Mihambo verliert deutschen Meistertitel an Assani: Wind und Fehler entscheiden
Mihambo verliert deutschen Meistertitel an Assani

Die Olympiasiegerin Malaika Mihambo hat bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Wattenscheid eine seltene Niederlage auf nationaler Ebene hinnehmen müssen. Mit einer Weite von 6,63 Metern aus dem ersten Versuch unterlag die 30-Jährige knapp der 24-jährigen Mikaelle Assani, die im Lohrheidestadion vier Zentimeter weiter sprang. Die Verhältnisse mit böigem Wind erschwerten den Wettkampf erheblich.

Assani feiert Überraschungscoup nach Verletzungspause

„Der Wind war nicht auf meiner Seite, aber es ist in Ordnung“, sagte Mihambo gefasst und zuckte mehrfach mit den Schultern. Die zweimalige Weltmeisterin räumte ein, bei Gegenwind einige Versuche abgebrochen zu haben, weil der Absprungpunkt nicht erreicht wurde. Im letzten Durchgang verschenkte sie 44 Zentimeter beim Absprung. „Das ist schade, aber da kann man dann nichts machen“, fügte die Olympiasiegerin hinzu, die noch den Wettkampf in London in den Beinen spürte, wo sie erstmals in dieser Saison die Sieben-Meter-Marke geknackt hatte.

Für Mikaelle Assani kam der Titelgewinn völlig unerwartet. „Ich bin einfach unglaublich überrascht“, sagte die Karlsruherin, die nach einer 15-monatigen Verletzungs-Auszeit ihr Comeback feierte. „Es ist ein großes Geschenk, dass ich hier nach meiner Pause bei deutschen Meisterschaften starten darf. Mit dem Titel rauszulaufen, das war nicht in meinem Kopf.“ Assani zeigte sich mit den schwierigen Bedingungen besser vertraut als die Favoritin.

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Agyekum und Mabry mit starken Leistungen

Neben dem Weitsprung-Duell sorgten weitere deutsche Leistungsträger für Höhepunkte. Emil Agyekum unterbot über 400 Meter Hürden mit 47,65 Sekunden den Meisterschaftsrekord von Harald Schmid, der seit 1985 bei 48,02 Sekunden stand. „Ich bin super drauf, hab‘ ein neues Level erreicht“, so der 27-Jährige vom SCC Berlin, der zuvor bereits den deutschen Rekord von Schmid geknackt hatte. Der Zweitplatzierte Owe Fischer-Breiholz zeigte in 48,08 Sekunden ebenfalls eine starke Leistung vor 14.000 Zuschauern. „Ich habe gute Konkurrenz in Deutschland, das macht mich so stark“, stellte Agyekum fest. Sein Motto auch für die EM: „No limits – alles möglich.“

Kugelstoß-Olympiasiegerin Yemisi Mabry gewann mit mäßigen 19,04 Metern ihren dritten deutschen Titel in Folge. Über 100 und 200 Meter setzte sich Owen Ansah souverän durch (20,13 Sekunden über 200 Meter), unbeeindruckt vom Verfahren der Nationalen Anti Doping Agentur. Robert Farken siegte über 1500 Meter in 3:35,33 Minuten, während Ex-Europameisterin Gesa Krause über 3000 Meter Hindernis unangefochten blieb. „Ich war lange nicht mehr so nervös. Ich wollte heute unbedingt gewinnen“, sagte die bald 34-jährige Mutter nach ihrem Sieg.

Hummel und Batz mit EM-Perspektive

Der WM-Zweite Merlin Hummel verteidigte seinen deutschen Meistertitel im Hammerwurf mit 79,18 Metern bei zeitweiligem Nieselregen. „Die 80 wäre schön gewesen, aber wir haben ja noch Birmingham“, sagte Hummel mit Blick auf die Europameisterschaft. „Natürlich geht‘s um die Medaillen. Ich würde lügen, wenn es nicht so wäre.“ Am ersten Wettkampftag hatte Weitspringer Simon Batz mit 8,29 Metern für Aufsehen gesorgt. Speerwerfer Julian Weber holte seinen sechsten Meistertitel in Folge und zog damit mit Olympiasieger Klaus Wolfermann gleich.

Lückenkemper von Zeckenbiss ausgebremst

Die einstige Doppel-Europameisterin Gina Lückenkemper erlebte ein bitteres Ende ihrer Titelserie über 100 Meter. Ein Zeckenbiss hatte sie wochenlang außer Gefecht gesetzt. Am Samstag siegte stattdessen Jolina Ernst, die 22-jährige Tochter der einstigen Sprinterin Melanie Paschke. Die deutschen Meisterschaften dienten für viele Athleten als letzter Test vor der EM in Birmingham, die in zwei Wochen beginnt.

Quelle: ntv.de, ter/dpa

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