Ab Januar 2027 soll die deutsche Version der Europäischen Digitalen Identitäts-Wallet, kurz Eudi-Wallet, Altersfreigaben direkt an der Selbstscannerkasse im Supermarkt ermöglichen. Das kündigte Hagen Saxowski, zuständiger Referatsleiter im Digitalministerium, an. Die App soll den Personalausweis, Führerschein und weitere Dokumente digital speichern.
Funktionsweise und Vorteile der digitalen Brieftasche
Die Eudi-Wallet ist eine App für das Mobiltelefon, in der sich wichtige Daten rechtsgültig ablegen lassen. Dazu gehört ein Baukasten für Unternehmen, um Funktionen der Brieftasche zu nutzen – etwa den Nachweis der Zeichnungsberechtigung für ein Unternehmen oder die vereinfachte Immatrikulation. Auch digitale E-Ladekarten für E-Autos oder der Nachweis der Fahrerlaubnis sind technisch möglich.
„Der Türsteher im Club zum Beispiel lässt sich bisher den Personalausweis zeigen und liest im Zweifel auch die Adresse, die er aber nicht braucht“, sagte Saxowski. Die digitale Brieftasche liefere nur Foto, Namen und die Angabe, dass die Person über 18 ist. „Es werden nur die Daten offengelegt, die für eine besondere Anwendung nötig sind.“
Entwicklung und Sicherheit: Bug-Bounty für Hacker
Entwickelt wurde die Eudi-Wallet von der Bundesagentur für Sprunginnovationen (Sprind) mit einem Wettbewerb ab Frühjahr 2024. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik ist eingebunden. Betreiber wird die staatliche Firma Common Code. Im August 2026 soll der Quellcode veröffentlicht werden, gefolgt von einer Bug-Bounty, bei der Hacker gegen Belohnung Sicherheitslücken finden. Ab Oktober oder November testen ausgewählte Personen die Praxistauglichkeit.
„Wir wissen, dass es am Anfang wackeln wird“, sagte Thorsten Lodderstedt, Projektleiter bei Sprind. Das sei bei solchen Projekten normal. Die ersten drei Monate 2027 seien als Einführungsphase geplant, danach solle die Brieftasche durch neue Anwendungen wachsen. „Ein paar Millionen Nutzer sollten es im nächsten Jahr aber schon sein“, so Lodderstedt. Die Nutzung ist freiwillig.
Startfunktionen und Einschränkungen
Zum Start können Bürger die App herunterladen und den Personalausweis mit der sechsstelligen PIN hinterlegen. Damit lassen sich direkt online Bankkonten eröffnen – ohne Video- oder Postident. Auch die Altersprüfung für Geschäfte soll funktionieren. „Wir gehen davon aus, dass der Führerschein zügig folgt“, sagte Lodderstedt. Ehrenamtskarte und Sozialpass sollen ebenfalls integriert werden.
Laut Saxowski wird die digitale Brieftasche bereits zum Start einen größeren Serviceumfang haben als die Wallets von Apple, Google oder Samsung. Allerdings hakt es beim Einsatz in Bürgerämtern: Viele der 11.000 Kommunen in Deutschland sind noch nicht soweit. Nur wenn das Melderegister digitalisiert ist, lässt sich die Brieftasche mit solchen Daten nutzen. Einfachere Behördengänge werden daher anfangs nicht überall möglich sein.
Auch die EU-weite Auslesbarkeit dürfte anfangs fehlen. Die Eudi-Wallet soll EU-Vorgaben zufolge in anderen Mitgliedsstaaten nutzbar sein – etwa für Altersnachweise in Italien oder Ausweise an französischen Flughäfen. „Ich gehe nicht davon aus, dass zum Start alles interoperabel ist“, sagte Lodderstedt.



