Die spannendsten Renditen der KI-Revolution entstehen nicht mehr an der Börse – sondern davor. Viele der wertvollsten Technologieunternehmen bleiben heute deutlich länger privat als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. OpenAI, SpaceX, Anthropic oder Stripe erreichten enorme Bewertungen, bevor breite Kapitalmärkte überhaupt Zugang bekamen.
Fundamentaler Bruch mit der Vergangenheit
Das ist ein fundamentaler Bruch mit der Vergangenheit. Frühere Technologiegiganten wie Microsoft, Amazon oder Google gingen vergleichsweise früh an die Börse. Ein großer Teil ihres Wachstums wurde über öffentliche Märkte finanziert – und stand damit klassischen Anlegern offen, die an dem erst durch den Börsengang möglich gewordenen Wachstum partizipieren konnten. Das ändert sich gerade.
Der Börsengang war traditionell der zentrale Mechanismus zur Wachstumsfinanzierung. Heute können KI-Firmen auch jenseits der Börse gigantische Summen aufnehmen. Das erste Quartal 2025 war laut mehreren VC-Trackern das größte Venture-Quartal aller Zeiten.
Mega-Player dominieren Kapitalflüsse
Ein Großteil des Kapitals floss dabei in wenige Mega-Player wie OpenAI, Anthropic und xAI. Mit Anthropic bereitet sich aktuell eines der wichtigsten KI-Unternehmen der Welt auf den Börsengang vor. Noch Anfang 2025 wurde Anthropic mit rund 61,5 Milliarden Dollar bewertet. Wenige Monate später lagen die Bewertungen bereits bei 380 Milliarden Dollar. Heute stehen wir bei fast einer Billion Dollar.
Dieser Trend zwingt Investoren, ihre Strategie grundsätzlich zu überdenken, erklärt Investor Carsten Puschmann. Wer an den euphorischen Bewertungen teilhaben will, muss bereits in der Pre-IPO-Phase investieren. „Die größte Wertsteigerung findet heute vor dem Börsengang statt“, so Puschmann.
Neue Anlagestrategien gefragt
Für Privatanleger wird es zunehmend schwieriger, an diesen Renditen zu partizipieren. Traditionelle Börsengänge bieten nur noch einen Bruchteil des potenziellen Wertzuwachses. Stattdessen sind spezialisierte Venture-Capital-Fonds oder Zweitmarktplattformen gefragt, die Anteile an privaten Unternehmen handeln.
Die Entwicklung stellt auch die Börsen selbst vor Herausforderungen. Wenn die wertvollsten Unternehmen immer länger privat bleiben, verlieren öffentliche Märkte an Attraktivität. Regulierungsbehörden diskutieren bereits über Maßnahmen, um den Zugang zu diesen Wachstumschancen zu erleichtern.



