Die Trump Media & Technology Group (TMTG), Betreiberin der Plattform Truth Social, erwägt ein umstrittenes Geschäftsmodell: Ausgewählte Investoren sollen gegen Bezahlung vorab Einblick in die Beiträge von Donald Trump erhalten. Dies berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf Unternehmenskreise. Der Schritt könnte es Finanzakteuren ermöglichen, auf Basis von Trumps Äußerungen frühzeitig zu handeln, bevor diese öffentlich werden.
Geplante Vorabzugänge für Investoren
Laut internen Dokumenten plant TMTG, sogenannte „Early-Access-Abonnements“ für institutionelle Anleger anzubieten. Diese sollen gegen eine monatliche Gebühr von mehreren tausend Dollar Trumps Beiträge auf Truth Social bis zu 30 Minuten vor der Veröffentlichung einsehen können. Das Unternehmen erhofft sich dadurch zusätzliche Einnahmen, da Truth Social bisher kaum Werbeeinnahmen generiert. Trump selbst ist mit einem Anteil von rund 90 % an TMTG beteiligt.
Kritik und rechtliche Bedenken
Rechtsexperten sehen in dem Modell erhebliche Risiken. „Wenn Investoren aufgrund nicht-öffentlicher Informationen handeln, könnte dies als Insiderhandel gewertet werden“, sagt Professorin Anna Müller von der Universität Frankfurt. Die US-Börsenaufsicht SEC prüft bereits, ob derartige Vorabzugänge gegen Transparenzregeln verstoßen. Auch Politiker kritisieren das Vorhaben: „Trump nutzt seine Plattform, um private Vorteile zu erlangen“, erklärte der demokratische Senator Richard Blumenthal.
Finanzielle Lage von Truth Social
Truth Social kämpft seit dem Start 2022 mit finanziellen Problemen. Laut Quartalsbericht 2023 erzielte TMTG lediglich 3,4 Millionen US-Dollar Umsatz bei einem Verlust von 58 Millionen Dollar. Die Nutzerzahlen stagnieren bei etwa 2 Millionen aktiven monatlichen Nutzern – weit entfernt von Konkurrenten wie X (ehemals Twitter) mit über 300 Millionen. Das geplante Abo-Modell soll die dringend benötigten Einnahmen bringen.
Reaktionen aus dem Markt
Während einige Investoren das Angebot begrüßen, zeigen sich andere skeptisch. „Es ist fragwürdig, ob sich genügend Anleger finden, die für einen 30-minütigen Vorsprung zahlen“, sagt Analyst Mark Schneider von der Investmentbank Kepler Cheuvreux. Zudem könnte der Plan politische Gegenwinde verstärken: Die Demokraten im US-Repräsentantenhaus haben bereits eine Untersuchung angekündigt.
Ausblick
Ob das Modell tatsächlich umgesetzt wird, ist unklar. TMTG muss zunächst eine Genehmigung der SEC einholen. Sollte es scheitern, droht dem Unternehmen eine weitere Finanzierungslücke. Trump selbst äußerte sich bisher nicht zu den Plänen. Die Entwicklung bleibt abzuwarten.



