Die HSG Krefeld Niederrhein hat offiziell Beschwerde gegen die Lizenzerteilung für die HSG Nordhorn-Lingen für die Saison 2026/2027 in der 2. Bundesliga eingelegt. Der Absteiger wirft dem Verein vor, sich die Lizenz durch falsche Angaben und ein mutmaßliches Schneeballsystem erschlichen zu haben. In einer scharf formulierten Pressemitteilung spricht Krefeld von „Luftumsätzen“ und einer Verschleierung der tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältnisse.
Vorwürfe der Manipulation und Akteneinsicht beantragt
Die HSG Krefeld Handball Spielbetriebs- & Marketing GmbH hat durch ihre anwaltlichen Berater Helge Olaf Käding und Dr. Michael Kintrup eine Beschwerde gegen die Lizenzerteilung zugunsten der HSG Nordhorn-Lingen eingelegt. Verbunden damit wurde Akteneinsicht in das Lizenzierungsverfahren beantragt, da schwerwiegende Manipulationsverdachtsmomente bestehen. Der Club betont, dass die Analyse der Bilanzen der HSG Nordhorn-Lingen GmbH eine dramatische wirtschaftliche Fehlentwicklung zeige: Allein zwischen dem 30. Juni 2024 und dem 30. Juni 2025 stieg der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag von rund 156.000 Euro auf fast 779.000 Euro – eine Verfünffachung. Gleichzeitig erhöhten sich die passiven Rechnungsabgrenzungsposten, die im Wesentlichen vorgezogene Sponsorenzahlungen aus dem Folgejahr ausweisen, von gut 92.000 Euro auf über 661.000 Euro.
Schneeballsystem und Luftumsätze als Vorwurf
Aufgrund des vorläufigen Lagebildes bestehen laut Krefeld Verdachtsmomente, dass die Geschäftsführung der HSG Nordhorn-Lingen GmbH eine Art „Schneeballsystem“ betrieben hat, indem Sponsorenerlöse aus dem jeweiligen Folgejahr vorgezogen wurden, um Liquiditätslücken zu stopfen. Dies hätte einen erhöhten Liquiditätsbedarf für die nächste Saison zur Folge gehabt. „Um überhaupt eine realistische Chance auf Erteilung der Lizenz zu haben, hat man dann vermutlich ,Luftumsätze‘ in die Lizenzierungsunterlagen aufgenommen – mit dem Ziel, die tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältnisse zu verschleiern“, heißt es in der Mitteilung.
Krefelder Geschäftsführer zeigt sich verärgert
André Schicks, Geschäftsführer der HSG Krefeld Niederrhein, zeigt sich empört über die Lizenzvergabe. In der Pressemitteilung wird angeführt, dass der Geschäftsführer der HSG Nordhorn-Lingen GmbH selbst öffentlich zugegeben habe, dass im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens mit Zahlen gearbeitet wurde, „die in der Realität leider nicht umsetzbar sind“. Auch die Pressemitteilung der Lizenzierungskommission vom 22. Juli 2026 bestätige, dass „nach heutigem Kenntnisstand nicht unerhebliche Abweichungen gegenüber den im Frühjahr 2026 gemachten Angaben bestehen“.
Kritik an der Lizenzierungskommission
Krefeld greift auch die Handball-Bundesliga (HBL) direkt an: „Stand jetzt ist nicht nachvollziehbar, weshalb ein Lizenzbewerber, der mutmaßlich falsche Angaben im Lizenzantrag gemacht hat, eine goldene Brücke der Lizenzierungskommission erhält, um seine Verfehlungen noch bis kurz vor Saisonstart zu heilen, während alle anderen Lizenzklubs ihre Hausaufgaben fristgerecht erfüllt haben.“ Der Club bemängelt, dass dies dem Gedanken der Solidarität der Lizenzclubs und des fairen Wettbewerbs widerspreche. Die HSG Krefeld Niederrhein signalisiert jedoch weiterhin Dialogbereitschaft, kündigt aber an, alle rechtlichen Schritte zum Schutz ihrer Interessen einleiten zu müssen.



