Speerwurf-Ass Julian Weber zurück: Europäische Jahresbestleistung in Luzern
Speerwurf-Ass Julian Weber zurück mit Jahresbestleistung

Julian Weber, Deutschlands bester Speerwerfer, ist zurück auf der großen Bühne. Nach monatelangen Verletzungsproblemen feierte der 31-Jährige in Luzern ein beeindruckendes Comeback: Mit 87,04 Metern erzielte er nicht nur die europäische Jahresbestleistung, sondern auch die drittbeste Weite weltweit in diesem Jahr. Der einstige Europameister warf den Speer bei seinem ersten Wettkampf der Saison auf diese Distanz und übertraf damit alle Erwartungen.

Von Zweifeln zu neuen Zielen

„Vor ein paar Wochen hätte ich noch gesagt, Hauptsache werfen und einigermaßen beschwerdefrei werfen. Jetzt mit Luzern habe ich ein anderes Ziel“, sagte Weber in einer Medienrunde vor den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Bochum. Der in Berlin lebende Mainzer hat große Pläne für die restliche Saison: Am Samstag möchte er im traditionsreichen Wattenscheider Lohrheidestadion seinen sechsten deutschen Titel in Serie holen und damit mit Speerwurf-Legende Klaus Wolfermann gleichziehen, der 1972 Olympiasieger wurde.

Weber erklärte, dass er sich vor den deutschen Titelkämpfen in ein Trainingslager nach Potsdam begeben habe, um sich optimal behandeln zu lassen. Denn das volle Training kann er eigenen Angaben zufolge immer noch nicht absolvieren. „Es fehlen mir viele Würfe, Gewichte stemmen und sprinten war nicht wie gewünscht möglich, weil Achillessehne, Schulter und Rücken zwickten“, berichtete er. Die Verletzungen hatten ihn über Monate hinweg ausgebremst.

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„Wie ein Tiger im Käfig“

Weber beschrieb die vergangene Zeit als „nicht schön“ und fühlte sich „wie ein Tiger im Käfig. Man will endlich raus und spielen. Man hat so hart trainiert und kann es die ganze Zeit nicht zeigen.“ Die anhaltenden Beschwerden machten ihn „kirre“, dennoch blieb er „vernünftig“ und setzte auf Reha-Training und Geduld. Diese Strategie zahlte sich aus: Zehn Monate nach dem enttäuschenden fünften Platz bei der Weltmeisterschaft in Tokio, wo ihn ein Infekt ausgebremst hatte, gelang ihm in Luzern eine überraschende Rückkehr.

„Extrem glücklich“ sei er mit der Weite, so Weber. Nach drei von sechs möglichen Versuchen beendete er den Wettkampf vorzeitig – auch in Bochum sollen es nur möglichst wenige Versuche werden. Sein nächstes großes Ziel ist die Europameisterschaft im britischen Birmingham am 15. August, wo er „gern wieder ganz weit vorn dabei sein und eine Medaille gewinnen“ möchte. Den Titel gibt er jedoch nicht als Ziel aus: „Da kann immer jemand kommen, der weit werfen kann.“

Röhler zurück – Vetter sagt ab

In Bochum könnte ein alter Bekannter zu Webers härtestem Rivalen werden: Thomas Röhler, Olympiasieger von Rio 2016, ist nach jahrelangen Verletzungsproblemen zurück auf der internationalen Bühne. Der 34-Jährige aus Jena meldete sich mit 83,33 Metern in diesem Frühjahr zurück und durfte nach sieben Jahren erstmals wieder in der Diamond League starten. „Ich weiß diese Momente noch mehr zu schätzen nach den harten Jahren, weil es nichts gab, worüber ich mich auf einer großen Bühne hätte freuen können“, sagte Röhler in einem Instagram-Video. „Wenn ich die Herausforderung des Zurückkommens nicht geliebt hätte, hätte ich das nicht geschafft.“

Weber und Röhler verbindet ein gutes Verhältnis: „Wir hatten jetzt auch in Luzern eine gute Zeit. Wir waren essen, haben uns Luzern angeguckt und haben uns gegenseitig gecoacht“, berichtete Weber. Er hatte gehofft, dass auch der Ex-Weltmeister Johannes Vetter in Bochum dabei ist, doch der 33-Jährige sagte ab und dürfte auch die EM verpassen. „Manchmal besteht Fortschritt darin, einen Moment auszuhalten, den man sich anders gewünscht hätte“, schrieb Vetter bei Instagram. Weber und Röhler wissen genau, was er meint.

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