THW Kiel vor erstmaligem Europa-Aus seit 33 Jahren nach Krise
THW Kiel droht erstmals seit 33 Jahren Europa-Aus

Der Handball-Rekordmeister THW Kiel steckt in einer schweren Krise. Erstmals seit über 30 Jahren droht dem Verein das Aus in einem europäischen Wettbewerb. Nach der 30:34-Niederlage beim Abstiegskandidaten GWD Minden ist die Stimmung am Tiefpunkt. Kreisläufer Hendrik Pekeler sprach von einem nicht bestandenen Charaktertest. Geschäftsführer Viktor Szilagyi vermied ein klares Bekenntnis zu Trainer Filip Jicha und kündigte Gespräche an.

Tabellenplatz fünf reicht wohl nicht für Europa

Derzeit belegt der THW Kiel den fünften Tabellenplatz in der Bundesliga. Doch dieser reicht aller Voraussicht nach nicht für die Qualifikation zu einem internationalen Wettbewerb. Die Chance, sich über einen Sieg in der European League für die Champions League zu qualifizieren, wurde durch die Finalniederlage gegen die MT Melsungen verpasst. Zudem hat der Tabellen-14. Bergische HC als Pokalfinalverlierer bereits einen Startplatz in der European League sicher. Der THW ist nun auf sogenannte Upgrades der Europäischen Handballföderation (EHF) angewiesen, die von den nationalen Ligen und Verbänden beantragt werden müssen.

33 Jahre ununterbrochene Teilnahme an Europapokalen

Das letzte Mal, dass die Kieler nicht in Europa spielten, war vor 33 Jahren in der Saison 1992/93, als sie nur den siebten Platz belegten. Seitdem nahm der THW ununterbrochen an europäischen Wettbewerben teil und gewann dabei viermal die Champions League (2007, 2010, 2012, 2020) und viermal die European League (1998, 2002, 2004, 2019). Ein siebter deutscher Teilnehmer im Europapokal wäre zwar eher unwahrscheinlich, aber nicht völlig ausgeschlossen.

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Gründe für den Niedergang

Die Verletzungsmisere ist ein wesentlicher Faktor: Rückraum-Linkshänder Emil Madsen und Spielmacher Elias Ellefsen á Skipagøtu fallen seit längerem aus. Im Spiel gegen Minden fehlte Harald Reinkind, und während der Partie zogen sich Rasmus Ankermann nach einem üblen Foul sowie Magnus Landin und Rune Dahmke Blessuren zu. Doch auch die sportliche Entwicklung unter Trainer Filip Jicha gibt Anlass zur Sorge. Das Spiel des THW hat sich im Vergleich zu den Spitzenteams aus Magdeburg und Berlin kaum weiterentwickelt. Die Furcht vor den einst übermächtigen Zebras ist verflogen. Von den acht Saisonniederlagen kassierte der THW drei gegen Teams aus den unteren Tabellenregionen: Minden, Wetzlar und Stuttgart.

Letztes Heimspiel gegen Lemgo

Im letzten Heimspiel am Sonntag gegen den TBV Lemgo Lippe droht bei einer Niederlage sogar der Absturz auf Platz sechs. Eine so schlechte Platzierung gab es für die Kieler zuletzt vor 23 Jahren. Sollte der THW tatsächlich die Europapokal-Teilnahme verpassen, hätte dies auch Auswirkungen auf die Nationalmannschaft. Leistungsträger wie Torhüter Andreas Wolff und der vom VfL Gummersbach kommende Julian Köster hätten dann nur Spiele gegen nationale Konkurrenz – und das vor der Heim-WM im Januar.

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