Sechs der acht Viertelfinalisten kommen aus Europa. Alle drei Gastgeber USA, Kanada und Mexiko sind ausgeschieden. Der Fall Balogun erschüttert die Fußballwelt. Lionel Messi überragt, Cristiano Ronaldo enttäuscht. Das sind die Lehren der Achtelfinal-Runde der Fußball-Weltmeisterschaft.
Alle Gastgeber raus: Euphorie verflogen
Die WM in den USA, Kanada und Mexiko wurde von der Euphorie der Gastgeber getragen. Doch im Achtelfinale war für alle drei Teams Schluss. Das dürfte die Stimmung in den letzten WM-Tagen negativ beeinflussen, vor allem in den USA, wo ab jetzt alle restlichen Spiele stattfinden. US-Sportfans wenden sich schnell ab, wenn das eigene Team nicht mehr dabei ist.
Die Hoffnung ist, dass der „Soccer“ durch die begeisternden Auftritte der US-Mannschaft bis zum Achtelfinale an Stellenwert gewinnt. Die Lücke zu den traditionellen Sportarten American Football, Basketball, Eishockey und Baseball wird aber wohl vorerst groß bleiben. Auch in Kanada wird der Fußball nicht zum Nationalsport Eishockey aufschließen, auch wenn Abwehrspieler Alistair Johnston meinte: „Wir haben der Welt gezeigt, dass Kanada ein echtes Fußballland ist.“
Übermacht der Europäer: Sechs von acht im Viertelfinale
Von den acht Viertelfinalisten kommen sechs aus Europa. Diese Dominanz ist keine Überraschung, sie besteht seit langem. Die Gründe liegen auf der Hand: In Europa gibt es die besten Ligen mit fast allen Topspielern, die höchste Wettbewerbsdichte, die modernste Fußball-Infrastruktur und die professionellste Jugendarbeit.
Europas Vorherrschaft mit 12 WM-Titeln durch fünf Länder kann nur Südamerika (10 Titel, drei Länder) mithalten. Afrika ist im Viertelfinale noch mit Marokko vertreten, dem WM-Co-Gastgeber für 2030. Neun der zehn afrikanischen Vertreter hatten es in die K.o.-Phase geschafft, doch dort fehlte etwas Qualität und mitunter auch Glück. Alle asiatischen Teams waren bereits vor dem Achtelfinale ausgeschieden.
Fall Balogun: Eklat erschüttert Fußball-Grundfesten
Belgien bewies Humor. Nach dem Achtelfinalsieg gegen die USA postete der Verband bei X ein Bild des jubelnden Romelu Lukaku mit einer Hand am Ohr und schrieb: „Macht das mal rückgängig.“ Es ist eine Anspielung auf einen Eklat, der die Grundfeste des Fußballs erschüttert und FIFA-Präsident Gianni Infantino erneut ins Zwielicht rückt.
„Der heutige FIFA-Präsident hat sich Donald Trump unterworfen“, sagte der frühere Weltverbandschef Joseph Blatter. Die FIFA hatte die Sperre gegen Florian Balogun wegen einer Roten Karte gegen Bosnien-Herzegowina aufgehoben, sodass der US-Stürmer gegen Belgien spielen konnte. US-Präsident Trump hatte zuvor mit einem Anruf bei der FIFA um eine Überprüfung der Sperre gebeten. Infantino bestätigte das Gespräch mit Trump, hob aber die Zuständigkeit der unabhängigen FIFA-Justizorgane hervor.
„Diese beiden Menschen, die beide keine Ahnung von Fußball haben, sollten gar nichts damit zu tun haben“, wetterte Jürgen Klopp als MagentaTV-Experte: „Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel.“
Messi sticht Ronaldo klar aus
Titelverteidiger Argentinien stand vor dem überraschenden Aus gegen Ägypten, als Lionel Messi aufdrehte. Mit einem Tor und einer Torvorlage sorgte der Superstar dafür, dass sein Team im Rennen bleibt. Obwohl der 39-Jährige bei einem Elfmeter scheiterte, baute er seinen WM-Torrekord auf 21 Treffer aus. Seine sechste und sehr wahrscheinlich letzte WM ist für ihn persönlich jetzt schon ein großer Erfolg.
Anders als für Cristiano Ronaldo, dem bei seinem WM-Abschied nach der Niederlage gegen Spanien Kritik und sogar Mitleid entgegenschlägt. Ronaldo habe auf dem Rasen das dargestellt, „was er auch ist: ein 41-Jähriger, der versucht, die Zeit zurückzudrehen“, schrieb „The Athletic“. Ronaldo selbst schloss das Kapitel WM für sich mit „gutem Gewissen“ – aber eben titellos.
Auf die Superstars ist Verlass
Messi liefert ab – aber nicht nur er. Erling Haaland schießt Norwegen mit einem Doppelpack ins Viertelfinale. Kylian Mbappé lässt sich von ständigen Provokationen Paraguays nicht aus der Ruhe bringen und erzielt Frankreichs Siegtreffer. Harry Kane führt England als Kapitän und Torschütze erfolgreich durch das hitzige Duell mit Gastgeber Mexiko. Die Superstars zeigten im Achtelfinale auch Superleistungen. Außer Ronaldo.



