Finnische Wunderbatterie: Revolution oder leeres Versprechen?
Finnische Wunderbatterie: Revolution oder leeres Versprechen?

Finnische Wunderbatterie: Zu gut, um wahr zu sein?

Ein finnisches Start-up sorgt mit der Ankündigung einer revolutionären Batterietechnologie für Aufsehen in der Elektromobilitätsbranche. Donut Labs aus Finnland behauptet, einen Feststoffakku entwickelt zu haben, der Motorräder mit bisher unerreichten Eigenschaften antreiben soll: sicher, langlebig, leistungsstark und dazu noch erschwinglich. Während einige Experten skeptisch bleiben, kündigt das Unternehmen nun unabhängige Beweise für seine Versprechen an.

Der provokante Auftritt des Gründers

Marko Lehtimäki, Gründer von Donut Labs, tritt mit Käppi und markantem Kinnbart provokant vor die Kameras. Er greift offen die Zweifel an, die seiner Firma entgegenschlagen, nachdem sie eine "Revolution" mit einem neuartigen Feststoffakku verkündet hat. "Schon klar, dass man einer kleinen Gruppe Außenseiter erst mal nicht glaube", sagt Lehtimäki. Doch er verspricht, den Beweis zu liefern, dass sein Team erreicht hat, woran etablierte Batterietechniker und Großkonzerne mit milliardenschweren Investitionen bislang scheiterten: praktisch den heiligen Gral der Energiespeicherung zu finden.

Das schwierige Umfeld für Batterieinnovationen

Tatsächlich wurden in der Vergangenheit bereits mehrfach vermeintliche Wunderbatterien angekündigt, die regelmäßig die in sie gesetzten Hoffnungen enttäuscht haben. Die europäische Batterieproduktion steckt in einer Krise: Die Pleite des schwedischen Herstellers Northvolt hat Milliarden an Steuergeldern verbrannt, während das Konsortium ACC verschiedener Autokonzerne auf staatliche Hilfen verzichtet hat, um aus dem Opel-Werk in Kaiserslautern einen Zukunftsstandort zu machen. Die wenigen gestarteten europäischen Großprojekte sind oft von chinesischem Geld, Fachwissen und Rohstoffen abhängig.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Autohersteller arbeiten seit Jahren mit US-Start-ups an Feststoffakkus als möglicher nächster Revolution – immer noch Lithium-Ionen-Akkus, aber mit festem statt flüssigem Elektrolyt, was sie nicht brennbar und sicherer machen soll. Doch ob die neue Technik genug Vorteile bietet, um den Sprung von der stetig verbesserten alten Technik zu rechtfertigen, bleibt fraglich. Volkswagen schwärmte von einem "Akku, der praktisch nicht altert", und Mercedes-Benz schickte im vergangenen Sommer einen Testwagen mit Feststoffakku über 1200 Kilometer ohne Ladestopp von Stuttgart nach Malmö. Doch der Zeitpunkt für die industrielle Massenproduktion wird immer wieder verschoben.

Die unglaublichen Versprechen der Finnen

Mitten in diese Unsicherheit platzen die Finnen mit ihrer überraschenden Ansage: Sie hätten bereits mit der Serienproduktion begonnen. Auf der Messe CES in Las Vegas zeigte das Unternehmen Anfang Januar ein Motorrad der Marke Verge – ebenfalls von Lehtimäki geführt –, das gleich zwei revolutionäre Techniken präsentiert: einen Elektromotor, der direkt in die Felge eines radnabenlosen Rades eingebaut ist (was dem Produkt den Namen "Donut" gibt und einen niedrigen Gewichtsschwerpunkt ermöglicht), und einen Feststoffakku mit spektakulären Eigenschaften.

Laut Donut Labs soll der Akku:

  • Rekordverdächtige 400 Wattstunden Energie pro Kilogramm speichern
  • Extremen Temperaturen von minus 40 bis plus 100 Grad standhalten
  • Das Motorrad mit einer Ladung bis zu 600 Kilometer weit bringen
  • Sich in unter zehn Minuten vollständig aufladen lassen
  • Ganze 100.000 Ladezyklen überstehen
  • Dabei nicht einmal teuer sein – das Motorrad soll für moderate 30.000 Euro erhältlich sein

Zum Vergleich: Volkswagen sah den "unzerstörbaren Superakku" bei 1000 Zyklen erreicht, was etwa 500.000 Kilometern Laufleistung eines Elektroautos entspricht. Die finnische Technik verspricht also praktisch nur Vorteile und könnte selbst Reisemotorräder für die Elektromobilität gewinnen, die sich bisher mit dieser Antriebsart schwer tun.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Die größeren Implikationen für Klima und Recycling

Natürlich ist die Technik nicht nur für Motorräder geeignet. Ein Durchbruch bei Feststoffakkus wäre ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. Zwar verursacht der Abbau der Rohstoffe für Batterien zunächst hohe Emissionen und Umweltschäden, doch diese relativieren sich schnell: Die Emissionen aus Verbrennungsmotoren wiegen bei Weitem schwerer. Und während verbranntes Benzin faktisch nicht recycelt werden kann, lassen sich die Rohstoffe in Akkus größtenteils wiederverwerten.

Interessanterweise kommt das Batterierecycling trotz vorhandener Anlagen noch kaum in Schwung – aus einem positiven Grund: Es gibt wenige alte Akkus zu verschrotten, weil sie deutlich länger halten als ursprünglich angenommen. Und wenn sie einmal nicht mehr für Autos taugen, können sie noch lange Zeit als stationäre Energiespeicher dienen, die Strom in Zeiten des Überflusses aufnehmen und bei Bedarf wieder abgeben.

Sollten Feststoffakkus wie die von Donut Labs tatsächlich jahrzehntelang halten und die bisherigen Technologien ablösen, gäbe es zwar noch weniger zu recyceln. Doch das wäre ein Vorteil: Es müssten weniger neue Akkus produziert werden, die Rohstoffe benötigen. Und die herkömmliche Technik, deren Produktion in China bereits zu Niedrigpreisen gelingt, würde noch erschwinglicher werden.

Die entscheidende Frage: Können die Finnen liefern?

Bleibt die kritische Frage, ob Donut Labs halten kann, was es verspricht. Ein unabhängiger Test des Motorrads für Medien steht noch aus, und Informationen über die genaue Zellchemie und Produktionsweise fehlen. Zumindest ein unabhängiges Gutachten des angesehenen finnischen Instituts für Technische Forschung VTT soll nun vorliegen, um die Angaben des Start-ups zu überprüfen. Die Ergebnisse will das Unternehmen ab Montag schrittweise veröffentlichen.

Die Branche darf gespannt sein – und sollte skeptisch bleiben, aber trotzdem zuversichtlich. Sollten sich die Behauptungen von Donut Labs bewahrheiten, könnte dies tatsächlich eine Revolution in der Batterietechnologie einläuten. Sollten sie sich als übertrieben herausstellen, wäre es nur das nächste Kapitel in der langen Geschichte gescheiterter Batterie-Revolutionen.