Campingplätze sind noch eine Domäne der Verbrenner. Doch immer mehr Elektroautos sind in der Lage, Wohnwagen zu ziehen. Was Interessierte dabei beachten sollten, erläutert Jürgen Pander in einem aktuellen Bericht.
Reichweite und Verbrauch: Die größte Hürde
Das Ziehen eines Wohnwagens erhöht den Energieverbrauch eines Elektroautos erheblich. Während ein Verbrenner beim Ziehen etwa 30 bis 50 Prozent mehr Sprit verbraucht, kann der Stromverbrauch eines E-Autos je nach Gewicht und Aerodynamik des Anhängers um 50 bis 100 Prozent steigen. Das bedeutet: Die Reichweite halbiert sich unter Umständen. Ein typisches E-Auto mit 400 Kilometern Reichweite kommt dann nur noch 200 Kilometer weit – und das unter idealen Bedingungen. Bergauf oder bei Gegenwind kann die Reichweite noch weiter sinken.
Windschatten-Effekt nutzen
Einige Hersteller wie Karoo bieten spezielle Wohnwagen an, die sich aerodynamisch in den Windschatten des Zugfahrzeugs ducken. Diese Bauweise reduziert den Luftwiderstand und damit den Mehrverbrauch. „Wer einen solchen Wohnwagen nutzt, kann den Verbrauch um bis zu 20 Prozent senken“, erklärt ein Sprecher von Karoo. Allerdings sind diese Modelle teurer und oft leichter, was die Stabilität beeinträchtigen kann.
Gewicht und Zuladung
Elektroautos haben durch ihre Batterien ein hohes Eigengewicht. Das schränkt die mögliche Zuladung ein. Die Anhängelast vieler E-Autos liegt zwischen 750 und 1.800 Kilogramm – deutlich weniger als bei vergleichbaren Verbrennern. Interessierte sollten daher vor dem Kauf genau prüfen, ob das gewünschte Gespann die zulässigen Grenzen einhält. Ein zu schwerer Wohnwagen kann nicht nur die Fahrsicherheit gefährden, sondern auch die Garantie des Fahrzeugs beeinträchtigen.
Laden unterwegs: Planung ist alles
Mit einem Wohnwagen im Schlepptau wird das Laden zur Herausforderung. Viele Ladestationen sind nicht für Gespanne ausgelegt. Die meisten Schnellladeparks haben enge Parkplätze, die ein Rangieren mit Anhänger erschweren. Experten empfehlen, spezielle Campingplätze mit Lademöglichkeiten anzusteuern oder auf Rastplätzen mit extra breiten Stellflächen zu laden. Zudem sollten Fahrer immer eine Lade-App nutzen, die die Anhängelast berücksichtigt.
Fazit: Elektrisches Campen ist möglich, aber aufwendig
Elektroautos mit Wohnwagen sind technisch machbar, erfordern aber eine sorgfältige Planung. Die Reichweite sinkt drastisch, die Ladeinfrastruktur ist oft nicht geeignet, und die Anschaffungskosten für aerodynamische Wohnwagen sind hoch. Dennoch: Für umweltbewusste Camper, die bereit sind, Kompromisse einzugehen, bietet die Kombination aus E-Auto und Wohnwagen eine spannende Perspektive.



