Kimi Antonelli schreibt Formel-1-Geschichte: Jüngster WM-Führer nach Sieg in Japan
Antonelli jüngster Formel-1-WM-Führer nach Japan-Sieg

Historischer Moment in Suzuka: Kimi Antonelli wird jüngster Formel-1-WM-Führer

Der Große Preis von Japan hat Motorsport-Geschichte geschrieben. Der erst 19 Jahre und 216 Tage alte Italiener Kimi Antonelli siegte in Suzuka und übernahm damit die Führung in der Formel-1-Weltmeisterschaft – als jüngster Fahrer überhaupt. Der Mercedes-Shootingstar beerbt damit Rekordweltmeister Lewis Hamilton, der diese Bestmarke seit dem Grand Prix von Spanien 2007 gehalten hatte.

Routinierter Auftritt des Teenagers

Antonelli präsentierte sich bei seinem historischen Triumph erstaunlich reif. Nach einem Schlenker mit dem Mercedes in Richtung Boxenmauer auf der Zielgeraden, Dankesworten per Funk und einer Siegerpose auf dem Auto zeigte der junge Italiener sogar ein Augenzwinkern für die TV-Kameras. Damit schnappte er nicht nur seinem Teamkollegen George Russell die Führung weg, sondern demonstrierte auch mentale Stärke weit über sein Alter hinaus.

Das Podium komplettierten Oscar Piastri auf Platz zwei und Charles Leclerc auf Rang drei. Für Piastri war es der erste Start in dieser Saison überhaupt, während Ferrari-Pilot Leclerc sich in den letzten Runden noch einen engen Kampf mit George Russell im zweiten Mercedes lieferte.

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Verzögerter Start nach schwerem Vorfall

Das Rennwochenende begann mit einem Schreckmoment. Ein schwerer Unfall beim vorangegangenen Porsche Carrera Cup sorgte für einen verzögerten Start der Königsklasse. Der Automobil-Weltverband Fia nannte Reparaturarbeiten an einer beschädigten Leitplanke als Grund. Videoclips von Journalisten zeigen, wie sich ein Fahrzeug mehrfach überschlug und meterhoch über die Streckenbegrenzung schleuderte, wobei Teile in Richtung der Zuschauertribünen flogen. Der betroffene Fahrer Masa Taga soll laut Angaben des Suzuka Circuit keine schweren Verletzungen davongetragen haben.

Dramatischer Rennverlauf mit Safety-Car-Phase

Der Start verlief für Antonelli zunächst enttäuschend. Der Polesitter kam kaum weg und fiel auf Platz sechs hinter Lewis Hamilton zurück. Auch Russell verlor Positionen, von Startplatz zwei auf vier. Piastri übernahm die Führung vor Leclerc und Vorjahresweltmeister Lando Norris im McLaren.

Nach 22 Runden kam es zu einem schweren Crash, als Oliver Bearman mit seinem Haas vor der Spoon-Kurve aufs Gras geriet, die Kontrolle verlor und mit hoher Geschwindigkeit in der Bande landete. Der 20-Jährige konnte aussteigen, musste sich aber hinsetzen und hatte offenbar Schmerzen. Haas-Teamchef Ayao-Komatsu erklärte: „Ollie hatte einen riesigen Geschwindigkeitsunterschied zum Auto davor. Daher musste er Franco Colapinto ausweichen und es kam zum Crash.“ Später meldete das Team, dass Bearman mit einer Kraft von 50 g eingeschlagen sei, aber lediglich eine Prellung am Knie erlitten habe.

Kritik am neuen Reglement

Der Vorfall dürfte Kritiker des neuen Formel-1-Reglements bestätigen, die die durch die Energierückgewinnung hervorgerufenen Geschwindigkeitsunterschiede als erhebliches Unfallrisiko ausmachen. Komatsu betonte zwar, man mache Colapinto „keine Vorwürfe“, doch die Diskussion über die Sicherheitsaspekte des aktuellen Regelwerks wird durch solche Vorfälle weiter angeheizt.

Antonelli profitiert von Safety Car

In Folge des Unfalls kam das Safety Car auf die Strecke – zum Ärger von George Russell, der kurz zuvor seinen Reifenwechsel absolviert hatte. „Unglaublich!“, schimpfte der Brite am Funk. Sein junger Teamkollege Antonelli dagegen, der zu diesem Zeitpunkt das Rennen vor Hamilton anführte, profitierte von der Situation. Er sparte beim Boxenstopp in der Safety-Car-Phase wertvolle Zeit und flog danach davon. Nach 45 Umläufen hatte er bereits über 12 Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten Piastri.

Spannende Teamduelle

Auch bei Ferrari lieferten sich die Teamkollegen ein hartes Duell. Im Kampf ums Podium versuchte Leclerc, an Hamilton vorbeizukommen. Der Rekordchampion machte sich breit, musste letztlich aber sowohl seinen Teamkollegen als auch Russell passieren lassen – in beiden Fällen eine knappe Angelegenheit. Sky-Kommentator Sascha Roos fasste zusammen: „Hamilton ist ein harter Knochen.“

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Piastris Erleichterung und Verstappens Frust

Bei Oscar Piastri herrschte nach dem Rennen gute Laune. Beim Siegerinterview wurde er mit den Worten begrüßt: „Oscar, endlich mal ein Rennen zu Ende gefahren!“ – woraufhin er den Mund zu einem Grinsen verzog. Nach seinem desaströsen Debüt in der Heimat, bei dem er sein Auto schon in der Einführungsrunde zu Schrott gefahren hatte, und den Batterieproblemen beider McLaren in China bedeutete der zweite Platz in Suzuka eine wichtige Trendwende.

Ganz anders die Stimmung bei Max Verstappen. Der Vierfachweltmeister war kaum in den TV-Übertragungen zu sehen, da er über das Mittelfeld nicht hinauskam. Von Position elf gestartet, arbeitete er sich bis auf Rang acht vor. Ganz am Schluss sah man ihn noch im Bild, wie er vergeblich versuchte, mit seinem Red Bull vor Pierre Gasly im Alpine ins Ziel zu kommen. Vater Jos Verstappen hatte sich bereits am Samstag nach dem desaströsen Qualifying besorgt geäußert: „Das Fahren in diesen Autos fordert ihn nicht. Ehrlich gesagt, befürchte ich, dass Max seine Motivation verliert.“

Ausblick auf die kommenden Rennen

Weil die nächsten beiden Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien wegen des Irankriegs abgesagt wurden, ist der nächste Grand Prix erst für den 3. Mai im US-amerikanischen Miami geplant. Kimi Antonelli wird dann als überraschender WM-Führer an den Start gehen – ein Beweis dafür, dass die Formel 1 auch in schwierigen Zeiten für spektakuläre Überraschungen gut ist.