Aus für Gigafactory: ACC zieht Stecker für Batteriezellwerk in Kaiserslautern
Erst Northvolt, dann Cellforce und nun ACC: In der Elektroautoindustrie scheitert ein weiteres prominentes Batteriezellprojekt. Das Gemeinschaftsunternehmen ACC hat die milliardenschweren Pläne für eine Gigafactory in Kaiserslautern gestoppt, obwohl der Standort zuvor mit Hunderten Millionen Euro staatlich gefördert wurde.
Fördergelder und Investitionen im Sand
Im September 2021 überreichten der damalige Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) einen Förderbescheid über rund 437 Millionen Euro. Insgesamt sollten Investitionen von 1,5 bis 1,8 Milliarden Euro fließen und etwa 2000 Arbeitsplätze entstehen. Hinter ACC stehen die Konzerne Stellantis (mit Marken wie Peugeot, Opel und Fiat), Mercedes-Benz und Total Energies.
Gründe für das Scheitern
Als Hauptgründe für das Aus nennt ACC die anhaltend schwache Nachfrage nach Elektroautos in Europa sowie den massiven Kurseinbruch bei Stellantis. Der VW-Konkurrent hatte kürzlich Abschreibungen in Höhe von 22,2 Milliarden Euro bekannt gegeben und erlitt einen beispiellosen Börsencrash. Während der Standort Kaiserslautern aufgegeben wird, soll der französische Standort Billy-Bercleau/Douvrin als primärer Innovationshub bestehen bleiben.
Kritik von Gewerkschaften
IG-Metall-Bezirkschef Jörg Köhlinger bezeichnete die Entscheidung als irrational und verantwortungslos. Jahrelang hätten sich Betriebsräte und Gewerkschaften für die Ansiedlung eingesetzt und innovative tarifliche Regelungen ausgehandelt. Nun seien widerstandsfähige Lieferketten in Gefahr. Laut SWR waren zuletzt 90 Mitarbeiter mit dem Aufbau des Werks betraut.
Weitere gescheiterte Projekte
Die Fabrik in Kaiserslautern ist nicht das einzige gescheiterte Batteriezellprojekt in Deutschland. Das schwedische Start-up Northvolt meldete trotz staatlicher Förderung Insolvenz an, und Porsche kündigte das weitgehende Aus für sein Tochterunternehmen Cellforce an. Diese Entwicklungen werfen Fragen zur Zukunft der europäischen Batterieindustrie auf.
ACC will nun mit Gewerkschaften über die Einstellung des Projekts sprechen, ähnlich wie beim Partnerprojekt im italienischen Termoli. Die Entscheidung markiert einen Rückschlag für die Elektromobilität in Deutschland und unterstreicht die Herausforderungen in einer volatilen Marktumgebung.



