Nach dem Weltcup-Finale im Freiwasser-Schwimmen in Setúbal (Portugal) sind zahlreiche Athletinnen erkrankt. Einige mussten nach dem 10-Kilometer-Rennen im Fluss Sado im Krankenhaus behandelt werden. Bundestrainer Bernd Berkhahn (55) bestätigte gegenüber BILD die Probleme und kritisierte die bisherigen Kontrollen. „Wie immer, wurde auch in Setúbal die Wasserqualität gemessen, allerdings nur bis 48 Stunden vor dem Wettkampf. Aber du hast dort direkt neben der Wettkampfstrecke Schiffsverkehr. Die großen Pötte laden dann dort ihre Toiletten und sonstiges direkt ins Meer.“ Bilder zeigen riesige Containerfrachter, die direkt an der Wendeboje der Schwimmer vorbeifahren.
Krank nach dem Rennen: Betroffene fordern Konsequenzen
Die italienische Olympia-Bronze-Gewinnerin Ginevra Taddeucci (28) schilderte auf Instagram dramatische Folgen: „Eine ganze Nacht lang musste ich mich übergeben, während ich auf dem Boden lag! Liebe World Aquatics, wir haben schon seit Jahren mit schlechter Wasserqualität bei Wettkämpfen zu kämpfen. Wo bleibt der Schutz für die Athleten?“ Auch die Französin Ines Delacroix (22) erkrankte: „Eine Woche vor den nationalen Meisterschaften wegen der Wasserqualität krank zu werden, war nicht gerade das, was ich mir vorgestellt hatte! Ich hatte mich mit Probiotika auf Setúbal vorbereitet, aber trotzdem bin ich seit Montag ununterbrochen krank, habe hohes Fieber und schlafe direkt neben meiner Toilette.“
Wellbrock fordert Umdenken bei Wahl der Wettkampforte
Bundestrainer Berkhahn fordert längere Prüfungen der Wasserqualität: „Man muss vom Ausrichter verlangen können, dass über einen längeren Zeitraum gemessen wird und die Werte auch in Ordnung sind. Nur dann kann man einigermaßen sicher sein.“ Auch Deutschlands Freiwasser-Superstar Florian Wellbrock (28), zehnfacher Weltmeister und Olympiasieger von Tokio 2020, meldete sich auf Instagram zu Wort: „Vielleicht ist es an der Zeit, die Austragungsorte zu überdenken und der Wasserqualität mehr Aufmerksamkeit zu schenken.“ Brisant: World Aquatics hat Setúbal gerade erst für weitere vier Jahre als Weltcup-Standort bestätigt. Gleichzeitig sind die Athletinnen auf die Rennen angewiesen, um Punkte und Preisgelder zu sammeln.
Bedenken vor EM in Paris: Seine erneut im Fokus
Die nächste Bewährungsprobe wartet bereits bei der Schwimm-EM in Paris (31. Juli bis 16. August). Dort steht erneut die Seine auf dem Programm, nachdem die Wasserqualität schon vor den Olympischen Spielen 2024 für heftige Diskussionen gesorgt hatte. Berkhahn warnt: „Kurz vor unserem internationalen Höhepunkt, haben die Athletinnen natürlich richtig Angst, dass sich so etwas wiederholt. Zumal die in diesem Jahr wieder in der Seine in Paris stattfinden.“ Die kritische Wasserqualität der Seine war während der Sommerspiele 2024 ein gewaltiges Streitthema. Trainingseinheiten mussten abgesagt werden, die Wettkämpfe fanden nur unter strenger Beobachtung statt.



