Sieben Tipps für entspannte Urlaubsfahrten mit dem Elektroauto
Urlaub mit dem E-Auto: Sieben Tipps für entspannte Fahrt

Die Reichweiten steigen, das Schnellladenetz wächst und moderne Navigationssysteme übernehmen einen großen Teil der Planung: Eine Urlaubsfahrt mit dem Elektroauto ist längst kein Abenteuer mehr. Ganz so spontan wie mit einem Benziner oder Diesel sollte man eine lange Reise allerdings noch nicht angehen. Vor allem im Ausland, abseits der Autobahnen oder mit voll beladenem Fahrzeug können ein paar Vorbereitungen Zeit, Geld und Nerven sparen.

Route nicht zu knapp planen

Gute Fahrzeugnavis berechnen Ladestopps anhand von Akkustand, Verbrauch, Verkehrslage und Außentemperatur. Häufig berücksichtigen sie zudem die aktuelle Belegung der Säulen und bereiten die Batterie rechtzeitig auf das Schnellladen vor. Darauf verlassen sollte man sich aber nicht blind. Ein Blick auf alternative Ladeparks entlang der Strecke schafft zusätzliche Sicherheit. Besonders geeignet sind Standorte mit mehreren Ladepunkten. Ist eine Säule defekt oder besetzt, steht dort meist schnell eine Alternative bereit. Den Akku bis auf die letzten Prozent leerzufahren, erhöht hingegen unnötig den Stress. Eine Reserve von rund 10 bis 20 Prozent lässt Spielraum für Umleitungen, Staus oder einen ausgefallenen Ladepunkt.

Lieber später laden

Wie schnell ein E-Auto lädt, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Bei Langstreckenfahrten im Sommer eine der wichtigsten: der Ausgangs-Ladestand. Je leerer die Batterie, desto höher ist im Allgemeinen die Ladeleistung. Es empfiehlt sich daher, mit eher geringem Füllstand an den Schnelllader zu fahren. Erfahrene E-Automobilisten sind dabei durchaus im 10-Prozent-Bereich unterwegs. Gefüllt wird bis maximal 80 Prozent – die letzten 20 Prozent dauern überproportional lange, da die Ladeleistung dann nur noch schwach ist. Bei der Etappenberechnung sollte man das berücksichtigen.

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Ladekarten, Apps und Preise vorher prüfen

Ein einheitlicher Fahrstrompreis existiert nicht. Je nach Betreiber, Ladekarte, App und Vertragsmodell kann dieselbe Kilowattstunde an derselben Säule unterschiedlich viel kosten. Besonders teuer sind häufig spontane Ladevorgänge ohne Tarifbindung oder an stark frequentierten Autobahnstandorten. Vor der Abfahrt empfiehlt es sich daher, die eigene Ladekarte auf ihre Gültigkeit im Reiseland zu prüfen und mindestens eine zweite Bezahlmöglichkeit mitzunehmen. Auch eine Kreditkarte kann hilfreich sein. Neuere Schnellladesäulen ermöglichen zunehmend die direkte Kartenzahlung, flächendeckend ist sie jedoch noch nicht überall verfügbar. Apps sollten bereits zu Hause installiert, eingerichtet und mit einem Zahlungsmittel verknüpft werden.

Lademöglichkeit am Urlaubsort klären

Ein Ladepunkt an Hotel, Ferienwohnung oder Campingplatz erleichtert den Urlaub erheblich. Das Auto kann dann über Nacht oder während eines Ausflugs langsam nachladen. Die Angaben der Unterkunft sollte man allerdings genau prüfen. Hinter dem Hinweis „Lademöglichkeit vorhanden“ kann sich eine Wallbox, aber auch lediglich eine Haushaltssteckdose verbergen. Zudem sind Ladeplätze häufig nur in geringer Zahl vorhanden. Eine Reservierung ist daher sinnvoll, sofern sie angeboten wird. Auch Kosten, Zugang und Abrechnung sollten vorab geklärt werden. Manche Hotels berechnen nach Kilowattstunden, andere verlangen eine Pauschale oder stellen das Laden kostenlos zur Verfügung.

Generell unterscheidet sich die Versorgung je nach Ferienregion deutlich. In Alpen- und Naturregionen verfügen Unterkünfte vergleichsweise häufig über eigene Ladepunkte, während klassische Badeziele an Nord- und Ostsee oder am Mittelmeer teilweise schlechter ausgestattet sind. Wer dort Urlaub macht, sollte auch öffentliche Lademöglichkeiten in der Umgebung recherchieren.

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Passende Ladeausrüstung dabeihaben

Für Aufenthalte in Ferienhäusern oder auf Campingplätzen ist eine mobile Wallbox praktisch. Mit passenden Adaptern lässt sich das Auto damit an blauen Campingsteckdosen oder roten Industriesteckdosen laden. Je nach Anschluss sind Ladeleistungen von 3,7 bis 22 kW möglich, wobei Auto, Ladegerät und Hausinstallation die Leistung unterstützen müssen. Zu den gängigsten Modellen zählen der Juice Booster aus der Schweiz mit seinen zahlreichen Adaptern für alle möglichen Reiseländer (etwa 1.300 Euro) oder der NRG Kick (etwa 560 Euro), der mit weniger Funktionen und Zubehör auskommen muss. Eine normale Haushaltssteckdose eignet sich dagegen nur eingeschränkt zum dauerhaften Laden. Alte Leitungen, lockere Kontakte oder nicht ausreichend abgesicherte Stromkreise können überhitzen. Vor der Nutzung sollte deshalb immer die Zustimmung des Eigentümers oder Betreibers eingeholt werden. Verlängerungskabel, Mehrfachstecker und selbst gebaute Adapter haben beim Laden eines Elektroautos nichts zu suchen.

Mehrverbrauch realistisch einkalkulieren

Die im Alltag gewohnte Reichweite wird auf der Urlaubsfahrt häufig nicht erreicht. Hohes Autobahntempo, volle Beladung, eine Dachbox, Fahrräder auf dem Träger, Gegenwind und starke Steigungen erhöhen den Stromverbrauch. Auch Klimaanlage oder Heizung benötigen Energie, fallen bei längeren Fahrten aber meist weniger ins Gewicht als Luftwiderstand und Geschwindigkeit. Besonders eine Dachbox kann die Reichweite spürbar verkürzen. Gepäck sollte daher möglichst im Innen- oder Kofferraum untergebracht werden. Wer auf der Autobahn statt 130 nur 110 oder 120 km/h fährt, kommt häufig mit weniger oder kürzeren Ladestopps ans Ziel und verliert unterm Strich kaum Zeit. Bei großer Hitze hilft es, den Innenraum bereits während des Ladens vorzukühlen. Nach Möglichkeit steht das Auto am Urlaubsort in einer Tiefgarage oder im Schatten. Das erhöht den Komfort und erspart der Klimaanlage nach dem Start einen Teil der Arbeit.

Pausen sinnvoll nutzen und Zeitpuffer einbauen

Ein Ladestopp muss keine verlorene Zeit sein. Nach zwei oder drei Stunden Fahrt ist ohnehin eine Pause sinnvoll. Ladeparks mit Restaurant, Supermarkt, Spielplatz oder Grünfläche sind besonders für Familien angenehmer als einzelne Säulen auf einem Gewerbeparkplatz. Trotz guter Planung sollte die Ankunftszeit am Urlaubsort nicht auf die Minute kalkuliert werden. Baustellen, Ferienverkehr, belegte Säulen oder eine geringere Ladeleistung können die Reise verzögern. Wer einen Termin für die Schlüsselübergabe hat oder eine Fähre erreichen muss, plant besser ausreichend Puffer ein. Für Fährreisen gelten teilweise zusätzliche Sicherheitsvorschriften für Elektroautos. Reedereien können beispielsweise einen bestimmten maximalen Ladestand verlangen. Die Regelungen unterscheiden sich je nach Anbieter und Strecke und sollten rechtzeitig geprüft werden.

Grundsätzlich gilt: Je länger die Strecke und je dünner das Ladenetz am Ziel, desto wichtiger ist die Vorbereitung. In Deutschland sowie in weiten Teilen Mittel- und Nordeuropas genügt inzwischen meist eine grobe Ladeplanung. In ländlichen Regionen Süd- und Osteuropas ist weiterhin etwas mehr Recherche nötig. Mit passenden Apps, einer Reserve im Akku und genügend Zeit wird aber auch die lange Reise mit dem Elektroauto zur normalen Urlaubsfahrt.