Vierfacher Tour-de-France-Sieger Chris Froome (41) hat nach einem verheerenden Sturz im August 2025 seine Radsportkarriere beendet. In einem Interview mit der französischen Sportzeitung „L’Équipe“ spricht der Brite erstmals ausführlich über den Unfall, der ihn fast das Leben kostete, und seine schwere Genesung.
Unfall mit über 45 km/h gegen Verkehrsschild
Bei einem Trainingsunfall in Südfrankreich krachte Froome ungebremst mit über 45 km/h gegen ein Verkehrsschild. Er musste per Hubschrauber in eine Klinik nach Toulon geflogen und notoperiert werden. Die Diagnosen: Herzbeutelriss, Lendenwirbelbruch, kollabierter Lungenflügel. „Ich habe Glück, dass ich noch lebe. Das hätte wirklich anders ausgehen können“, sagte Froome. „Ich lag am Boden und wusste, dass ich wohl nie wieder würde laufen können. Das ist ein demütiger Moment. Der hat mir die Augen geöffnet. Was in der Radsportwelt geschah, war plötzlich egal. Es war ein riesiger Schock für meine Familie, es war eine schwere Zeit.“
Schwere Verletzungen: Herzbeutelriss und gebrochene Rippen
In dem Interview präzisiert Froome die bekannten Diagnosen. „Alle meine Rippen auf der rechten Rückenseite waren gebrochen, dazu Wirbel. Mein Brustkorb ist beim Aufprall zusammengekracht. Meine rechte Lunge war schwer verletzt. Eine meiner Rippen hatte den Herzbeutel durchstoßen, sodass mein Herz quasi offen und ungeschützt war. Mein Brustkorb füllte sich mit Blut, ich bekam keine Luft. Die Sanitäter waren binnen sieben, acht Minuten da. Ich hatte großes Glück, dass der Chirurg den Herzbeutel wiederherstellen, vernähen und in meinem Brustkorb verschließen konnte.“
Erneuter Lungenkollaps nach Krankenhausentlassung
Doch die Genesung gestaltete sich schwieriger als gedacht. Kaum 24 Stunden nach der Entlassung aus dem Krankenhaus kollabierte seine Lunge erneut. „Ich bekam keine Luft und meine Frau musste mich wieder in die Klinik fahren. Noch eine Operation, wieder Schläuche in meinem Brustkorb. Eine schreckliche Erfahrung; nicht nur der Sturz an sich, sondern die Folgen. In diesem Moment schwebte ich in Lebensgefahr“, sagt Froome.
Neue Prioritäten: Familie statt Radsport
Der einstige Kapitän des Team Sky hat seine Prioritäten verschoben. „Ich fühle mich, als hätte ich eine zweite Chance im Leben bekommen. Das ist ein Zeichen, es ruhiger angehen zu lassen und das Leben zu genießen. Die letzten zwei Jahrzehnte habe ich Opfer gebracht und gelitten. Das war mein Traum, aber nun bin ich an einem Punkt in meinem Leben angelangt, an dem ich leben und Zeit mit meiner Familie verbringen will. Ich kann mit meinen Kindern wandern oder zelten gehen. Meine Priorität ist es jetzt, als Ehemann und Vater präsenter zu sein“, erklärt er.
Karriereende ohne Abschiedsrennen
Froome beendete seine Karriere heimlich, still und leise kurz vor der Tour de France 2026, anders als geplant ohne ein Abschiedsrennen. Zuletzt fuhr er für das Team Israel-Premier Tech. Nun kommt er als Fan zur Tour. Auf die Frage, ob Tadej Pogacar (27), der ebenfalls viermal die Tour gewann, so dominant sei wie er selbst, antwortet Froome: „Da ist ein himmelweiter Unterschied. Er macht sie alle fertig. Ich habe früher auch sehr zeitig sehr hart gearbeitet. Aber Tadej treibt es auf die Spitze. Schon auf der 6. Etappe machte er den anderen klar, dass sie nur noch um Platz 2 fahren. Ich weiß, wie demoralisierend das für die Kontrahenten sein kann. Ich bin froh, dass er nicht dabei war, als ich in Bestform war“, lacht er.



