Monopolkommission: Deutsche Industrie verschläft KI-Transformation
Deutsche Industrie verschläft KI-Transformation

Die Monopolkommission hat ihr neues Hauptgutachten am Donnerstag an Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) übergeben. Darin rückt das Gremium Künstliche Intelligenz (KI) ins Zentrum – und fällt ein hartes Urteil: Der deutschen Industrie fehle der Mut, KI konsequent einzusetzen. Viele Firmen zögerten, investierten zu wenig und verlören Zeit.

Trägheit bei der KI-Adoption

„Es gibt eine gewisse Trägheit in den Unternehmen, den Schritt zur KI-Adoption zu wagen“, sagte Tomaso Duso, Vorsitzender der Monopolkommission, dem Handelsblatt. Oft seien die Menschen in Deutschland zurückhaltender als in anderen Ländern. „Die Unternehmen verstehen nicht vollständig, wie groß die KI-Revolution ist. Und wie gut es wäre, jetzt First Mover zu sein.“

Die Monopolkommission berät Bundesregierung, Parlament und Behörden zu den Themen Wettbewerb, Wettbewerbsrecht und Regulierung. Alle zwei Jahre legt sie ein Hauptgutachten vor.

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Unternehmen hierzulande führen KI dem Gutachten zufolge deutlich langsamer ein als Wettbewerber, zum Beispiel in den USA. Während in Deutschland 65 Prozent der Unternehmen KI nutzten, seien es in den USA 78 Prozent. Bei Mittelständlern liege die Quote sogar bei nur 40 Prozent.

Warnsignal: Verlagerung der Wertschöpfung

Die Kommission hat zum Thema ein Dutzend Gespräche mit Unternehmen geführt. Viele zögerten, weil die Renditeaussichten unklar, Anfangsinvestitionen und regulatorische Unsicherheit hoch seien. Das habe Folgen für Produktivität und Standort, kritisiert die Kommission im Gutachten.

Zugleich verlagere sich die Wertschöpfung aus Deutschland heraus, kritisierten die Wissenschaftler im Gutachten weiter. Besonders betroffen sei das verarbeitende Gewerbe. So würden Volkswagen, Mercedes-Benz, BMW, Bosch, Siemens und Schaeffler einen Verlust der Wertschöpfung gegenüber 2022 teils um mehr als 20 Prozent verzeichnen. Der Anteil der 100 größten Unternehmen an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung lag 2024 laut Gutachten noch bei 13,9 Prozent. Er sei seit Jahren rückläufig.

Besonders symptomatisch: In den Top 100 findet sich nur ein einziges Unternehmen, dessen Kerngeschäft Software und Cloud-Dienstleistungen sind: SAP. Zudem sei darunter kein einziges KI- oder Plattformunternehmen mit deutschem Mutterkonzern.

Konjunkturschwäche und Standortprobleme

Die Monopolkommission spricht von einem Sonderproblem, das zur Konjunkturschwäche hinzukomme. So wüchsen viele Unternehmen global weiter, nur nicht mehr in Deutschland. „Dass große Industrieunternehmen ihre Wertschöpfung vermehrt im Ausland erzeugen und die Produktivität in Deutschland sinkt, ist ein Warnsignal“, sagte Duso. „Deutschland muss als Standort wieder attraktiver werden.“

Duso sieht in der KI-Transformation eine große Chance. „Wir haben Daten, Talente, Kapazitäten und industrielle Technologien“, sagte er. Die Kommission fordert auch die Mitwirkung des Staates, etwa durch die Bündelung der öffentlichen Beschaffung und den gezielten Einsatz von europäischen KI-Anbietern und den Abbau von Regulierung. „Wer jetzt die Standortbedingungen verbessert, bremst die Verlagerung von Wertschöpfung und ermöglicht zugleich die KI-Transformation“, sagte Duso.

Staatliche Förderung und Subventionskritik

Die Förderung sogenannter nationaler Champions lehnt die Monopolkommission allerdings ab. „Keine Subvention, kein nationaler Champion ersetzt, was ein funktionierender Markt leistet“, heißt es im Gutachten.

Vizevorsitzender Rupprecht Podszun kritisierte, dass in der öffentlichen Debatte KI zu oft auf vergleichsweise einfache Anwendungen reduziert werde. „Meine Sorge ist, dass der Backlash gegen KI auch da durchschlägt, wo er völlig unberechtigt ist, nämlich beim Einsatz von KI in Produktionsprozessen.“

Podszun hält digitale Kompetenz für sehr wichtig. Und kritisiert die Prioritätensetzung der Bundesregierung. „Wenn man die 1,6 Milliarden Euro für den Tankrabatt dafür ausgegeben hätte, die Deutschen darüber in Kenntnis zu setzen, was sie mit KI produktiv machen können, außer Texte und Bilder zu produzieren, wäre das ein echter Game-Changer gewesen.“

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Den mittlerweile ausgelaufenen Tankrabatt kritisiert die Kommission in ihrem Gutachten scharf. Eingriffe in die freie Preisbildung wie der Tankrabatt könnten nicht zu einem strukturell funktionsfähigen Wettbewerb beitragen und brächten zudem ordnungspolitische Risiken mit sich. Mineralölkonzerne hätten den Rabatt nicht vollständig an Verbraucher weitergegeben. Entscheidend sei nicht der Wettbewerb an der Tankstelle, sondern auf der vorgelagerten Raffinerie- und Großhandelsebene.

Auch subventionierte Industriestrompreise hält die Kommission für kein wirksames Instrument. Eine Simulation zeige, dass die gesamten Preiseffekte verschiedener Subventionsszenarien sich nur gering unterschieden. Sie fordert breit wirkende, branchenübergreifende Entlastungen bei staatlich beeinflussten Preisbestandteilen statt kleinteiliger Sonderregeln für einzelne Branchen.