Bewerbung für den Grand Depart 2029 offiziell eingereicht
Deutschland bewirbt sich um den Start der Tour de France im Jahr 2029. Das Bid Book mit den konkreten Plänen übergab German Cycling am Mittwoch im Jakob-Kaiser-Haus des Deutschen Bundestages in Berlin an Tourdirector Christian Prudhomme und den Veranstalter ASO. Sollte Berlin gemeinsam mit den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen den Zuschlag erhalten, wäre es das fünfte Mal, dass die Tour de France in Deutschland beginnt – nach Köln 1965, Frankfurt am Main 1980, Westberlin 1987 und Düsseldorf 2017.
Die Wahl des Jahres 2029 ist bewusst auf den 40. Jahrestag des Mauerfalls datiert. „40 Jahre Fall der Mauer sind wichtig, nicht nur für Deutschland. Daher wäre 2029 besser als 2030. Schließlich war der Fall der Mauer der Auslöser für die Deutsche Einheit, das sehen viele, viele Leute so“, sagte Prudhomme bereits im März gegenüber BILD. Ursprünglich hatte die deutsche Seite das Jahr 2030 für den 40. Jahrestag der Wiedervereinigung angestrebt, doch Prudhomme riet, sich auf 2029 zu konzentrieren.
Historische und symbolische Bedeutung
Bei der Übergabe des Bid Books zeigte sich Prudhomme sichtlich zufrieden, dass German Cycling seinen Rat befolgte. „Die Tour de France ist weit mehr als ein Sportereignis. Sie macht Landschaften, Kultur und Geschichte sichtbar, verbindet Menschen und gibt Regionen die Möglichkeit, sich der Welt zu präsentieren. 40 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer hätte ein Grand Depart in Berlin und Mitteldeutschland eine außergewöhnliche historische und symbolische Bedeutung, für Deutschland, für Europa und für die deutsch-französische Freundschaft“, erklärte er.
Rudolf Scharping, Ehrenpräsident von German Cycling und Vorstand des Vereins Grand Départ Allemagne, betonte: „Ein Grand Depart 2029 wäre weit mehr als ein Sportereignis. Er bietet die Chance, den Menschen zu danken, die den Weg zu Freiheit und deutscher Einheit geehnet haben, und zugleich die große Radsporttradition insbesondere in Ostdeutschland zu würdigen. Diese Verbindung aus Geschichte, Begeisterung und Zukunft macht unsere Bewerbung besonders.“
Politische Prominenz und Finanzierungsfragen
Zur Übergabe kamen neben Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner auch die Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (Sachsen), Mario Voigt (Thüringen) und Sven Schulze (Sachsen-Anhalt). Ein Gruppenfoto vor dem Brandenburger Tor besiegelte die Bewerbung. Die Finanzierung könnte jedoch eine Hürde darstellen. Berlin muss derzeit drei Milliarden Euro einsparen, und Thüringen hatte die 250.000 Euro für die Thüringen-Rundfahrt der Frauen – eines der bestbesetzten Rennen der Welt – nicht mehr aufbringen können, sodass diese nicht mehr ausgetragen wird. Düsseldorf investierte 2017 rund 14 Millionen Euro in den Grand Depart; für 2029 werden Kosten von etwa 20 Millionen Euro erwartet.
Etappenpläne und Konkurrenz
Konkrete Etappenpläne sind noch nicht bekannt. Auf der Internetpräsenz des Vereins Grand Depart Allemagne sind bisher Strecken von Dresden nach Jena, von Erfurt nach Magdeburg sowie ein Zeitfahren von Halle nach Leipzig skizziert – Berlin spielte darin keine Rolle. Diese Planung wird sich nun ändern. Die endgültige Entscheidung über die Route liegt bei der ASO. Die Bewerbung steht in Konkurrenz zu anderen Interessenten: Der fünffache Toursieger Tadej Pogacar hofft auf einen Grand Depart in seiner Heimat Slowenien in den Jahren 2029 oder 2030, und auch Prag hat Interesse angemeldet, gilt aber für 2029 als wenig aussichtsreich.
Prudhomme, der aus dem Elsass stammt und eine besondere Verbindung zu Deutschland hat, sagte gegenüber BILD: „Ich komme aus dem Elsass und habe daher eine ganz besondere Verbindung zu Deutschland. Dort wieder den Start der Tour zu haben, würde mich sehr freuen.“ Nun wird die ASO die Bewerbung prüfen. Eine Entscheidung soll im Frühjahr 2027 fallen.



