Hamburger 3D-Druck-Start-up Zellerfeld: Vom Hobby zum globalen Sneaker-Revolutionär
3D-Sneaker aus Hamburg erobern die Welt

Vom Studentenprojekt zur globalen Sneaker-Revolution

Was als Hobbyprojekt eines sneakerbegeisterten Studenten begann, hat sich zu einem millionenschweren Unternehmen entwickelt, das die internationale Schuhindustrie auf den Kopf stellt. Das Hamburger Start-up Zellerfeld produziert mittlerweile 3D-gedruckte Turnschuhe, die von Weltstars wie Ex-Basketballer Shaquille O'Neal und Sänger Justin Bieber getragen werden.

Die Anfänge in der Studentenbude

Cornelius Schmitt, heute 30 Jahre alt und CEO von Zellerfeld, startete seine Unternehmensreise während des Studiums in Clausthal-Zellerfeld bei Goslar. „Das war einfach ein Hobbyprojekt als Student. Ich liebe Schuhe“, erinnert sich der Industrial-Ingenieur aus Münster. Frustriert von den limitierten Designs großer Marken, baute er seine ersten 3D-Drucker und entwickelte die passende Software, um kreative Designer-Entwürfe aus Social Media zum Leben zu erwecken.

Ein einzigartiges Geschäftsmodell entsteht

Schmitts innovative Herangehensweise war ebenso einfach wie genial: Er bot Designern an, ihre Entwürfe kostenlos zu drucken, behielt aber die Rechte an den Modellen. „Du gibst mir dein Design, ich drucke dir das for free, aber dafür darf ich das auch haben“, beschreibt er die Anfänge. Diese Strategie zog immer mehr Designer an, bis die Nachfrage explodierte. Heute betreibt Zellerfeld eine Plattform, auf der Designer und Schuhmarken ihre Sneaker drucken lassen können – ohne Lizenzgebühren, mit einer 60:40-Gewinnbeteiligung zugunsten der Kreativen.

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Die Datenbank wächst exponentiell

Mittlerweile umfasst Zellerfelds Datenbank mehr als 1.000 verschiedene Sneaker-Modelle von Designern weltweit. Kunden können zwischen extravaganten, riesigen, zarten oder klassischen Designs wählen oder sogar eigene Modelle erstellen. Die Prominenz hat das Potenzial längst erkannt: Neben Justin Bieber und Shaquille O'Neal (der 30 Paar in Größe 60 bestellte) interessieren sich auch Drake und Will.i.am für die individuellen Schuhe.

Technologische Innovation made in Hamburg

Am Hamburger Standort stehen derzeit etwa 200 der charakteristischen schwarzen, mannshohen 3D-Drucker – bis Ende 2026 sollen es bis zu 2.000 werden. In Austin, Texas, sind bereits hunderte weitere Einheiten im Einsatz. Jeder Drucker produziert innerhalb von 12 bis 24 Stunden aus einem dünnen Kunststofffaden ein komplettes Paar Turnschuhe, exakt angepasst an die individuellen Fußmaße des Kunden.

Schmitt hat sowohl den voll recycelbaren „Zellerfoam“ als auch die spezielle Drucktechnik patentieren lassen. „Normalerweise dauert die Herstellung eines Schuhes von der Idee bis zum Laden bis 24 Monate. Bei uns ist es ein Tag“, betont der Unternehmer. Ob edle Halbschuhe, Turnschuhe, Flip-Flops oder Boots – die Software entscheidet, was aus dem Drucker kommt, was enorme Zeit- und Kosteneinsparungen ermöglicht.

Ambitionierte Ziele für die Zukunft

Schmitt plant, die Produktionskosten pro Schuh auf 10 bis 20 Euro zu senken und 2026 rund eine Million Schuhe zu produzieren. „Auf einmal kann jeder einen Schuh machen. Und das ist ja auch die Energie, die wir in die Industrie geben wollen“, erklärt er seine Vision. Der CEO ist überzeugt, dass traditionell hergestellte Schuhe bald der Vergangenheit angehören werden, wenn Kunden perfekt passende Schuhe in ihrem Lieblingsdesign jederzeit drucken lassen können.

Branchenverband bleibt skeptisch

Der Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie sieht die Entwicklung differenzierter. Torben Schütz, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Verbandes, räumt zwar Potenziale im Materialbereich ein, hält die Technologie für komplette Schuhe aus dem 3D-Drucker jedoch für „noch nicht ausgereift“. Die klassische Schuhherstellung sei dadurch nicht gefährdet, könne aber von den Innovationen profitieren.

Weitere Durchbrüche in Sicht

Zellerfeld arbeitet kontinuierlich an der Weiterentwicklung der Technologie. Erst kürzlich präsentierte das Unternehmen gemeinsam mit Nike die ersten mehrfarbigen Schuhe aus dem 3D-Drucker – ein Meilenstein für die Branche. „Auch orthopädisch angepasste Fußbetten werden bald kommen“, verspricht Schmitt. Damit könnte das Hamburger Start-up nicht nur die Mode-, sondern auch die Gesundheitsbranche revolutionieren.

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