WM-Boykott im Raum: UEFA ringt um Antwort auf Infantinos Investoren-Pläne
WM-Boykott: UEFA ringt um Antwort auf Infantino

Der Machtkampf im Weltfußball erreicht heute seinen vorläufigen Höhepunkt. Die 55 Mitgliedsverbände der UEFA kommen zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen, um über eine mögliche Eskalation im Streit mit FIFA-Präsident Gianni Infantino zu beraten. Im Raum steht ein Boykott der Weltmeisterschaft und anderer FIFA-Turniere – eine Maßnahme, die den Weltfußball in seinen Grundfesten erschüttern würde.

Infantinos Milliarden-Plan: WM-Anteile an Investoren

Infantino hatte vor wenigen Tagen einen Plan vorgestellt, Anteile an der Fußball-WM an private Investoren zu veräußern. Offiziell spricht der FIFA-Chef von einem „Vorschlag“ und einer „Gelegenheit“. Doch die Realität sieht anders aus: Der Plan ist offenbar weit gediehen. Die Mitgliedsverbände müssen bis zum 19. September zustimmen. Für kleinere Verbände ist das Angebot verlockend: Jeder Verband soll eine Ausschüttung von 40 Millionen Euro erhalten. Die aktuellen Zahlungen von acht Millionen US-Dollar pro Vierjahres-Zyklus sollen zunächst auf 20 Millionen und bis 2035 auf bis zu 24 Millionen US-Dollar steigen. Dazu kommt eine optionale Einmalzahlung von 20 Millionen US-Dollar. Besonders brisant: Die Verbände müssen keine Rechenschaft über die Verwendung der Gelder ablegen, was Korruption Tür und Tor öffnet.

UEFA droht mit WM-Boykott

Die UEFA sieht durch Infantinos Pläne die „Grundmauern des Fußballs bedroht“, wie es Matthias Sammer formulierte. Bayerns Sportvorstand Max Eberl zeigt sich angewidert, die europäische Spielergewerkschaft FIFPRO ist empört. Nun kursieren Berichte von Sky, ESPN und Bloomberg, wonach die UEFA über einen Boykott der WM und der Klub-WM diskutiert. „Damit wird eine Grenze überschritten, die die für den Fußball verantwortlichen Institutionen niemals überschreiten dürften“, zitiert die UEFA anonym. Ein solcher Boykott wäre der größte Knall in der Fußballgeschichte – ohne die europäischen Top-Nationen wie Spanien, England, Frankreich, Deutschland oder die Niederlande wäre die WM massiv entwertet. Investoren, die auf die Stars angewiesen sind, würden abgeschreckt.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Infantinos Taktik: Stimmenkauf und Machterhalt

Infantino setzt auf eine einfache Mehrheit von 51 Prozent für die Umsetzung – obwohl eine Satzungsänderung eigentlich 75 Prozent Zustimmung erfordert. Diese Hürde würde er wohl nicht nehmen, aber 51 Prozent sind realistisch. Afrikas Kontinentalchef Patrice Motsepe zeigt sich bereits interessiert und forderte seine Mitglieder auf, die Pläne zu prüfen. „Die CAF ist entschlossen, den Dialog und die Zusammenarbeit mit ihren Mitgliedsverbänden, der FIFA, anderen Fußballkonföderationen und Interessengruppen fortzusetzen“, heißt es in einer Mitteilung. Sollte Afrika geschlossen für die Pläne stimmen, hätte Infantino schon die Hälfte der benötigten Stimmen. Mit der Großzügigkeit der letzten Jahre hat er sich viele Freunde gemacht.

Die Rolle von Joshua Kushner und die US-Politik

Besonders heikel ist die wirtschaftliche Ebene: Der milliardenschwere Investor Joshua Kushner, Bruder von Jared Kushner (Ehemann von Ivanka Trump), soll eine tragende Rolle spielen. Kushners Fonds investierte unter anderem in Instagram, Spotify und OpenAI. Im US-Kongress wächst der Argwohn. Der demokratische Abgeordnete Jamie Raskin forderte die FIFA auf, bis zum 9. August Informationen über Kontakte zur US-Regierung vorzulegen. Aus dem Lager der Demokraten hieß es anonym in der „New York Times“, aus heutigen Fragen könnten später formale Untersuchungen werden. Raskin verlangt eine Liste aller Geldtransfers und Geschenke an Trump, dessen Regierung und Familienmitglieder. Für Infantino könnte sich diese Verbindung als Bumerang erweisen.

Gegenkandidat gesucht: Ceferin als Hoffnungsträger

Die UEFA könnte auch einen Gegenkandidaten für die FIFA-Präsidentschaftswahl 2025 aufbauen. Hoffnungsträger ist UEFA-Präsident Aleksander Ceferin, der bereits die Super League und einen früheren Milliarden-Deal mit Investoren verhinderte. „Die UEFA hat 2018 einen Deal mit 25 Milliarden US-Dollar gestoppt – das kann sie wieder tun“, so ein Insider. Doch Infantinos Deal sichert ihm durch die großzügigen Ausschüttungen die Loyalität vieler Verbände. Geld hat die größte Überzeugungskraft.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Fazit: Richtungsentscheidung für den Weltfußball

Die heutige UEFA-Sitzung wird wegweisend sein. Ein Boykott wäre ein Novum, aber die europäischen Verbände stehen unter Druck. „Die FIFA will das nächste Kap Verde schaffen“, sagte Infantino – gemeint ist die Überraschungs-WM-Teilnahme der zentralatlantischen Inselgruppe. Ob die UEFA den Mut zum Boykott hat, ist fraglich. Fest steht: Der Fußball steht vor einer Zeitenwende. Infantino will bis mindestens 2031 im Amt bleiben – mit oder ohne Europa.