Urteil erwartet: Mann soll Frau aus 22. Stock gestoßen haben
Urteil erwartet: Mann soll Frau aus 22. Stock gestoßen haben

Die Staatsanwaltschaft hat in dem fast vier Monate dauernden Prozess am Landgericht Frankfurt eine lebenslange Freiheitsstrafe beantragt. Sie wirft dem 60-jährigen Deutsch-Briten vor, seine Ehefrau am Abend des Vatertags im Mai 2023 aus dem 22. Stock eines Hotels gestoßen zu haben. Die Verteidigung hingegen plädierte auf Freispruch und ließ keinen Zweifel daran, dass sie die Beweise für unzureichend hält.

Nach Überzeugung der Anklage hat der Mann seine betrunkene 40-jährige Frau über das Geländer eines Hotelbalkons gedrückt. Das Opfer stürzte aus rund 61 Metern Höhe in die Tiefe und war sofort tot. Der Ehemann selbst sprach von einem Unglück – doch die Ermittler kamen nach der Spurensuche zu einem anderen Ergebnis. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Hotelzimmer gezielt gebucht wurde, um die Tat wie einen Unfall aussehen zu lassen.

Affäre, Scheidungsangst und ein Familienvater

Das Ehepaar war elf Jahre verheiratet und lebte mit zwei gemeinsamen Kindern in einem Einfamilienhaus in Rodgau im Landkreis Offenbach. Laut Staatsanwaltschaft hatte der Mann eine Affäre mit einer mehr als 20 Jahre jüngeren Frau. Eine Scheidung hätte ihn den Anklägern zufolge finanziell ruiniert – ein Motiv, das die Tat erklären könnte. Das familiäre Umfeld galt nach außen hin als intakt, doch die Ermittler zeichneten im Prozess ein anderes Bild.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Um den Tod seiner Ehefrau zu planen, soll er ein Zimmer im 22. Stock eines Frankfurter Hotels gebucht haben. Die Frau stand offenbar unter Alkoholeinfluss und war wehrlos. Sie stürzte 61 Meter tief und erlag noch am Unfallort ihren schweren Verletzungen. Der Angeklagte bestritt jede Beteiligung und behauptete, dass sich das Unglück vor seinen Augen ereignet habe.

Prozess mit vielen offenen Fragen

Der Angeklagte schwieg während der gesamten Verhandlung. Seine Verteidigerin verwies in ihrem Schlussplädoyer auf zu viele Fragezeichen, die gegen eine Verurteilung sprechen würden. Die Staatsanwältin dagegen zeichnete das Bild eines kaltblütigen Täters, der seine Frau beseitigen wollte, um mit seiner Geliebten und den Kindern ein neues Leben zu beginnen. Der Prozess dauerte fast vier Monate.

In dieser Zeit hörte das Gericht zahlreiche Zeugen und Sachverständige. Die Beweisaufnahme drehte sich vor allem um die Frage, ob die Frau allein über das Geländer gestürzt oder gestoßen worden war. Auch die finanzielle Situation der Familie spielte eine zentrale Rolle. Die Richter mussten sich durch ein komplexes Indiziengeflecht arbeiten.

Spendenaktion mit mehr als 10.000 Euro

Nach dem Tod seiner Frau soll der Mann mit seiner Freundin zusammen weitergelebt und eine Spendenkampagne bei GoFundMe gestartet haben. Dabei kamen mehr als 10.000 Euro zusammen. Für die Staatsanwaltschaft ist das ein Beleg für die angebliche Skrupellosigkeit des Angeklagten. Für die Verteidigung war es schlicht der Versuch, die Familie finanziell abzusichern.

Die Polizei ermittelte zunächst ohne konkreten Tatverdacht. Erst nach fast zwei Jahren – im April 2025 – wurde der Mann festgenommen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Die Anklage stützt sich unter anderem auf Zeugenaussagen und technische Gutachten, die den Sturzhergang rekonstruieren sollten.

Urteil am Freitag

Am Freitag, dem 31. Juli, um 10.00 Uhr will das Landgericht Frankfurt das Urteil verkünden. Die Staatsanwaltschaft fordert eine lebenslange Haftstrafe wegen heimtückischen Mordes. Bei diesem Tatbestand setzt das Gesetz voraus, dass der Täter die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers ausnutzt. Im Fall der 40-Jährigen könnte die angenommene Alkoholisierung diese Voraussetzung erfüllen.

Die Verteidigung hält einen Freispruch für angemessen und verweist auf den Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“. Das Urteil wird nicht nur die Zukunft des 60-Jährigen bestimmen, sondern auch ein Zeichen setzen, wie Gerichte mit komplexen Indizienfällen umgehen. Die Öffentlichkeit verfolgt das Verfahren mit großer Spannung – nicht zuletzt wegen der ungewöhnlichen Umstände und der Spendenaktion.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration