Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist zum dritten Mal in Folge bei einer Weltmeisterschaft in der ersten K.o.-Runde gescheitert. Nach dem Elfmeter-Drama von Foxborough gegen Paraguay steht die Frage nach den Ursachen im Raum. Bundestrainer Julian Nagelsmann und Spieler wie Antonio Rüdiger fordern eine grundlegende Aufarbeitung. Vier Hauptgründe lassen sich identifizieren.
Fehlende Weltklasse-Qualität
Die Wörter „Qualität“ und „Potenzial“ sollten in Bezug auf die DFB-Elf nicht mehr verwendet werden. „Es wäre vermessen, wenn wir nach dem dritten großen Turnier sagen, wir gehören noch zur Weltspitze, das tun wir einfach nicht“, sagte Nagelsmann. Der deutsche Fußball habe den Anschluss verloren. Einzelne Spieler wie die Bayern-Profis Harry Kane, Michael Olise oder Luis Díaz zeigen, dass internationale Topspieler den Unterschied ausmachen. Die einst beschworene Zukunftshoffnung auf das Talent ist verflogen.
Problematische Mentalität und Harmonie statt Konkurrenzkampf
Nagelsmann setzte auf einen „Familiengedanken“ und Harmonie statt Konkurrenzkampf. „Wir müssen wie eine Familie sein, in der jeder für den anderen da ist“, hatte er in der Vorbereitung gesagt. Diese Wohlfühl-Atmosphäre lähmte jedoch das Team. Reibung, die Energie erzeugt, wurde vermieden. Joshua Kimmich brachte es auf den Punkt: „Am Ende geht es nur über den Erfolg – und nicht über Friede, Freude, Eierkuchen.“ Gegen aggressive südamerikanische Teams fehlte die nötige Härte.
Kritik an Trainerentscheidungen
Nagelsmann, mit 38 Jahren der jüngste Trainer des Turniers, traf mehrere umstrittene Entscheidungen. Die Nicht-Nominierung von Joshua Kimmich im zentralen Mittelfeld gilt als Kardinalfehler. Die Turnierneulinge Felix Nmecha und Aleksandar Pavlović brachten keine Stabilität. Die Rückholaktion von Manuel Neuer sorgte für Unruhe, ohne sportlichen Ertrag. Deniz Undav, zunächst nicht eingeplant, verlor als Starter seine Joker-Wirkung.
Pech und strukturelle Probleme
Verletzungen von Serge Gnabry, Lennart Karl und Nico Schlotterbeck schwächten das Team. Hinzu kam eine umstrittene VAR-Entscheidung gegen Jonathan Tahs Siegtreffer in der Verlängerung, die Nagelsmann als „Vollskandal“ bezeichnete. Doch die Ausfälle offenbaren ein strukturelles Problem: Andere Nationen wie Frankreich haben ein deutlich größeres Reservoir an gleichwertigen Ersatzleuten. „Wenn man dreimal so kläglich ausscheidet, muss man alles hinterfragen“, forderte Rüdiger.



