Olympiasieger Christian Kukuk hat sich enttäuscht über seine überraschende Nichtnominierung für die Heim-Weltmeisterschaft in Aachen geäußert. Der 36-Jährige sprach von einem „Vertrauensbruch“ durch Bundestrainer Otto Becker. „Ich bin sehr enttäuscht über die Art und Weise, wie das gelaufen ist. Das wird sich auch nicht ändern in der nächsten Zeit“, sagte Kukuk der Deutschen Presse-Agentur.
Enttäuschung über WM-Aus
Kukuk war Anfang Juli von Bundestrainer Otto Becker darüber informiert worden, dass er nicht für das deutsche Aufgebot für die Weltmeisterschaft in Aachen (ab 11. August) nominiert wird. „Meine Meinung dazu ist nicht anders als vor ein paar Wochen“, betonte der Reiter. „Ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet.“ Becker erklärte: „Das war eine schwere und harte Entscheidung“, ohne jedoch ins Detail zu gehen.
Durch den freiwilligen Verzicht von André Thieme rückte Kukuk im WM-Ranking nach und ist nun als Ersatzreiter in Aachen dabei. Sollte aus dem nominierten Quartett noch ein Reiter ausfallen, könnte Kukuk sogar ins Team einspringen. „Ich hoffe, es passiert nichts mehr“, sagte der Olympiasieger, der sich bis zum Tag vor der ersten Prüfung mit seinem Wallach Checker bereithält.
Neues Leben als Vater und Selbstständiger
Seit seinem Olympiasieg in Paris 2024 hat sich Kukuks Leben grundlegend verändert. Im März 2025 wurde er Vater einer Tochter namens Lilah, die mit seiner Frau Veronica Tracy, einer US-Amerikanerin, in Münster lebt. Zudem machte er sich zum Jahreswechsel selbstständig und verließ nach vielen Jahren den Stall von Ludger Beerbaum. „Ich bin total glücklich mit der Entscheidung und auch sehr zufrieden, wie das erste halbe Jahr gelaufen ist“, erklärte Kukuk. Die größte Veränderung: „Ich muss die Rechnungen jetzt selber bezahlen.“ Er beschäftigt drei Mitarbeiter, was eine „riesengroße Verantwortung“ bedeute.
Im Tagesgeschäft habe sich nicht so viel geändert, aber die Eigenverantwortung sei deutlich gestiegen. Kukuk verbringt einen Großteil des Jahres in Nordamerika, wo er auch dem Pferdehandel nachgeht. „Der Handel mit den Pferden ist am Ende das Geschäft, das ich brauche“, sagte er. „Nur so lässt sich der Sport finanzieren.“ Die Aufenthalte in den USA werden eher mehr als weniger, da der Sport dort boomt: „Es gibt sehr viele Turniere mit unglaublichen Bedingungen und tollem Preisgeld.“
Der ungewöhnliche Deal mit Thomas Müller
Dass Kukuk sein Goldpferd Checker weiter reiten darf, verdankt er einer speziellen Einigung. Das Pferd gehört dem Fußballer Thomas Müller und der Beerbaum-Mäzenin Madeleine Winter-Schulze. Im Gegenzug startet Kukuk für Beerbaums Team Riesenbeck International in der Global Champions Tour. „Ich glaube, in diesem Jahr haben wir einen ganz guten Deal zusammengefunden, dass ich Checker weiter reiten konnte“, sagte Kukuk. „Das ist am Ende für alle Seiten eine absolute Win-win-Konstellation geworden – für Ludger, Madeleine und Thomas auf der einen Seite und auf der anderen für mich.“ Der Olympiasieger betonte, dass sein ehemaliger Arbeitgeber hätte anders entscheiden können: „Er hätte ja auch genauso gut sagen können, das Pferd bleibt bei mir im Stall und jetzt reitet Philipp Weishaupt das Pferd.“
Blick in die Zukunft
Unabhängig von einem möglichen Start bei der WM plant Kukuk, kurz nach der Veranstaltung mit seiner Familie wieder in die USA zu reisen. Er bleibt optimistisch, auch wenn der Frust über die Nichtnominierung noch nachwirkt. „Ich stehe dazu, was ich gesagt habe“, bekräftigte er. Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich die Beziehung zum Bundestrainer wieder normalisiert.



