Sony stoppt Gaming-Blu-rays: Das Ende physischer Spiele ab 2028
Sony stoppt Gaming-Blu-rays: Ende physischer Spiele 2028

Sony hat angekündigt, die Produktion von Gaming-Blu-rays für die PlayStation bis Januar 2028 einzustellen. Neue Spiele erscheinen dann ausschließlich digital. Diese Entscheidung trifft Fans und die Branche hart, denn physische Medien verlieren damit einen weiteren wichtigen Pfeiler.

Sony beendet Produktion von Gaming-Blu-rays

Am 1. Juli 2026 erklärte Sony in einem offiziellen Blogbeitrag, dass ab Januar 2028 keine neuen Gaming-Blu-rays mehr hergestellt werden. Der Konzern begründet diesen Schritt mit „veränderten Verbraucherpräferenzen“ und einer zunehmenden Digitalisierung der Unterhaltungsbranche. Sony bezeichnet die Umstellung als „natürliche Entwicklung“, um sich besser an das Nutzungsverhalten der Community anzupassen.

Diese Nachricht löste in sozialen Netzwerken eine Welle der Kritik aus. Zahlreiche Fans äußerten ihren Unmut. Auch Unternehmen reagierten öffentlich. Das auf physische Spiele spezialisierte Label iam8bit schrieb auf Instagram, man sei „zutiefst enttäuscht“. Physische Spiele seien wichtig für den Erhalt von Videospielen, für Eigentum und für die Wahlfreiheit der Verbraucher. Der Beitrag endet mit den Worten: „Lang leben physische Medien.“ Das Label Mutant postete ebenfalls ein Statement mit dem Satz „Physical Media forever“ und zeigte dazu PS5-Spiele.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Überraschende Reaktionen kamen von Domino’s Pizza. Das Unternehmen kommentierte mit Ironie: „Erst haben sie uns Blockbuster genommen. Jetzt verschwinden die Spiele-Regale.“ In einem weiteren „offiziellen Statement“ kündigte Domino’s scherzhaft an, ab dem 1. April 2027 nur noch digitale Pizzen zu backen – Kunden müssten dann ihre Fantasie einsetzen.

Microsoft und GTA 6: Weitere Schläge für die Blu-ray

Noch am selben Tag berichtete GamesIndustry.biz, dass Microsoft offenbar darüber nachdenkt, bei künftigen Xbox-Konsolen komplett auf optische Laufwerke zu verzichten. Zudem arbeite Microsoft an einer Funktion, mit der sich physische Spiele in digitale Lizenzen umwandeln lassen. Dadurch könnten sie auch auf Konsolen ohne Laufwerk genutzt werden. Details sind noch unbekannt, aber der Trend weg von der Disc zeichnet sich ab.

Fast zeitgleich wurde bekannt, dass Grand Theft Auto 6 – voraussichtlich die größte Spieleveröffentlichung aller Zeiten – nur als Download erscheinen soll. Selbst die physische Version wird lediglich einen Download-Code enthalten, keine Disc. Da sich der Titel bereits Monate vor Veröffentlichung millionenfach verkaufen dürfte, wird diese Entscheidung den Niedergang der Gaming-Blu-ray zusätzlich beschleunigen.

Technische Grenzen und fehlende Vorteile

Gaming-Blu-rays stoßen technisch an ihre Grenzen. Viele Spiele passen zwar noch auf eine Disc, aber immer mehr Produktionen überschreiten die Kapazität einer herkömmlichen Blu-ray. GTA 6 dürfte ein solcher Fall sein. Zudem erscheinen Patches und DLCs fast ausschließlich digital, wodurch die Disc nach dem Kauf an Bedeutung verliert. Wie mein Kollege Oliver Nickel von Golem anmerkt, bieten physische Spiele kaum technische Vorteile: Downloads sind schneller, bequemer, günstiger und verursachen weniger Produktionsaufwand.

Trotzdem schmerzt der Verlust. Physische Spiele ermöglichen das Verleihen und Weiterverkaufen – wie ich es selbst mit Doom Eternal und Expedition 33 erlebt habe. Mein Kollege Oliver Nickel argumentiert zwar, dass ein funktionierender Gebrauchtmarkt auch digital möglich wäre, etwa bei Good Old Games. Doch Sony hat bisher kein solches Modell eingeführt. Im Gegenteil: Erst kürzlich entfernte das Unternehmen über 500 Streaming-Filme wegen ausgelaufener Lizenzen – trotz vorheriger Käufe. Digitaler Besitz fühlt sich oft nicht wie echter an.

Sonys Werteverrat und der kulturelle Verlust

Die Initiative „Stop Destroying Videogames“ zeigt, dass das Problem bekannt ist. Mein Freund Michael bringt es auf den Punkt: „Sony schafft den Besitz von Spielen ab.“ Ab 2028 könnten PlayStation-Spieler damit leben müssen, dass gekaufte Spiele irgendwann nicht mehr funktionieren – wegen Serverabschaltungen oder auslaufender Lizenzen. Das käme einem Verrat an den eigenen Werten gleich.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

2013 nutzte Sony die Kritik an Microsofts Xbox-One-Plänen (Online-Pflicht, Einschränkungen beim Verleihen) für einen legendären Werbespot, der zeigte, wie unkompliziert sich Spiele auf der PS4 weiterreichen lassen. Heute wirkt dieser Clip wie ein Relikt. Unter dem inzwischen 13 Jahre alten Video häufen sich Kommentare wie: „Ihr seid genau zu dem Bösewicht geworden, über den ihr euch damals lustig gemacht habt.“ Ein anderer sagt: „Das ist, als würde man sich nach der Scheidung noch einmal das Hochzeitsvideo anschauen.“

Videospiele als Kulturgut bewahren

Der Verlust von Eigentum ist nur ein Teil des Problems. Wenn Spiele aus digitalen Stores verschwinden, sind sie möglicherweise für immer verloren. Videospiele sind längst ein Kulturgut – sie verdienen es, bewahrt zu werden wie Filme, Bücher oder Musik. Museen für Videospielgeschichte leben von physischen Objekten wie einem C64 oder einer Super-Mario-Cartridge. GTA 6 gehört irgendwann in eine solche Sammlung, aber nach aktueller Lage läge dort nur ein eingerahmter Download-Code.

Ein Kompromiss wäre möglich: Sony könnte die Produktion ausgewählter Sammlereditionen an Spezialisten wie iam8bit lizenzieren. Die Nachfrage ist da – Clair Obscur: Expedition 33 war zeitweise vergriffen, und Resident Evil Requiem war vor Veröffentlichung ausverkauft. Im Filmbereich haben sich hochwertige Sondereditionen längst etabliert. Warum sollte das bei Spielen nicht funktionieren?

Immerhin gibt es positive Entwicklungen: Die Key Production Group meldete einen Verkaufsanstieg von 10.000 Prozent bei physischen Medien. Dennoch wird mir eines fehlen: das Öffnen einer neuen Spielehülle, die Disc in die Hand zu nehmen und sie zum ersten Mal in die Konsole zu legen. Jetzt heißt es wohl: heulen gehen.