Argentinien trifft im Viertelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 auf die Schweiz. Doch schon vor dem Anpfiff brodelt die Gerüchteküche: Immer wieder wird über eine angebliche Bevorzugung des Titelverteidigers um Superstar Lionel Messi spekuliert. Besonders in sozialen Medien kursieren Verschwörungstheorien, die den Südamerikanern eine Art Schutz durch den Weltverband FIFA unterstellen. Ein Überblick über die umstrittensten Szenen, die Fakten und die Reaktionen.
Das Messi-Foul im Auftaktspiel gegen Algerien
Bereits im ersten Gruppenspiel Argentiniens gegen Algerien sorgte eine Szene für Diskussionen. In der 31. Minute trat Messi mit der Sohle gezielt in Richtung der Achillessehne von Algeriens Aïssa Mandi. Der polnische Schiedsrichter Szymon Marciniak beließ es bei einer Ermahnung. Messi erzielte später zwei seiner drei Tore zum 3:0-Endstand. Schiedsrichter-Experte Patrick Ittrich, ehemaliger Bundesliga-Referee, analysierte bei MagentaTV: „Es gibt drei Kriterien für übermäßige Härte: Chance, den Ball zu spielen, Trefferbild und Dynamik.“ Allein die Dynamik habe gefehlt. Ittrichs Urteil: „Für mich ist das eine Rote Karte.“ Bei einem Platzverweis hätte Messi mindestens im folgenden Spiel gegen Österreich gefehlt – und hätte statt acht nur vier Tore in dieser WM erzielt.
Strittige Szenen im Achtelfinale gegen Ägypten
Im Achtelfinale gegen Ägypten (3:2) gab es in der hitzigen Schlussphase mehrere strittige Entscheidungen, die zu den späten Toren der Argentinier führten. Elf Minuten vor Schluss lag der Titelverteidiger noch mit 0:2 zurück. „Alle strittigen Entscheidungen sind gegen Ägypten getroffen worden. Die negativen Emotionen, die da herauskommen, die sind nachvollziehbar“, sagte Ittrich. Ägyptens Trainer Hossam Hassan zeigte sich wütend: „Das war ganz klar ein manipuliertes Spiel.“ Er ergänzte: „Vielleicht wollten sie den Weltmeister im Wettbewerb halten. Vielleicht wollten sie, dass Messi im Rennen bleibt.“ Allerdings waren die besagten Szenen laut Experten nicht eindeutig. Schiedsrichter Francois Letexier aus Frankreich wurde für seine Leistung durchaus gelobt.
Karten-Statistik: Argentinien mit auffällig guter Quote
Ein Blick auf die Statistik zeigt: Argentinien bekommt durchschnittlich nur alle 19,7 Fouls eine Gelbe Karte. Unter allen 48 WM-Teams haben nur Tschechien (37,0), Tunesien (27,0) und Norwegen (24,0) eine bessere Quote. England zum Beispiel sieht alle 7,7 Fouls Gelb. Argentinien hat insgesamt mehr Fouls begangen als England, musste aber nur halb so viele Verwarnungen hinnehmen.
Elfmeter-Statistik: Argentinien führt erneut
Schon bei der WM 2022 in Katar bekam keine andere Mannschaft so viele Elfmeter zugesprochen wie Argentinien (fünf). Auch bei der WM 2026 führt Argentinien die Elfmeter-Statistik an. Bis zum Viertelfinale wurden drei Strafstöße für sie gepfiffen. Messi verschoss allerdings zwei davon (gegen Österreich und Ägypten).
Die Rolle von FIFA-Präsident Gianni Infantino
FIFA-Präsident Gianni Infantino wird Befangenheit unterstellt. Angeblich sei der umstrittene Schweizer ein großer Unterstützer von Messi und wolle unbedingt, dass der Superstar lange im Turnier bleibt – und am besten wieder triumphiert. Öffentliche Lobreden auf den 39-Jährigen, wie beim lateinamerikanischen Sender DSports, dienen manchen als Beleg. Nach dem 3:2-Sieg gegen Kap Verde im Sechzehntelfinale schickte Infantino in einem eigentlich beendeten Interview ganz Argentinien „eine herzliche Umarmung“ und „herzliche Glückwünsche“. Zuvor hatte er geschwärmt: „Messi spielt außergewöhnlich. Aber wir kennen ihn: Er ist ein Star und es macht uns immer Freude, ihm zuzusehen.“
Club-WM 2025: Inter Miami statt LA Galaxy
Immer wieder wird auch die Club-Weltmeisterschaft 2025 herangezogen. Dass Messi mit Inter Miami teilnehmen konnte, war vorher nicht unbedingt zu erwarten. Es gab eine Verzögerung, bevor feststand, welches Team aus dem Gastgeberland USA teilnehmen würde. Messis Club aus Florida erhielt den Vorzug vor Meister Los Angeles Galaxy. Welchen Anteil Infantino an dieser überraschenden Entscheidung hatte, blieb unklar.
Insgesamt zeigen die Fakten, dass viele Vorwürfe auf Einzelfällen beruhen und nicht eindeutig belegbar sind. Dennoch bleibt die Diskussion um eine mögliche Bevorzugung Argentiniens ein Dauerthema dieser WM.



