Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist bei der Weltmeisterschaft 2026 erneut früh gescheitert. Im Sechzehntelfinale unterlag die DFB-Elf Paraguay mit 3:4 im Elfmeterschießen und schied damit in der ersten K.o.-Runde aus. Für Bundestrainer Julian Nagelsmann könnte dies das Ende seiner Amtszeit bedeuten.
Elfmeter-Drama in Foxborough
Vor 63.945 Zuschauern im Stadion von Foxborough, Massachusetts, endete die Partie nach Verlängerung 1:1. Im Elfmeterschießen vergaben Jonathan Tah, Nick Woltemade und Kai Havertz vom Punkt, während Paraguay alle vier Versuche verwandelte. Es war die erste Niederlage der deutschen Nationalmannschaft in einem WM-Elfmeterschießen überhaupt.
Bereits in der 42. Minute war Paraguay durch Julio Enciso in Führung gegangen, der eine Flanke von Matías Galarza per Kopf ins Tor wuchtete. Die deutsche Abwehr hatte den Torschützen völlig aus den Augen verloren. Jürgen Klopp, als TV-Experte vor Ort, kritisierte scharf: „Tore fallen meistens nach Fehlern, hier wurden acht gemacht. Das wurde einfach schlecht verteidigt.“
Havertz gleicht aus, Tahs Tor aberkannt
Kai Havertz gelang in der 54. Minute der Ausgleich, als er eine scharfe Flanke von Florian Wirtz per Kopf ins Tor verlängerte. Ein vermeintlicher Siegtreffer von Jonathan Tah in der 102. Minute wurde jedoch vom VAR zurückgenommen, weil Tahs Teamkollege Waldemar Anton Torhüter Orlando Gill nach Ansicht von Schiedsrichter Jalal Jayed zu stark bedrängt hatte. Schiedsrichter-Experte Thorsten Kinhöfer vom ZDF kommentierte: „Absolut nicht nachvollziehbar.“
Die deutsche Mannschaft hatte in der regulären Spielzeit große Mühe gegen die defensive Taktik der Südamerikaner. Trotz extremer Dominanz und 244:31 Pässen nach 35 Minuten fehlte es an Raffinesse, Tempo und Spielfreude. Die von Deniz Undav und Kai Havertz gebildete Doppelspitze blieb stumpf, Leroy Sané und Florian Wirtz kamen auf den Außenbahnen kaum durch.
Nagelsmanns Zukunft ungewiss
Bundestrainer Julian Nagelsmann, der im Oktober 2023 seine erste Trainingseinheit als Bundestrainer in Foxborough geleitet hatte, steht nun massiv in der Kritik. Nach dem Aus bei der Heim-EM 2024 und nun dem frühen WM-Aus scheinen die Argumente für eine Fortsetzung seiner Arbeit zu fehlen. Potenzieller Nachfolger Jürgen Klopp war als TV-Experte bereits im Stadion und analysierte das Geschehen aus Trainersicht.
„Die Nation wollte es ja schon relativ lange“, sagte Rudi Völler vor der Partie über den Startelf-Einsatz von Deniz Undav, der jedoch wirkungslos blieb. Nagelsmann forderte vor dem Spiel eine „Drecksack-Mentalität“, doch davon war lange nichts zu sehen. Die DFB-Elf startete zu brav und passiv in das wichtigste Spiel seit der Heim-EM.
Statistik und Ausblick
Mit dem Ausscheiden wiederholt sich das Trauma der Vorjahre: Wie 2018 und 2022 fliegt Deutschland vor dem Viertelfinale raus. Das 7:1 im Auftaktspiel gegen Curaçao bleibt als einziger Lichtblick. Die bittere Wahrheit: In dieser Verfassung wäre die DFB-Elf gegen Titelkandidaten wie Frankreich, Argentinien oder Spanien chancenlos gewesen.
Kapitän Joshua Kimmich, der bei seiner dritten WM erneut früh in den Urlaub muss, wurde zur tragischen Figur. Manuel Neuer hielt zwar einen Elfmeter, konnte die Niederlage aber nicht verhindern. Die Zukunft des deutschen Fußballs bleibt ungewiss.



