Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in Marokko fällt vielen TV-Zuschauern ein merkwürdiger Trend auf: Zahlreiche Stars laufen mit zerschnittenen Stutzen auf. Was zunächst nach einem modischen Gag aussieht, hat einen medizinischen Hintergrund. Brasilien-Superstar Neymar (34) war 2018 in Russland der Erste, der auf diese Methode setzte. Inzwischen machen es ihm Spieler wie Jude Bellingham und viele andere nach.
Warum schneiden Fußballer ihre Stutzen auf?
Die Antwort liefert ein englischer Wissenschaftler, der das Phänomen dem „Mirror“ erklärte: „Im Laufe des Spiels schwellen die Waden der Fußballer an, da sie sich durch die Anstrengung mit Blut füllen. Dies kann dazu führen, dass sich die Socken eng anfühlen.“ Jedes Spiel tragen die Profis ein neues Paar Stutzen, die oft zu eng an der Wade sitzen. Durch das Aufschneiden wird der Druck verringert.
Zweitliga-Kicker Sven Michel (35) bestätigte dies im BILD-Interview: „Ich hatte viele Probleme mit Wadenkrämpfen und dachte: Das machst du auch mal. Man spürt, dass der Druck sich verringert und du nicht ganz so schnell Krämpfe bekommst.“
FIFA-Verbot wird nicht durchgesetzt
Seit 2022 verbietet der Weltverband FIFA das Schneiden oder Verändern von Stutzen in seinem Ausrüstungsreglement (Artikel 15.2). Doch die Regel wird nicht durchgesetzt. Auch die Bundesliga hat klare Vorschriften: In der Spielkleidungsrichtlinie (Punkt 42.1.c.iii.) heißt es: „Sichtbare Unterziehsocken und Stutzen dürfen keine Löcher enthalten.“ Im Oktober 2023 stellte die DFL allen Klubs eine schriftliche Strafandrohung zu. Der Strafenkatalog sieht vor: Beim ersten und zweiten Vergehen gibt es eine Verwarnung, beim dritten Mal eine Geldstrafe von 5000 Euro. Jedes weitere Vergehen kostet mehr.
In internationalen Wettbewerben wie der Champions League behandelt die UEFA das Stutzenzerschneiden milde – Löcher sind dort keine Seltenheit.
Pedro Neto spielt mit Loch im Schuh
Ein noch extremeres Beispiel lieferte Portugals Star Pedro Neto (26). In den sozialen Medien kursierte ein Foto seines kaputten rechten Schuhs mit einem Loch an der Ferse. Es handelt sich nicht um einen Unfall, sondern um Absicht. Bereits im Achtelfinale gegen Spanien (0:1) war der Schaden im TV zu sehen. Der Trainerstab reichte Neto neue Treter, doch er spielte weiter mit dem Loch. Grund: Neto leidet offenbar an der Haglund-Deformität, einem schmerzhaften Knochenauswuchs an der Ferse. Das Loch verringert Druck und Reibung. Fußballschuhe aus synthetischen Materialien sind an der Ferse extrem steif. Auch Stars wie Philippe Coutinho oder Mats Hummels haben diese Methode bereits genutzt.



