Münchner Start-up eröffnet Produktionsstätte für Elektroflugzeug
In einer historischen Halle am Flughafen Oberpfaffenhofen feiert das bayerische Start-up Vaeridion die Eröffnung seiner neuen Batterie-Produktionsstätte. Die gesamte Belegschaft ist versammelt, während draußen der Regen prasselt. Ein großes Banner an der Decke verkündet: "Die Zukunft des elektrischen Fliegens". Zur Einstimmung läuft ein Video mit historischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus der Frühzeit der Luftfahrt, begleitet von modernen elektronischen Klängen.
Von der Wohnzimmer-Idee zur Produktionshalle
Gegründet wurde Vaeridion im Jahr 2021 von vier Personen in einem Wohnzimmer im Münchner Stadtteil Lehel. Heute verfügt das Unternehmen über ein Hauptquartier an der Prinzregentenstraße und beschäftigt knapp 80 Mitarbeiter. Firmenchef Ivor van Dartel erinnert an die bescheidenen Anfänge und spricht stolz vom "Isar Valley" als neues Zentrum der Luftfahrtinnovation.
Hinter dem Festpodium steht der Prototyp des Microliners – ein vollelektrisches Regionalflugzeug, das bis zu neun Passagiere auf Strecken bis zu 400 Kilometern transportieren soll. Das Flugzeug verspricht deutlich geringere Emissionen und weniger Lärm als herkömmliche Regionalflugzeuge. Van Dartel verweist auf Luftfahrtpioniere wie Otto Lilienthal und Franz Josef Strauß, die Bayern einst zum Zentrum der deutschen Luftfahrtindustrie machten.
Ein schwieriger Markt mit gescheiterten Vorgängern
Die Eröffnungsfeier findet ausgerechnet in jener Halle statt, in der bis vor Kurzem noch das gescheiterte Flugtaxi-Unternehmen Lilium an seinen Projekten arbeitete. Innerhalb von nur fünf Monaten meldeten sowohl Lilium als auch das baden-württembergische Unternehmen Volocopter Insolvenz an. Beide Firmen hatten Milliardeninvestitionen erhalten, konnten aber kein kommerziell zugelassenes Elektroflugzeug auf den Markt bringen.
Der europäische Markt für elektrische Luftfahrt ist hart umkämpft. Bislang hat die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) lediglich einen zweisitzigen Schulungsflieger zertifiziert. Kein elektrisches Passagierflugzeug oder Flugtaxi hat bisher die kommerzielle Zulassung in Europa erhalten.
Vaeridion ist der Konkurrenz einen Schritt voraus
Vaeridion hat jedoch bereits wichtige Meilensteine erreicht. Im November 2023 schloss das Unternehmen als erster Hersteller der zivilen Kleinluftfahrt einen sogenannten Pre-Application-Contract mit der EASA ab. Diese Vorstufe zum eigentlichen Zulassungsantrag ermöglicht eine gemeinsame Prüfung des Konzepts auf Zulassungsfähigkeit.
Im November 2024 kam das positive Ergebnis: Das Antriebskonzept des Microliners wurde als grundsätzlich zertifizierbar eingestuft. Allerdings steht die eigentliche Musterzulassung noch aus – ein Prozess, der erfahrungsgemäß mehrere Jahre dauern kann.
Politische Unterstützung und technische Innovation
Staatsminister Florian Herrmann (CSU) zeigt sich bei der Eröffnung optimistisch, aber vorsichtig. "Das ist ein faszinierendes Unternehmen", sagt er und erinnert an seinen ersten Besuch im Jahr 2024, als Vaeridion noch etwa 30 Mitarbeiter beschäftigte. "Wir drücken die Daumen – auch wenn es zu Rückschlägen kommen kann."
Die technische Lösung von Vaeridion wirkt durchdacht:
- Die Batterien werden direkt in die Flügel-Tragflächen integriert
- Zwei unabhängige Antriebssysteme arbeiten zusammen
- Umfangreiche Brandschutzvorkehrungen sollen Sicherheit gewährleisten
Ambitionierte Ziele bis 2030
Vaeridion hat bereits zehn Kunden gewonnen, darunter Flugbetriebe aus Dänemark, den Beneluxländern und Deutschland. Das Unternehmen peilt einen kommerziellen Betrieb bis 2030 an. In weniger als 100 Wochen soll der Microliner erstmals abheben – ein ambitioniertes Ziel, wie van Dartel selbst einräumt.
Ein wesentlicher Unterschied zu den gescheiterten Konkurrenten: Während Lilium und Volocopter auf Senkrechtstarter setzten, die ohne Landebahn auskommen sollten, handelt es sich beim Microliner um ein klassisches Flugzeugkonzept.
Ein Satz aus dem Einspielfilm der Eröffnungsfeier bleibt im Gedächtnis: "Irgendjemand muss den Status quo herausfordern." Die Geschichte der Luftfahrt zeigt: Viele haben es versucht, die meisten sind gescheitert. Doch einige wenige haben Luftfahrtgeschichte geschrieben.



