Eistanz-WM in Prag: Britischer Verband fechtet umstrittene Punktstrafe an
Der britische Eislaufverband hat offiziell Einspruch gegen die Eistanz-Entscheidung bei der Weltmeisterschaft in Prag eingelegt. Nachdem das Duo Lilah Fear und Lewis Gibson aufgrund einer umstrittenen Punktstrafe den vierten Platz belegte, fordert der Verband nun eine umfassende und unabhängige Überprüfung des gesamten Wertungsprozesses durch die Internationale Eislauf-Union ISU.
Knappe Entscheidung kostet Bronze
Beim souveränen Sieg der französischen Weltmeister Laurence Fournier Beaudry und Guillaume Cizeron verpassten Fear und Gibson das Podest nur hauchdünn. Ein Punktabzug von zwei Zählern wegen eines angeblich illegalen Elements führte dazu, dass das britische Paar mit lediglich 0,22 Punkten Rückstand auf die drittplatzierten Emilea Zingas und Vadym Kolesnik aus den USA Bronze verfehlte. Ohne diese Strafe hätten Fear und Gibson, die sichtlich verwundert über ihre Bewertung reagierten, die Medaille sicher geholt.
Britischer Verband bezeichnet Strafe als fehlerhaft
Laut der schottischen Tageszeitung „The Scotsman“ soll die Höhe einer Überkopf-Hebefigur während des Kürtanzes der Grund für den Punktabzug gewesen sein. Der britische Eislaufverband wies diese Begründung jedoch entschieden zurück und bezeichnete die Strafe in einer offiziellen Stellungnahme als „fehlerhaft“. „Wir sind der Ansicht, dass dieser Abzug falsch angewendet wurde und die auf dem Eis gezeigte Leistung nicht korrekt widerspiegelt“, hieß es darin.
Die Präsidentin des britischen Verbands, Pam Aguss, betonte: „Wir sind voll und ganz überzeugt, dass die ISU diese Angelegenheit gründlich untersuchen wird und dass etwaige Ergebnisse zu wirksamen Maßnahmen führen werden, damit niemand – unabhängig von Nation oder Status – auf diese Weise benachteiligt wird.“
Wiederholte Kontroversen im Eistanz
Bereits bei den Olympischen Spielen in Italien vor mehr als sechs Wochen hatte es erheblichen Wirbel um eine Eistanz-Entscheidung gegeben. Damals gewannen die Weltmeister Fournier Beaudry und Cizeron trotz eines Patzers beim Twizzle – einer schnellen Drehung auf einem Bein – hauchdünn vor dem US-Duo Madison Chock und Evan Bates die Goldmedaille. Dabei fielen ausgerechnet bei der französischen Preisrichterin Jézabel Dabouis deutliche Abweichungen vom Jury-Durchschnitt auf.
Im Anschluss unterschrieben mehr als 26.000 Menschen eine Online-Petition, die an das Internationale Olympische Komitee und die ISU gerichtet war, um Integrität und Gerechtigkeit bei den Bewertungen einzufordern. Die ISU wehrte sich damals und verteidigte die Punktevergabe, doch die aktuelle Kontroverse in Prag zeigt, dass die Diskussionen um Transparenz und Fairness im Eistanz weiterhin anhalten.
Die Forderung des britischen Verbands nach einer unabhängigen Überprüfung unterstreicht die wachsende Unzufriedenheit mit dem aktuellen Bewertungssystem. Ob die ISU darauf reagieren wird, bleibt abzuwarten, doch die Debatte dürfte die Sportwelt noch länger beschäftigen.



