Ein Berliner Forscherteam hat eine innovative Methode entwickelt, um Kosmetikprodukte mithilfe von Darmbakterien herzustellen. Statt auf Erdöl als Rohstoff zu setzen, nutzen die Wissenschaftler die Stoffwechselprozesse von Mikroorganismen, um hochwertige Inhaltsstoffe für Cremes, Lotionen und andere Pflegeprodukte zu gewinnen.
Nachhaltige Alternative zur petrochemischen Kosmetik
Die konventionelle Kosmetikindustrie ist stark von Erdöl abhängig, da viele Inhaltsstoffe wie Paraffine, Silikone und bestimmte Emulgatoren aus fossilen Rohstoffen gewonnen werden. Die neue Technologie könnte diesen Sektor grundlegend verändern. „Wir haben einen Weg gefunden, Darmbakterien so zu programmieren, dass sie Moleküle produzieren, die in der Kosmetik verwendet werden können“, erklärt der leitende Forscher Dr. Markus Weber von der Technischen Universität Berlin.
Die Bakterien werden in Bioreaktoren kultiviert und mit Nährstoffen versorgt, die aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais oder Zuckerrüben stammen. Durch genetische Modifikation produzieren sie dann gezielt Fettsäuren, Wachse oder andere Substanzen, die als Grundlage für Kosmetika dienen. Das Verfahren ist nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch effizienter: „Ein Gramm Bakterienkultur kann in wenigen Tagen dieselbe Menge an Rohstoffen liefern, für die ein Ölfeld Jahre braucht“, so Weber.
Erste Produkte in der Entwicklung
Das Team arbeitet bereits mit mehreren Kosmetikherstellern zusammen, um die Technologie in die Praxis umzusetzen. Erste Prototypen von Feuchtigkeitscremes und Hautölen auf Bakterienbasis befinden sich in der Testphase. „Die Qualität ist vergleichbar mit herkömmlichen Produkten, aber der ökologische Fußabdruck ist deutlich geringer“, betont Weber.
Ein weiterer Vorteil: Die Produktion kann lokal erfolgen, was Transportwege und CO2-Emissionen reduziert. Zudem entfallen problematische Inhaltsstoffe wie Mikroplastik, das häufig in konventionellen Kosmetika vorkommt. „Unsere Bakterien produzieren nur das, was wir wollen – keine unerwünschten Nebenprodukte“, ergänzt die Forscherin Dr. Anna Schulz.
Herausforderungen und Zukunftsaussichten
Bis die neuen Kosmetika in den Regalen stehen, sind noch einige Hürden zu überwinden. Die Produktionskosten müssen gesenkt werden, um mit der Erdöl-basierten Konkurrenz mithalten zu können. Zudem steht die Zulassung durch die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) aus. „Wir sind optimistisch, dass die ersten Produkte in zwei bis drei Jahren auf den Markt kommen“, sagt Weber.
Die Forschung wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert. Sollte sich die Technologie durchsetzen, könnte sie einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit in der Kosmetikbranche leisten – und gleichzeitig die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen verringern.



