Die australische Sängerin Natalie Imbruglia (51), bekannt durch ihren Welthit „Torn“ aus den späten 1990er Jahren, hat öffentlich gemacht, dass bei ihr im Alter von über 50 Jahren sowohl ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) als auch eine Zwangsstörung (OCD) diagnostiziert wurden. In einem Interview mit der britischen „Sunday Times“ spricht sie offen über ihre Neurodiversität und betont: „Es ist nichts Negatives – es ist meine Superkraft.“
Späte Diagnose als Schlüssel zum Selbstverständnis
Imbruglia berichtet, dass sie ein Jahr lang immer wieder gesagt habe: „Ich fühle mich einfach nicht wie ich selbst“, bevor sie professionelle Hilfe suchte. Erst die späten Diagnosen hätten ihr geholfen, sich selbst besser zu verstehen. „Nennen Sie irgendetwas – von allem steckt ein bisschen in mir. Das sind nur Labels“, erklärt die Sängerin. Sie sieht die Diagnosen nicht als Belastung, sondern als Teil ihrer Identität.
Perimenopause verstärkte Symptome
Besonders herausfordernd war für Imbruglia die Zeit, als zusätzlich zur Neurodiversität die Perimenopause begann – die Phase vor den Wechseljahren. „An meiner Neurodiversität fällt mir am schwersten zu akzeptieren, wie ich werde, wenn ich vor einer Show nervös bin. Die Perimenopause hat das noch schlimmer gemacht“, erzählt sie. Die Sängerin beschreibt diese Phase als regelrechten Ausnahmezustand: „Ich habe wahrscheinlich viele Menschen verletzt, was ich heute bereue.“ Sie litt unter Wut, Angstzuständen und starken Stimmungsschwankungen. „Es war ein Trauerprozess. Ich war wirklich wütend. Ich bin von einer Klippe gefallen. Es fühlte sich an, als hätte mir jemand einen Teil meiner Persönlichkeit genommen.“
Unterstützung durch Hormonersatztherapie und Austausch mit anderen Frauen
Inzwischen hat Imbruglia ihre Beschwerden dank einer Hormonersatztherapie (HRT) gut im Griff. Sie fand Unterstützung bei der britischen TV-Moderatorin und Menopausen-Aufklärerin Davina McCall (58). Als sich die beiden zufällig in einem Restaurant trafen, sagte Imbruglia nur: „Erzähl mir alles!“ Der Austausch mit anderen Frauen half ihr, die Symptome besser zu verstehen und zu bewältigen. Dass Frauen heute deutlich besser über die Wechseljahre aufgeklärt werden, sieht sie als großen Fortschritt. „Stellen Sie sich vor, wie das noch für unsere Mütter war“, sagt sie.
Offen über den Weg zum Wunschkind
Erst vor wenigen Wochen sprach Imbruglia über ihren „ziemlich brutalen“ Weg zum Wunschkind. Ihr Sohn kam 2019 mithilfe einer Samenspende und künstlicher Befruchtung zur Welt. Heute will sie auch das Tabuthema Wechseljahre entstigmatisieren. Imbruglia tritt weiterhin regelmäßig auf der Bühne auf, unter anderem im Juli bei mehreren Festivals in Großbritannien.



