Deutschland startet Offensive für KI und Rechenzentren
Die Bundesregierung hat ehrgeizige Pläne für den Ausbau der digitalen Infrastruktur in Deutschland vorgestellt. Ein Strategiepapier des Digitalministeriums sieht vor, die Leistung von allgemeinen Rechenzentren bis zum Jahr 2030 gegenüber 2025 mindestens zu verdoppeln. Die Kapazitäten für Künstliche Intelligenz (KI) sollen sich im gleichen Zeitraum sogar mindestens vervierfachen.
Digitalminister: "Im Rennen bleiben und führen"
Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) betonte die Bedeutung dieser Maßnahmen: "Damit wollen wir im Rennen bleiben, um in Europa weiterhin zu führen, aber eben auch international sehr attraktiv zu bleiben." Hintergrund der Offensive ist der rasant wachsende, weltweite Bedarf an Rechenleistung, der durch datenintensive KI-Anwendungen, Cloud-Dienste und die voranschreitende Digitalisierung der Wirtschaft getrieben wird.
28 Maßnahmen für einen souveränen Datenstandort
Um Deutschland als führenden, souveränen Datenstandort in Europa zu etablieren, hat das Digitalministerium ein Paket aus insgesamt 28 Maßnahmen geschnürt. Ein zentraler Punkt ist die Beschleunigung neuer Ansiedlungen von Rechenzentren durch Fokussierung auf Flächenverfügbarkeit und Planungsverfahren.
Finanzielle Anreize für Gemeinden: Um die Akzeptanz bei Anwohnern zu erhöhen, plant die Regierung einen wichtigen finanziellen Anreiz. Die Gewerbesteuer soll künftig direkt dort anfallen, wo das Rechenzentrum steht, und nicht mehr am Hauptsitz des Unternehmens. Für das geplante große Rechenzentrum der Schwarz-Gruppe (Lidl/Kaufland) in Lübbenau würde dies bedeuten, dass die Gewerbesteuern künftig vor allem in Lübbenau und nicht am Standort der Konzernzentrale in Neckarsulm anfallen würden.
Nachhaltigkeit und Energieversorgung im Fokus
Ein massives Nadelöhr für den Ausbau ist aktuell der Zugang zum Stromnetz. Die Branche konkurriert hier oft mit geplanten Batteriespeicherprojekten, die Netzkapazitäten blockieren. Künftig sollen laut Strategiepapier Netzanschlüsse nach dem tatsächlichen Reifegrad der Projekte vergeben werden.
Gleichzeitig bleibt die Nachhaltigkeit ein hohes Gut: Rechenzentren sollen bald zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gespeist werden. Um die Abwärme der Server für kommunale Wärmenetze nutzbar zu machen, will sich die Bundesregierung auf EU-Ebene dafür einsetzen, die kostenlose Abgabe von Abwärme steuerfrei zu stellen.
Eigenständigkeit von außereuropäischen Anbietern
Das Strategiepapier sieht weiterhin vor, dass die Abhängigkeit von außereuropäischen Hyperscalern wie Amazon AWS, Google Cloud oder Microsoft Azure verringert wird. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen die neuen Kapazitäten bevorzugt von deutschen und europäischen Unternehmen aufgebaut werden.
Ein Leuchtturmprojekt ist dabei die Unterstützung beim Aufbau mindestens einer kommerziellen "KI-Gigafabrik" in Deutschland, die in einem öffentlich-privaten Konsortium unter europäischer Führung realisiert werden soll. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, dass Deutschland im globalen Technologiewettlauf nicht den Anschluss verliert und seine Position als innovativer Digitalstandort weiter ausbaut.



