Bundesregierung will KI-Kapazitäten vervierfachen: Rechenzentren-Ausbau als nationale Priorität
KI-Kapazitäten sollen bis 2030 vervierfacht werden

Deutschland startet Offensive für Rechenzentren: KI-Kapazitäten sollen vervierfacht werden

Die Bundesregierung hat ehrgeizige Pläne für den Ausbau der digitalen Infrastruktur in Deutschland vorgestellt. Um im internationalen Technologiewettlauf nicht den Anschluss zu verlieren, soll die Rechenleistung für künstliche Intelligenz bis zum Jahr 2030 mindestens vervierfacht werden. Dies gab Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) in einer Pressekonferenz bekannt.

Massiver Kapazitätsausbau geplant

Laut den Plänen des Digitalministeriums soll die Gesamtkapazität deutscher Rechenzentren von derzeit knapp drei Gigawatt auf mindestens sechs Gigawatt ausgebaut werden. Davon sollen mindestens zwei Gigawatt ausschließlich für KI-Anwendungen reserviert sein. Zum Vergleich: Die USA verfügen derzeit über etwa 60 Gigawatt Rechenzentrumskapazität, während Deutschland mit rund 500 Megawatt für KI-Anwendungen deutlich hinterherhinkt.

"Wenn man das im internationalen Maßstab sieht, haben wir sicherlich besonderen Aufholbedarf", erklärte Wildberger. "Damit wollen wir im Rennen bleiben, um in Europa weiterhin zu führen, aber eben auch international sehr attraktiv zu bleiben."

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Strategiepapier mit 28 Maßnahmen

Hintergrund der Initiative ist der weltweit rasant wachsende Bedarf an Rechenleistung durch:

  • Datenintensive KI-Anwendungen
  • Clouddienste verschiedener Anbieter
  • Voranschreitende Digitalisierung der Wirtschaft

Das Digitalministerium hat ein umfassendes Strategiepapier mit 28 konkreten Maßnahmen entwickelt, das Deutschland als führenden und souveränen Datenstandort in Europa etablieren soll. Das Papier soll noch in dieser Woche im Kabinett beschlossen werden.

Finanzielle Anreize für Gemeinden

Um den Bau neuer Rechenzentren zu beschleunigen, setzt die Regierung auf mehrere innovative Ansätze:

  1. Bevorzugte Nutzung von sogenannten "Brownfield"-Flächen wie alten Kraftwerksstandorten im Rheinischen Revier oder in Lübbenau im Spreewald
  2. Vereinfachung von Planungsverfahren und Fokussierung auf Flächenverfügbarkeit
  3. Neue Regelung bei der Gewerbesteuer: Sie soll künftig direkt am Standort des Rechenzentrums anfallen

Diese letzte Maßnahme würde beispielsweise bedeuten, dass die Gewerbesteuer für das geplante Rechenzentrum der Schwarz-Gruppe in Lübbenau vorwiegend in der Gemeinde Lübbenau verbleibt und nicht mehr an den Hauptsitz in Neckarsulm fließt.

Nachhaltigkeit und Energieeffizienz

Eine besondere Herausforderung stellt der Zugang zum Stromnetz dar, da die Branche mit anderen Großverbrauchern wie Batteriespeicherprojekten konkurriert. Das Strategiepapier sieht vor:

  • Vergabe von Netzanschlüssen nach dem tatsächlichen Reifegrad der Projekte
  • Versorgung der Rechenzentren zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien
  • Nutzung der Server-Abwärme für kommunale Wärmenetze

Die Bundesregierung will sich zudem auf EU-Ebene dafür einsetzen, die kostenlose Abgabe von Abwärme steuerfrei zu stellen, um Anreize für energieeffiziente Lösungen zu schaffen.

Europäische Souveränität stärken

Ein zentrales Ziel der Strategie ist die Verringerung der Abhängigkeit von außereuropäischen Hyperscalern wie Amazon AWS, Google Cloud und Microsoft Azure. Die neuen Kapazitäten sollen bevorzugt von deutschen und europäischen Unternehmen aufgebaut werden.

Als Leuchtturmprojekt ist der Aufbau mindestens einer kommerziellen "KI-Gigafabrik" in Deutschland geplant, die in einem öffentlich-privaten Konsortium unter europäischer Führung realisiert werden soll. Insgesamt sind innerhalb der EU fünf solcher kommerziell ausgerichteten KI-Gigafabriken vorgesehen, die sich durch Aufträge aus der Wirtschaft selbst tragen sollen.

In diesen Anlagen sollen zu großen Teilen europäische Technologie verbaut und von europäischen Chip-Designern stammende Chips eingesetzt werden. Über die konkreten Standorte soll EuroHPC (Gemeinsames Unternehmen für europäisches Hochleistungsrechnen) im Sommer entscheiden.

Diese umfassende Initiative markiert einen wichtigen Schritt in Deutschlands Bestreben, im digitalen Zeitalter wettbewerbsfähig zu bleiben und gleichzeitig europäische Technologiesouveränität zu stärken.

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