Die obersten Datenschützer in Deutschland haben Befürchtungen entkräftet, dass die neu eingeführte Innenraumüberwachung in modernen Fahrzeugen grundsätzlich gegen den Datenschutz verstößt. Ein Sprecher der Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit erklärte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa), dass die EU-Vorschriften sicherstellen, dass die Daten nicht an Dritte weitergegeben werden und unmittelbar nach der Verarbeitung gelöscht werden müssen. „Insoweit genügt die gesetzliche Regelung datenschutzrechtlichen Ansprüchen“, so der Sprecher.
Hintergrund: Pflicht zur Aufmerksamkeitsüberwachung seit Juli
Seit dem 1. Juli müssen alle Neufahrzeuge in der Europäischen Union mit einer automatischen Aufmerksamkeitsüberwachung ausgestattet sein. Das sogenannte Advanced Driver Distraction Warning (ADDW) ist ein kamerabasiertes System, das mittels Infrarotsensoren das Gesicht, die Kopfhaltung und vor allem die Blickrichtung des Fahrers scannt. Weicht der Blick zu lange von der Fahrbahn ab, löst das System einen Alarm aus. In sozialen Medien hatte dies unter dem Schlagwort „Big Brother fährt mit“ teils scharfe Kritik hervorgerufen.
Kontrolle und Durchsetzung der Datenschutzregeln
Der Behördensprecher wies darauf hin, dass die Einhaltung der Datenschutzregeln von den Datenschutzbeauftragten der Bundesländer überprüft werden kann. Bei schwerwiegenden Verstößen könnten die Behörden Zwangsmaßnahmen ergreifen, um das Datenschutzrecht durchzusetzen. Dies gibt Fahrern zusätzliche Sicherheit, dass ihre Daten nicht missbraucht werden.
Expertenstimmen: Sicherheitsgewinn durch ADDW
Verkehrspsychologe Michael Praxenthaler vom Allianz Zentrum für Technik (AZT) hält automatische Aufmerksamkeitsdetektoren prinzipiell für eine sinnvolle zusätzliche Sicherheitsmaßnahme. „Die bisherigen wissenschaftlichen Feldstudien zeigen, dass sie das Blickverhalten positiv beeinflussen können. Der konkrete Nachweis einer Reduktion des Unfallrisikos im Realverkehr steht jedoch noch aus“, sagte Praxenthaler. Die Technologie könnte somit dazu beitragen, Unfälle durch Ablenkung zu vermeiden, auch wenn die endgültige Bestätigung der Wirksamkeit noch aussteht.



