Kretzschmar: Magdeburg ist das Maß aller Dinge in der Handball-Bundesliga
Kretzschmar: Magdeburg ist das Maß aller Dinge

Die Bundesliga-Saison im Handball ist Geschichte, die Profis befinden sich in der Sommerpause. Handball-Ikone Stefan Kretzschmar (53) zieht seine ganz persönliche Bilanz und spricht über die Höhepunkte und Enttäuschungen der vergangenen Spielzeit.

SC Magdeburg als dominierende Kraft

Für Kretzschmar bleibt vor allem der SC Magdeburg in Erinnerung. „Die haben mich richtig beeindruckt. Mit nur einer Niederlage in dieser Bundesliga-Saison drei Spieltage vor dem Ende souverän Meister geworden, diese Konstanz ist einfach eine wahnsinnig tolle Leistung. Dieses Team ist in dieser Dekade das Maß aller Dinge, das es auch künftig zu schlagen gilt. Die werden auch im nächsten Jahr nicht schlechter“, lobt der 53-Jährige.

Mathias Gidsel als Ausnahmespieler

Auch individuell ragt für Kretzschmar ein Spieler heraus: Mathias Gidsel (27) von den Füchsen Berlin. „Ich habe noch nie so einen Spieler gesehen wie ihn“, schwärmt Kretzschmar und verweist auf „irre 317 Feldtore“ und „außerirdische 9,8 Treffer pro Spiel“. Für den Ex-Nationalspieler ist klar: „Gidsel wird ein ganzes Zeitalter prägen.“

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Junge Talente und konstante Leistungsträger

Neben Gidsel hebt Kretzschmar auch junge Spieler wie Elias Newel aus Göppingen, Rasmus Ankermann aus Kiel und Sören Steinhaus vom BHC hervor. Über Miro Schluroff sagt er: „Der hat in Gummersbach und in der Nationalmannschaft eine überragende Entwicklung genommen.“ Zudem beeindrucken ihn die konstanten Leistungen von Gisli Kristjansson, Felix Claar, Magnus Saugstrup und Omar Ingi Magnusson bei den Magdeburgern. Bei den Berlinern haben Lasse Andersson und Dejan Milosavljev überzeugt, bei den Rhein-Neckar Löwen Jannik Kohlbacher und Haukur Thrastarson. Auch Simon Pytlick aus Flensburg zählt zu den Gewinnern der Saison.

Enttäuschungen und positive Überraschungen

Enttäuscht zeigt sich Kretzschmar vor allem von Leipzig. „Das hätte ich im Leben nicht gedacht“, sagt er über den Absturz trotz guter Voraussetzungen und beschreibt die Abwärtsspirale: „Da passiert viel im Kopf, und du kommst da nicht mehr raus.“ Auch Hannover, Erlangen und der THW Kiel hätten „weit unter ihren Ansprüchen“ gespielt. Positiv überrascht hat ihn dagegen Melsungen: „Da kann man nur gratulieren und den Hut ziehen“, sagt Kretzschmar über den ersten Titel der Vereinsgeschichte. Gummersbach und Lemgo hätten „fantastisch“ gearbeitet. Begeistert haben ihn zudem „die vollen Hallen“ und die anhaltende Euphorie: „Es ist immer noch zu Recht die beste Liga der Welt.“

Blick auf die Füchse Berlin und die eigene Vergangenheit

Auf seinen turbulenten September bei den Füchsen blickt Kretzschmar differenziert zurück. Sportlich bewertet er die Saison der Berliner trotz aller Diskussionen positiv: „Pokalsieger und wieder Champions-League-Finale – das ist erfolgreich.“ Ob die Entlassungen sportliche Auswirkungen hatten, lasse sich nicht seriös bewerten: „Das ist reine Spekulation.“ Klar ist für ihn jedoch: „Entscheidungsträger müssen Entscheidungen zum Wohle ihres Vereins treffen, das steht außer Frage. Aber ich bleibe dabei: Der Zeitpunkt ist für mich nicht nachvollziehbar. Es gab keine negative Phase, die Berliner hatten den Supercup gewonnen und das Spiel in Göppingen. Das wird sich mir niemals erschließen, aber ich habe meinen Frieden damit gemacht.“

Vorfreude auf Jaron Siewert

Mit Blick nach vorn freut sich Kretzschmar auf einen alten Bekannten: Trainer Jaron Siewert, der ab 2027 in Melsungen übernimmt. „Ich freue mich total für ihn“, sagt er und betont den engen Austausch der vergangenen Monate. Siewert sei „absolut bereit für diese Aufgabe“, und auch die frühe Einbindung als Berater bewertet er positiv: „Melsungen wird Jaron Siewert guttun – ich glaube, das passt gut zusammen.“

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