Caster Semenya verurteilt IOC-Entscheidung zu Gentests als respektlos
Die zweifache Olympiasiegerin Caster Semenya aus Südafrika hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) für die geplante Wiedereinführung genetischer Geschlechtstests scharf kritisiert. Die Leichtathletin bezeichnete die Maßnahme, die ab den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles gelten soll, als „Respektlosigkeit gegenüber Frauen“. Semenya äußerte ihre Kritik am Sonntag in Kapstadt und zeigte sich besonders enttäuscht von der Haltung der IOC-Präsidentin Kirsty Coventry.
Besondere Enttäuschung über afrikanische IOC-Präsidentin
Für Semenya, die jahrelang juristisch gegen die umstrittenen Testosteron-Regelungen in der Leichtathletik gekämpft hat, ist die Position von IOC-Präsidentin Kirsty Coventry besonders schmerzhaft. „Für mich persönlich ist die Tatsache, dass sie eine Frau aus Afrika ist, die weiß, wie sehr afrikanische Frauen und Frauen aus dem globalen Süden von diesem Thema betroffen sind, natürlich verletzend“, erklärte die südafrikanische Sportlerin. Coventry stammt aus Simbabwe und sollte nach Semenyas Ansicht mehr Sensibilität für die besondere Situation von Athletinnen aus bestimmten Regionen zeigen.
IOC führt genetische Tests nach fast 30 Jahren wieder ein
Das Internationale Olympische Komitee hatte am vergangenen Donnerstag angekündigt, genetische Geschlechtstests für die Olympischen Spiele 2028 wieder einzuführen. Damit kehrt das IOC zu einer Praxis zurück, die zuletzt bei den Spielen 1996 in Atlanta angewendet wurde. Um die Teilnahme an Frauenwettbewerben auf „biologische Frauen“ zu beschränken – so die Formulierung des IOC – wird ein voraussichtlich einmaliges SRY-Gen-Screening obligatorisch.
Das olympische Komitee begründet diese Entscheidung mit dem Ziel, für „Fairness und Sicherheit auf dem Spielfeld“ zu sorgen. Mit dieser Maßnahme folgt das IOC dem Beispiel verschiedener internationaler Sportverbände, darunter der Box- und Leichtathletik-Weltverband, die bereits ähnliche Regelungen eingeführt haben.
Juristische Auseinandersetzungen und sportpolitische Debatten
Caster Semenya, die 2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro Olympia-Gold über 800 Meter gewann, hat bereits umfangreiche juristische Kämpfe gegen geschlechtsbezogene Regularien im Sport geführt. Die aktuelle Entscheidung des IOC stellt für die südafrikanische Athletin einen Rückschlag dar und wirft grundsätzliche Fragen zur Behandlung von Sportlerinnen mit Unterschieden der Geschlechtsentwicklung auf.
Die Debatte um Geschlechtstests im Hochleistungssport wird seit Jahren kontrovers geführt und berührt Fragen der sportlichen Fairness, der Menschenrechte und der medizinischen Ethik. Mit der Wiedereinführung der Tests ab 2028 positioniert sich das IOC klar in dieser komplexen sportpolitischen Diskussion.



