Die FIFA hat die vielfach geäußerte, oftmals harsche Kritik an ihren Investoren-Plänen rund um die Fußball-WM und weitere Turniere zurückgewiesen und ihr Vorhaben abermals bekräftigt. In einer offiziellen Mitteilung wirft der Weltverband den Medien vor, den Konsultationsprozess durch „fehlerhafte Berichterstattung“ erheblich gestört zu haben. Die Wut in der Fußballwelt ist gewaltig.
„Niemand verkauft den Fußball“
Der Fußball-Weltverband erklärte, er nehme die öffentlich geäußerten Rückmeldungen und Bedenken „zur Kenntnis und respektiere diese“. Gleichzeitig bekräftigte die FIFA ihr Bekenntnis „zu einem offenen und demokratischen Konsultationsprozess“. Dieser sei in den vergangenen Tagen jedoch von „fehlerhafter Berichterstattung in den Medien“ gestört worden. Man wolle weiterhin im Dialog mit den Mitgliedsverbänden bleiben, so der Verband. Welche konkreten Meldungen die FIFA als fehlerhaft betrachtet, ließ sie allerdings offen.
Die Gründung einer Tochtergesellschaft namens FIFA Forward Enterprise (FFE) sei ausschließlich vorgeschlagen worden, „um sicherzustellen, dass alle FIFA-Mitgliedsverbände die Möglichkeit haben, die kommerziellen Chancen des Fußballs in ihren jeweiligen Ländern sinnvoll zu nutzen“. Der Weltverband betonte ausdrücklich: „Niemand verkauft den Fußball.“ Dies sei etwas, das die FIFA „niemals in Betracht ziehen würde“.
Investorenpläne: Anteile an WM und Turnieren
Am Dienstag dieser Woche war bekannt geworden, dass die FIFA und ihr Präsident Gianni Infantino Anteile an der Fußball-Weltmeisterschaft und weiteren Turnieren an private Investoren verkaufen wollen. Die Pläne sehen vor, Investoren an den künftigen kommerziellen Erlösen der Events zu beteiligen. Die FIFA erhofft sich dadurch offenbar zusätzliche Einnahmen jenseits von Sponsoring und TV-Geldern.
Der Widerstand ist gewaltig. Viele Funktionäre und Fans befürchten, dass die Interessen der Geldgeber künftig Vorrang vor sportlichen Belangen haben könnten. Ausdrücklich gegen das Vorhaben stellt sich die Europäische Fußball-Union (UEFA).
Kritikern geht es zudem zu schnell: Die Frist bis zum 19. September lasse den Verbänden kaum Zeit, die weitreichenden Pläne zu prüfen und eine fundierte Entscheidung zu treffen.
UEFA droht mit Boykott aller FIFA-Turniere
Die UEFA hatte während einer digitalen Schaltkonferenz aller 55 Mitgliedsverbände am Donnerstag den Boykott aller FIFA-Turniere für den Fall beschlossen, dass Infantino sein Vorhaben durchdrückt oder auch nur weiterverfolgt. Das ist eine Eskalation ohne Beispiel im Verhältnis der beiden mächtigsten Fußball-Organisationen. Ein Boykott würde bedeuten, dass europäische Nationalteams nicht an Weltmeisterschaften teilnehmen – ein Szenario, das den wichtigsten Wettbewerb der Welt massiv entwertet.
Ein Tag zuvor, am Mittwochabend, hatte sich bereits die CONCACAF, der Verband für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik, den Europäern angeschlossen. Auch die 41 Mitglieder der CONCACAF lehnen die Investorenpläne ab. Zusammen kommen die beiden Verbände damit auf 96 ablehnende Stimmen unter den 211 FIFA-Mitgliedern.
Frist bis 19. September: 106 Stimmen für Mehrheit nötig
Infantino hat den Mitgliedsverbänden eine Frist bis zum 19. September gesetzt, um den Plänen zuzustimmen. Eine einfache Mehrheit – also die Zustimmung von 106 der 211 Mitgliedsverbände – würde ausreichen, um das Investoren-Vorhaben durchzusetzen. Diese Rechnung zeigt: Die Gegner aus Europa und Nordamerika könnten überstimmt werden, wenn andere Konföderationen sich auf die Seite Infantinos stellen.
Der offene Konflikt droht, den internationalen Fußball zu spalten. Sollte es tatsächlich zu einem Boykott der UEFA und CONCACAF kommen, verlöre die WM ihren Status als globales Sportereignis. Auch wirtschaftlich wären die Folgen gravierend, denn die europäischen und nordamerikanischen Märkte zählen zu den lukrativsten der Branche.
Die FIFA indes präsentiert sich als Bewahrerin der Chancengleichheit. Durch die Beteiligung privater Investoren sollen offenbar auch kleinere Verbände finanziell profitieren und ihre Infrastruktur modernisieren können. Kritiker sehen darin vor allem eine Machtausweitung Infantinos und eine wachsende Abhängigkeit von kommerziellen Interessen.
FIFA greift Medien an
Bemerkenswert ist der Umgang der FIFA mit der Kritik. Statt auf die sachlichen Einwände von Verbänden und Funktionären einzugehen, richtet sich der Weltverband gegen die Berichterstattung. Dass ausgerechnet ein demokratischer Konsultationsprozess durch Medien gestört werde, gilt in der Branche als abwegige These. Die FIFA dürfte mit dieser Haltung die Debatte weiter anheizen.
Bis zum 19. September bleibt nur wenig Zeit für eine diplomatische Lösung. Ob die geplanten Investoren-Modelle Realität werden oder am Widerstand scheitern, ist offen. Klar ist: Die kommenden Wochen werden richtungsweisend für den Weltfußball.



