Deutsche Ingenieurin Annemarie Lohse: Ohne sie fliegt Artemis nicht zum Mond
Deutsche Ingenieurin: Ohne sie fliegt Artemis nicht zum Mond

Deutsche Ingenieurin Annemarie Lohse: Ohne sie fliegt Artemis nicht zum Mond

Wenn die NASA-Mission Artemis II Anfang April 2026 zum Mond aufbricht, hängt das Überleben der Astronauten maßgeblich von deutscher Ingenieurskunst ab. Verantwortlich dafür ist das Europäische Servicemodul (ESM), das von der Bremer Airbus-Ingenieurin Annemarie Lohse (33) mitentwickelt wurde. Die Raumfahrtingenieurin und Popsängerin betont im Interview, wie wichtig es ihr ist, besonders für junge Frauen ein Vorbild zu sein.

Das Europäische Servicemodul aus Bremen: Herzstück der Orion-Kapsel

Das Orion-Raumschiff besteht aus zwei Hauptkomponenten: dem Besatzungsmodul für die Astronauten und dem Europäischen Servicemodul. Das vier Meter hohe und mehr als 13 Tonnen schwere ESM liefert den Hauptantrieb, hält das Raumschiff auf Kurs und versorgt es mit lebenswichtigen Ressourcen. Dank vier ausklappbarer Solarpaneele generiert es Strom, während es gleichzeitig Wasser und Sauerstoff bereitstellt und für eine stabile Temperatur sorgt. Robuste und hitzebeständige Kevlar-Schichten schützen die Außenhülle effektiv gegen Mikrometeoriten und Weltraumschrott.

Annemarie Lohse, Ingenieurin für Raumfahrttechnik bei Airbus in Bremen, erklärt: „Eine der größten Herausforderungen sind die extremen Temperaturunterschiede im Weltraum. Im Schatten von Erde oder Mond herrschen bis zu minus 100 Grad Celsius, während es auf der Sonnenseite heißer wird als kochendes Wasser. Von unserer Arbeit hängt unmittelbar das Leben der Astronauten und Astronautinnen ab.“

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Beeindruckende Fakten und internationale Zusammenarbeit

Das Europäische Servicemodul beherbergt mehr als 20.000 einzelne Bauteile, die durch ein komplexes Netzwerk von einem Dutzend Kilometern Kabel verbunden sind. Gebaut wurde es bei Airbus in Bremen von einem Team aus über 150 Ingenieuren und Technikern aus zehn verschiedenen Ländern. Historisch bedeutsam ist, dass zum ersten Mal ein nichtamerikanisches Unternehmen bei einer bemannten US-Raumfahrtmission eine derart zentrale Verantwortung übernimmt.

Vom Kinderzimmer zur Mondmission: Lohses außergewöhnliche Karriere

Annemarie Lohses Leidenschaft für die Raumfahrt begann bereits in jungen Jahren. „Als ich sieben oder acht Jahre alt war, schenkte mir mein Vater ein Modell der Ariane-5-Rakete zum Zusammenbasteln. So fing alles an“, erinnert sie sich. Mit 15 oder 16 absolvierte sie ein Praktikum beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in München. „Ich durfte mit einem Analyse-Tool die Apollo-Mission nachrechnen, und in diesem Moment war für mich klar: Ich will Teil von etwas sein, was größer ist als ich selbst. Das motivierte mich, Raumfahrt zu studieren.“

Doch ihr Weg war nicht immer einfach. In einer oft noch männlich dominierten Branche musste sie sich behaupten. „Als ich mein Abitur machte, wurde mir von erfahrenen Ingenieuren gesagt, ich könne zwar die beste Ingenieurin sein, aber ich sollte mir keine Illusionen machen, als Frau Erfolg zu haben“, berichtet Lohse. Heute ist sie eine der wenigen Frauen in ihrem Feld und hat sich eine respektierte Reputation erarbeitet. „Es ist für mich normal, die einzige Frau im Meeting zu sein. Aber ich konnte zeigen, was ich kann. Bald fliegt die erste Frau mit Artemis II zum Mond. Zu wissen, dass ich dazu beitragen konnte, ist ein fantastisches Gefühl.“

Doppeltalent: Ingenieurin und Popsängerin

Neben ihrer Karriere als Raumfahrtingenieurin ist Annemarie Lohse unter dem Künstlernamen „Anamy“ auch als Musikerin aktiv. Mit ihrer Debüt-Single „Fly Artemis“ möchte sie ihrem Team etwas zurückgeben und gleichzeitig junge Frauen inspirieren. „Ich habe eine kleine Schwester, die wissen soll, dass man alles schaffen kann und sich nicht entmutigen lassen darf“, betont sie.

Weitere deutsche Technologie an Bord der Artemis-Mission

Neben dem Europäischen Servicemodul fliegen auch zwei Sternsensoren des Typs ASTRO APS von Jena-Optronik aus Jena (Thüringen) mit zum Mond. Diese hochpräzisen Instrumente helfen dem Orion-Raumschiff, sich exakt im Weltraum auszurichten, indem sie den Sternenhimmel erfassen und die Bilder mit einem Sternenkatalog abgleichen. Die Bordelektronik berechnet daraus die genaue Lage des Raumschiffs und ermöglicht notwendige Kurskorrekturen.

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Bereits beim ersten, unbemannten Artemis-Flug zum Mond waren deutsche Ingenieure maßgeblich beteiligt. In Zusammenarbeit mit Kollegen aus Israel entwickelten sie die Sensorpuppen Helga und Zohar. Diese hochkomplexen Puppen, ausgestattet mit 38 integrierten Sensoren, nachgeahmten Knochen, Weichteilen und den inneren Organen einer erwachsenen Frau, maßen die Strahlenbelastung, der Astronauten auf einem Mondflug ausgesetzt sind, und lieferten wertvolle Daten für zukünftige Schutzmaßnahmen.