Andrea Petkovic schockiert über mangelndes Interesse des Tennis-Nachwuchses
Die ehemalige deutsche Tennisspielerin Andrea Petkovic hat in der aktuellen Folge des Podcasts „Becker Petkovic“ deutliche Kritik am mangelnden Interesse junger Tennis-Talente an der aktuellen Weltklasse-Szene geäußert. Die 38-Jährige, die heute gemeinsam mit der ehemaligen Bundestrainerin Barbara Rittner als Mentorin für den Deutschen Tennis Bund (DTB) tätig ist, zeigte sich entsetzt über die fehlende Auseinandersetzung der Nachwuchsspielerinnen mit dem professionellen Tennisgeschehen.
„Ich hab die Mädels prügeln müssen, dass die mit mir Tennis gucken“
Petkovic schilderte eindrücklich ihre ersten Erfahrungen als Mentorin beim Turnier in Stuttgart. „Ich hab die Mädels prügeln müssen, dass die mit mir Tennis gucken. Prügeln. Die hatten keinen Bock“, berichtete die ehemalige Top-10-Spielerin. Noch erschreckender sei die mangelnde Kenntnis der jungen Athletinnen gewesen: „Die kannten keine von denen! Die einzige, die sie kannten, war Naomi Osaka, die zu dem Zeitpunkt aber nicht mal mehr in den Top 50 war, sondern eine Wildcard brauchte, um in Stuttgart zu spielen, weil die halt 2,4 Millionen Follower bei Instagram hat.“
Barbara Rittner, die seit vielen Jahren im Nachwuchsbereich des DTB tätig ist, bestätigte diese Beobachtung. Sie berichtete von Gesprächen mit jungen Spielerinnen: „Da hast du junge Spielerinnen, die du fragst: ‚Hast du gestern das Spiel von der Gauff (Coco Gauff, Anm. d. Red.) gesehen?‘ Dann kommt zurück: ‚Von wem? Ach so ne, ich gucke kein Tennis‘.“ Für beide Expertinnen wäre eine derartige Unkenntnis in ihrer eigenen Karrierephase undenkbar gewesen.
Rittner appelliert an mehr Fokus auf den Sport
Die ehemalige Bundestrainerin nutzte die Podcast-Folge, um einen deutlichen Appell an die junge Generation zu richten. „Leg doch mal zwei, drei Stunden das Handy weg. Konzentrier dich doch mal mehr auf die Sache, die du gerade machst - das Tennis. Beschäftige dich doch mal mit dem Drumherum“, riet Rittner den Talenten. Sie betonte die wichtige Rolle von Mentoren bei der Entwicklung junger Athleten und gab einfache, aber wirkungsvolle Tipps für eine bessere Fokussierung auf das eigene Spiel.
Boris Becker, Co-Moderator des Podcasts, reagierte auf die Schilderungen der beiden Expertinnen mit ungläubigem Lachen. Die Situation scheint für den dreimaligen Wimbledon-Sieger ebenso unvorstellbar wie für Petkovic und Rittner.
Generationenkonflikt im modernen Tennis
Die geschilderten Erfahrungen deuten auf einen deutlichen Generationenkonflikt im modernen Tennissport hin. Während frühere Spielergenerationen das Geschehen auf der Tour genau verfolgten und von den großen Stars lernten, scheint bei heutigen Talenten die Priorität anders gesetzt zu werden. Die mangelnde Kenntnis über aktuelle Topspielerinnen wie Coco Gauff wirft Fragen nach der professionellen Einstellung und der langfristigen Entwicklung des deutschen Tennisnachwuchses auf.
Petkovic und Rittner setzen sich als Mentorinnen weiterhin für eine bessere Vorbereitung und Einstellung der jungen Talente ein. Ihre kritischen Worte sollen jedoch auch zum Nachdenken anregen und eine Diskussion über die notwendigen Werte und Einstellungen im professionellen Tennissport anstoßen.



