Biathlon-Legende Björndalen analysiert deutsche Schwächen und Norwegens Übermacht
Die Biathlon-Ikone Ole Einar Björndalen hat im exklusiven Interview mit SPORT1 bei den Olympischen Spielen 2026 in Italien deutliche Worte gefunden. Der 52-jährige Norweger, der mit 25 Weltcup-Jahren und den meisten Siegen in der Geschichte des Sports als Experte für TV2 arbeitet, äußerte sich überrascht zur anhaltenden Suche des deutschen Teams nach einem konstanten Siegläufer.
Deutschland fehlt die Führungspersönlichkeit
„Man sieht nur die Resultate. Und es gibt keine Führungsperson, die extrem gute Resultate bringt“, analysiert Björndalen die deutsche Situation. Der Rekordhalter vermisst Athleten vom Kaliber eines Frank Luck, Michael Greis oder Sven Fischer, die ständig oben mitgemischt hätten. „Das fehlt einfach. Und das ist überraschend bei so einer großen Nation“, betont der Experte, der auch Trainer-Wechsel in den vergangenen Jahren als möglichen Grund für die Schwierigkeiten nennt.
Kritik an Social-Media-Umgang und Norwegen-Dominanz
Zur Entscheidung der deutschen Biathletin Vanessa Voigt, während der Olympischen Spiele Abstand von Instagram zu nehmen, äußert sich Björndalen eindeutig unterstützend: „Ich empfehle, dass sie während der Olympischen Spiele total abschaltet von den Sozialen Medien. Es ist blöd, dass du so eine negative Stimmung bekommst durch blöde Leute“. Die norwegische Dominanz im Wintersport bewertet der Experte differenziert – während er im Biathlon mehrere starke Nationen sieht, bezeichnet er die Situation im Langlauf als „Katastrophe“, da hier fast nur Norwegen und Schweden die Podeste beherrschen.
Bö-Rücktritt und neue Talente
Zum Karriereende von Johannes Thingnes Bö hat Björndalen eine klare Meinung: Die Debatte um eine verlorene Leitfigur im norwegischen Team hält er für „Blödsinn“ und „nur eine Mediensache“. Als potenziellen neuen Dominator sieht er Johan-Olav Botn, der aus der B-Mannschaft kommt und in einem anderen System trainiert. „Was er dieses Jahr gezeigt hat, ist unglaublich“, so Björndalen, der jedoch die extrem hohe Trainingsbelastung des jungen Norwegers kritisch hinterfragt.
Persönliche Rekorde und Zukunft als Trainer
Zum Verlust seines Rekords für die meisten olympischen Goldmedaillen an Johannes Hösflot Kläbo zeigt sich der Biathlon-Legende gelassen: „Alle Rekorde haben ihre Zeit. Der Sport entwickelt sich“. Seinen Weltcup-Siegerekord sieht er in einem historischen Kontext, da zu seiner aktiven Zeit weniger Disziplinen und mehr konkurrierende Nationen existierten. Für seine eigene Zukunft kann sich Björndalen durchaus eine Rückkehr als Nationaltrainer vorstellen, nachdem er bereits Erfahrungen in China sammeln konnte.



