsident Ruslan Stefantschuk.
Vor dem Gipfel der sieben großen Industriestaaten (G7) hat die Bundesregierung die Hoffnung geäußert, dass der Verhandlungsprozess für eine Friedenslösung im Ukraine-Krieg wieder in Gang kommen könnte. „Hier kann sich erstmals langsam ein Fenster für Diplomatie öffnen“, sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter in Berlin. An dem G7-Gipfeltreffen ab Montag im französischen Evian sollen auch US-Präsident Donald Trump und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teilnehmen.
Verteidigungspolitiker in Schweden warnen vor russischen Militärangriffen auf das skandinavische Land oder andere Nato-Staaten schon in der näheren Zukunft. „Ein bewaffneter Angriff auf Schweden oder andere Verbündete kann nicht ausgeschlossen werden“, konstatiert der Verteidigungsausschuss des schwedischen Parlaments in einem Bericht. Solche militärischen Vorstöße könne Moskau etwa ausführen, um den Zusammenhalt der Nato und die Glaubwürdigkeit der gegenseitigen Beistandsverpflichtung auf die Probe zu stellen.



