Pink Floyd: Neues Buch enthüllt Machtkampf und Mythen
Pink Floyd: Buch enthüllt Machtkampf und Mythen

Sie schufen Jahrhundertalben wie "The Dark Side of the Moon" und gelten als musikalische Genies. Doch hinter den Kulissen der legendären Band Pink Floyd tobte ein erbitterter Machtkampf. Das neue Buch des britischen Musikjournalisten Mark Blake (61) enthüllt: Pink Floyd war keine eingeschworene Einheit, sondern eine oft zerstrittene Zweckgemeinschaft. Besonders zwischen Roger Waters (82) und David Gilmour (80) flogen regelmäßig die Fetzen. BILD sprach mit Blake, der bereits Biografien über Queen und Led Zeppelin verfasst hat.

Die Wahrheit liegt in den Widersprüchen

Auf die Frage, ob er während der Recherche das Gefühl hatte, die Wahrheit liege zwischen den widersprüchlichen Darstellungen, antwortete Blake: "Ja, mehrfach. Einer meiner Gründe, das Buch als Oral History zu präsentieren, war genau diese Widersprüche hervorzuheben."

Kreative Spannung oder Machtkampf?

Der Konflikt zwischen Waters und Gilmour sei sowohl kreative Spannung als auch ein Kampf um die Deutungshoheit über die Bandgeschichte. "Was mir durch dieses Buch noch klarer geworden ist: Pink Floyd war immer mehr als die Summe seiner Teile. Ihre beste Arbeit entstand, als Gilmour und Waters zusammenwirkten – nicht getrennt. Aber ich verstehe, warum die Zusammenarbeit zerbrach. Sie hatte eine begrenzte Lebensdauer. Roger Waters hat eine Autobiografie geschrieben; es wird spannend sein zu sehen, ob er die Geschichte neu definiert, falls er sie veröffentlicht."

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Waters und Gilmour: Ein geschiedenes Paar

Blakes Sicht auf die beiden Protagonisten hat sich im Laufe der Jahre verändert: "Mit der Zeit denke ich, dass Roger Waters unvernünftiger geworden ist, aber er ist hervorragend darin, David Gilmour zu provozieren. Er weiß genau, was er sagen muss. Sie sind wie ein geschiedenes Paar."

Schockierende Enthüllungen

Gab es Interviews oder Aussagen, die Blake wirklich schockierten? "Schockiert ist vielleicht zu stark, aber ich habe 2022/23 ein Interview mit Roger Waters für ein anderes Projekt geführt, in dem er Dinge über David Gilmour sagte, die ich definitiv nicht veröffentlichen würde."

Überraschungen bei der Recherche

"Nichts überrascht mich mehr, wenn es um Pink Floyd geht. Vielleicht das Ausmaß der Feindseligkeit zwischen bestimmten Personen", so Blake.

Ehrliche oder kalkulierte Musik?

Je mehr man über Pink Floyd erfahre, wirke die Musik dann ehrlicher oder kalkulierter? Blake: "Für mich weder noch. Ich empfand die Musik nie als besonders kalkuliert, vor allem die Alben aus den späten 1960ern wie 'Ummagumma' oder 'A Saucerful of Secrets'. Das ist keine kommerzielle Musik. Auch 'The Final Cut' ist nicht ihr bestes Werk, aber es ist ehrlich, weil es die Denkweise von Roger Waters zu jener Zeit widerspiegelt."

Syd Barrett: Das missverstandene Genie

Wen hält Blake für die am meisten missverstandene Person in der Geschichte von Pink Floyd? "Syd Barrett. Menschen, die ihn kannten, auch seine Familie, erzählten mir: Er war intelligent, lustig und künstlerisch begabt. Dann verlor er seinen Weg – aufgrund psychischer Probleme, die durch Drogenkonsum nicht besser wurden. Aber ich glaube nicht, dass er ein 'verlorenes Genie' oder ein 'verfluchter Dichter' war. Diese Labels bekam er, weil er das Musikgeschäft jung verließ und verschwand. Es ist großartig, dass Menschen seine Musik mögen, aber einige machten ihn zu etwas, das er nicht war."

Unerzählte Geschichten

Gibt es eine wichtige Geschichte über Pink Floyd, die im Buch fehlt? "Ja, einige zu Syd Barrett und sicherlich auch zu Rick Wright später, zur Zeit von 'The Wall'. Sie betreffen eher das Privatleben. Wie jeder Biograf erfuhr ich Dinge 'off the record', und die bleiben es – hauptsächlich, weil ich sie vergessen habe!"

Blakes persönliche Lieblingsphase

Die Arbeit an dem Buch habe seine persönliche Lieblingsphase der Band nicht verändert: "Es war immer dieselbe: von 'Meddle' bis 'The Wall'."

Welches Album würde er empfehlen, wenn jemand nur eines hören könnte? "'Wish You Were Here', weil 'The Dark Side of the Moon' zu offensichtlich wäre!"

Die Pink-Floyd-Biografie ist im Hannibal-Verlag (29,99 Euro) erschienen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration