Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft muss bei der WM in den USA auf Nico Schlotterbeck verzichten. Der 26-jährige Innenverteidiger von Borussia Dortmund erlitt im Testspiel gegen die Elfenbeinküste (2:1) einen Bänderriss im linken Knöchel und fällt für das gesamte Turnier aus. Die Diagnose wurde am Familientag in Winston-Salem bekannt gegeben und traf Bundestrainer Julian Nagelsmann schwer.
Nagelsmann: „Schlotti wird uns sehr fehlen“
„Schlotti wird uns auf dem Platz als herausragender Verteidiger sehr fehlen, vor allem auch sein exzellenter Spielaufbau. Es hätte seine WM werden können“, sagte Nagelsmann. Die Verletzung zog sich Schlotterbeck in einem Zweikampf in Toronto zu. Das Band am linken Knöchel riss, was eine mehrmonatige Pause bedeutet und auch Auswirkungen auf die nächste Bundesliga-Saison bei Borussia Dortmund haben wird.
Trotz der Verletzung bleibt Schlotterbeck im Mannschaftsquartier The Graylyn Estate. „Es ist ein schönes Zeichen, dass er zunächst hier im Mannschaftskreis bleibt, denn er hat auch neben dem Platz Einfluss“, erklärte der Bundestrainer. Schlotterbeck zeigte sich positiv: „Wir haben gestern alle versucht, ihn aufzubauen – zum Glück ist er ein sehr positiver Typ, der schon wieder vorausblickt“, so Nagelsmann.
Zweiter WM-Ausfall nach Lennart Karl
Der Ausfall Schlotterbecks ist nach der Muskelverletzung von Bayern-Youngster Lennart Karl bereits der zweite in den USA. Zuvor hatte Serge Gnabry verletzt absagen müssen. Anders als bei Karl kann Nagelsmann nach den FIFA-Statuten keinen Spieler mehr nachnominieren. Die Frist für neue Akteure lief einen Tag vor dem 7:1-Auftaktsieg gegen Curaçao ab. Somit stehen dem Bundestrainer nur noch vier Innenverteidiger zur Verfügung: Jonathan Tah, Antonio Rüdiger, Waldemar Anton und Malick Thiaw.
Nagelsmann beschwor dennoch die Stärke seines Teams: „Trotz seines Ausfalls sind wir in der Innenverteidigung mit Jonathan Tah, Antonio Rüdiger, Waldemar Anton und Malick Thiaw weiterhin sehr gut aufgestellt für die WM.“ Ex-Abwehrchef Rüdiger, der Schlotterbeck bereits gegen die Elfenbeinküste in der zweiten Hälfte vertrat, rückt nun in den Fokus. Der 33-Jährige hatte sein Reservistendasein klaglos akzeptiert: „Ich muss für alle Szenarien bereit sein. Ich war bereit.“
Rüdiger: Schlotterbecks linker Fuß aus Gold
Rüdiger hatte Schlotterbeck zuvor einen linken Fuß „aus Gold“ bescheinigt. Nun fehlt Nagelsmann ein Linksfuß in der Innenverteidigung, in der weiterhin Tah das Kommando führt. Für Schlotterbeck endet auch die zweite WM mit einer Enttäuschung: 2022 in Katar war er noch kein Stammspieler. Bereits 2025 musste er wegen eines Meniskusrisses im linken Knie fast ein halbes Jahr pausieren. BVB-Chef Lars Ricken zeigte sich zuversichtlich: „Aber Nico hat im vergangenen Jahr gezeigt, wie er nach einer Verletzung noch stärker zurückkommt. Das wird er auch diesmal, davon sind wir überzeugt.“
Teamgeist als Schlüssel zum Erfolg
Angesichts der Ausfälle rückt der innere Zusammenhalt der Mannschaft in den Mittelpunkt. Symbol dafür war die Jubeltraube nach dem Siegtreffer von Super-Joker Deniz Undav gegen die Elfenbeinküste. „Wie da die ganze Mannschaft im Eck lag, das ist schon ein cooles Zeichen und das freut mich super für die Jungs und das kann schon Kräfte freisetzen, definitiv“, sagte Nagelsmann. Kapitän Joshua Kimmich hob die gelungenen Einwechslungen hervor: „Wir wussten schon vor dem Turnier, dass unsere Bank sehr, sehr wichtig sein wird. Das war sie heute. Alle Einwechslungen waren überragend.“
Experten betonen, dass ein ausgeglichener Kader bei langen Reisen und heißem Klima ein WM-Plus sein kann. Undav, Nadiem Amiri, Jamie Leweling, Leon Goretzka und Rüdiger – alle Einwechsler hatten ihre Glanzmomente. Nagelsmann sieht darin einen positiven Effekt: „Wenn du Spieler einwechselst, die dann ein Spiel entscheiden, dann gehen natürlich auch Spieler mit, die auf der Bank saßen. Die wollen dranbleiben, die denken, ich kann auch irgendwann den Moment haben.“
Nagelsmann gibt Wechselfehler zu
Der Bundestrainer zeigte Größe, indem er zugab, in der Vergangenheit mehrfach falsch gewechselt zu haben – etwa beim 3:3 gegen Italien im Nations-League-Viertelfinale 2025 oder beim 1:2 gegen Portugal im Halbfinale. „Manchmal geht es gut. Es gab aber auch schon Spiele bei mir, da ging es nicht gut“, sagte er. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ beschrieb den Effekt der Wechsel als „Powerbank“. Undav betonte: „Es ist wichtig, dass jeder in jedem Moment bereit ist. Das ist ein wichtiges Zeichen an die Mannschaft, dass wir immer nachlegen können.“ Nach dem Schlotterbeck-Aus ist dies noch bedeutsamer.



