Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat auf seiner 146. Vollversammlung in Lausanne eine historische Entscheidung getroffen: Erstmals in seiner 132-jährigen Geschichte werden Athletinnen und Athleten direkt an den Einnahmen der Olympischen Spiele beteiligt. Künftig erhält jeder Olympia-Teilnehmer eine Prämie von 10.000 US-Dollar (umgerechnet rund 8.800 Euro). Dafür legt das IOC einen Fonds über 140 Millionen Dollar pro Olympia-Zyklus auf. Insgesamt sollen 14.000 Sportlerinnen und Sportler den Zuschuss beantragen können. Die Entscheidung gilt rückwirkend für die Winterspiele in Mailand/Cortina, wie das IOC am Mittwoch bekannt gab.
Deutsche Sporthilfe begrüßt den Schritt
In Deutschland stößt der Beschluss auf positive Resonanz, insbesondere bei der Stiftung Deutsche Sporthilfe. „Die Entscheidung des IOC ist ein bedeutender Schritt hin zu mehr Wertschätzung für Olympionikinnen und Olympioniken weltweit“, sagte Max Hartung, Sprecher des Sporthilfe-Vorstandes. Der frühere Fecht-Weltmeister und Olympiateilnehmer, der sich als Gründungspräsident des Vereins Athleten Deutschland für eine Gewinnbeteiligung eingesetzt hatte, ergänzte: „Wer es zu den Spielen schafft, investiert Jahre an harter Arbeit, Disziplin und Verzicht – diese Leistung verdient auch eine direkte finanzielle Anerkennung.“
Karin Orgeldinger, ebenfalls aus dem Sporthilfe-Vorstand, betonte: „Gerade für viele Athletinnen und Athleten kann diese Unterstützung eine spürbare Entlastung bedeuten – sei es zur Sicherung ihrer sportlichen Laufbahn oder mit Blick auf die berufliche Zukunft nach dem Sport.“ Sie sieht die Prämie als sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Förderstrukturen.
Auch Sportmillionäre sind berechtigt
Die Prämie steht jedoch nicht nur Athleten mit geringeren Einkommen offen, sondern auch Sportmillionären wie Fußballprofis, Tennisstars oder Ski-Athleten. Pau Gasol, Vorsitzender der Athletenkommission des IOC und früherer NBA-Star, erklärte am Rande des IOC-Sondergipfels in Lausanne: „Sie sind berechtigt, dieses Geld zu empfangen. Sie entscheiden, wie sie damit umgehen. Wir wollen, dass auch sie gewürdigt werden.“ Gasol mahnte jedoch: „Sie sollten das mit Bedacht nutzen.“
Jeder Athlet habe die Möglichkeit, die Prämie zu spenden oder abzulehnen, so Gasol. Nicht abgerufene Zuschüsse verbleiben im IOC-Fonds und sollen zukünftigen Sportler-Generationen zugutekommen. Die Auszahlung erfolgt über die Nationalen Olympischen Komitees (NOKs), die nachweisen müssen, dass die Athleten die volle Summe erhalten haben.
IOC ändert Vergabemodus für Olympische Spiele
Drei Monate vor der Wahl des deutschen Olympia-Bewerbers hat das IOC zudem den Modus der Vergabe künftiger Spiele verändert. Künftig gibt es im Auswahlverfahren eine zusätzliche Prüfphase, und die IOC-Mitglieder erhalten bei der finalen Entscheidung über die Gastgeber wieder mehr Mitsprache. Unter dem neuen Regelwerk sollen die Sommerspiele 2036, für die sich auch Deutschland bewirbt, erst Mitte 2029 vergeben werden. Zum Vergleich: Los Angeles und Brisbane als die kommenden beiden Ausrichter hatten jeweils elf Jahre im Voraus den Zuschlag erhalten.
Auswirkungen auf die deutsche Bewerbung
Der einstimmige Beschluss bei der außerordentlichen Generalversammlung in Lausanne könnte zusätzliche Dynamik in die Kür des deutschen Kandidaten bringen. Der kürzere Zeitraum zwischen Vergabe und Olympia-Eröffnung könnte Bewerber bevorteilen, die wie Deutschland auf viele bereits bestehende Wettkampfstätten setzen und Erfahrungen mit Großveranstaltungen haben. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) entscheidet am 26. September auf seiner Sonder-Mitgliederversammlung in Baden-Baden, ob Berlin, München oder die Region Rhein-Ruhr mit Köln als Zentrum nominiert wird. Der DOSB hat beim IOC offiziell bereits sein Interesse an den Sommerspielen 2036, 2040 oder 2044 hinterlegt.



