Kretzschmar rechnet vor Nordderby mit THW Kiel ab: Keine Siegermentalität mehr?
Kretzschmar rechnet mit THW Kiel vor Nordderby ab

Kretzschmar rechnet vor Nordderby mit THW Kiel ab: Keine Siegermentalität mehr?

Handball-Ikone und Dyn-Experte Stefan Kretzschmar (52) hat in der neuesten Ausgabe seines Podcasts „Kretzsche & Schmiso“ mit Kommentator Florian Schmidt-Sommerfeld (36) klare Worte zum THW Kiel gefunden. Die deutlichen Aussagen des für seine direkte Art bekannten Experten dürften beim Rekordmeister nicht auf Begeisterung stoßen, besonders mit Blick auf das bevorstehende Nordderby in der Daikin Handball-Bundesliga.

Gefahr für die Champions-League-Qualifikation

Kretzschmar sieht den THW Kiel in ernster Gefahr, erneut die Qualifikation für die Champions League zu verpassen. „Der THW darf gar nichts mehr verlieren bis zum Ende der Saison! Das ist eigentlich in dieser Liga nicht möglich“, stellt der Experte fest. Sein Co-Moderator Schmidt-Sommerfeld ergänzt: „Die heißen ja nicht Magdeburg...“ Kretzschmar kontert: „Magdeburg ist auch nicht mehr unschlagbar. Aber sie sind dominant, immer noch. In der Liga sowieso. Aber auch in der Champions League.“

Strukturelle Probleme und Verletzungspech

Der ehemalige Nationalspieler analysiert die Kieler Probleme tiefgehend. „Mannschaften wie Kiel oder Melsungen oder Flensburg stellen ja ihren Kader so groß zusammen, um das bei möglichen Verletzungen aufzufangen. Die Füchse machen das nicht. Die gehen einen anderen Weg.“ Kretzschmar betont die Auswirkungen von Ausfällen: „Wenn Johansson ausfällt, wenn das kreativste Element des THW Kiel, Skipagotu, ausfällt und Madsen mit seiner Wurfpower ausfällt – dann hat das natürlich Einfluss auf die Leistung dieses Klubs und dieser Mannschaft.“

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Fehlende Konstanz und Motivation

Besonders kritisch äußert sich Kretzschmar zur fehlenden Konstanz des THW. „Der THW Kiel ist keine Mannschaft, in der Spieler in der Lage sind oder vom Motivationslevel, und jetzt werde ich vielleicht überspitzt sagen, in jedem Spiel 100 Prozent zu geben.“ Er führt dies auf mehrere Faktoren zurück: „Das ist eine Frage der Struktur und das ist auch eine Frage des Alters. Das ist eine Frage der Kultur.“

Obwohl der THW Kiel traditionell eine Siegermentalität verkörpere, fehle es an der richtigen Mischung: „Aber wenn du die Mischung nicht hast zwischen jungen Hungrigen, zwischen Spielern, die nach vorn drängen wollen, die immer Vollgas geben, und dann vielleicht zwei, drei international erfahrenen Spielern, wenn die Mischung nicht stimmt – ich will nicht sagen, dass der THW Kiel überaltert ist, weil das ist er in einer Normalbesetzung natürlich nicht.“

Die Niederlage in Stuttgart und ihre Bedeutung

Zur ersten Niederlage des THW Kiel in 22 Duelle gegen Stuttgart merkt Kretzschmar an: „Und jetzt muss man sehen, gegen wen hat der THW da gespielt. Gegen eine wirklich starke Stuttgarter Mannschaft. Muss man einfach mal so sagen. Das ist jetzt kein Abfall oder keine Obsttüte oder...“

Der Experte sieht den Unterschied zwischen Champions-League-Teilnahme und Verpassen in den Auswärtsspielen: „Aber der Unterschied, ob du Champions League spielst oder nicht, ist, wie du in Wetzlar spielst, wie du in Stuttgart spielst und so weiter und so fort. Und da hat der THW, glaube ich, Problem.“

Der THW als Highlight-Mannschaft

Kretzschmar charakterisiert den Kieler Verein als Team mit unausgeschöpftem Potenzial: „Der THW ist eine Highlight-Mannschaft, die beim Final Four abräumen kann. Da kann sie das Ding gewinnen. Die zu Hause gegen Magdeburg, deren Kryptonit sie offensichtlich sind, abräumen kann. Aber sie tun sich schwer, das Woche für Woche abzurufen mit der Struktur und auch mit dem Aderlass, den sie haben, den man nicht wegdiskutieren kann.“

Das bevorstehende Nordderby gegen Flensburg

Mit Blick auf das anstehende Nordderby gegen die SG Flensburg-Handewitt relativiert Kretzschmar die Tabellensituation: „Da lügt die Tabelle ein bisschen. Es sind ja zwei Mannschaften, die nicht gerade ganz safe sind. Also der THW nicht und Flensburg auch nicht.“

Obwohl Flensburg aktuell Zweiter mit neun Minuspunkten sei, nehme er sie „nicht so stabil wahr, wie man sie eigentlich vermuten würde. Sie sind schlagbar und sie sind auch ein bisschen anfällig und nicht so stabil, wie sie sein müssen. Deswegen wird dieses Nordderby hochgradig spannend.“

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Kretzschmar erwartet eine emotionale Atmosphäre in Kiel: „Die Woche wird brutal in Kiel. Also, da werden jetzt Mentalitätsmonster geschaffen und direkt angesprochen, und direkt ins Herz wird dort gesprochen mit Hinblick auf Samstag. Also natürlich werden die angezündet sein und natürlich wird die Halle richtig ausrasten am Samstag.“

Die entscheidende Frage laut Kretzschmar: „Und die Frage ist: Was wird Flensburg damit machen, mit diesem Nordderby? Wie stark ist Flensburg?“ Die Antwort darauf wird das Nordderby am Samstag liefern.