Hummeln können einer aktuellen Studie zufolge eigenständig Probleme lösen und dabei kreative Wege finden. In einem Experiment gelang es den Insekten, einen Ball so zu verschieben, dass sie an eine Zuckerlösung gelangten. Die Forschungsergebnisse wurden von einem Team um den Verhaltensökologen Olli Loukola von der Universität Oulu in Finnland im Fachmagazin „Science“ veröffentlicht.
Erstaunliche kognitive Leistungen trotz winzigem Gehirn
Das Gehirn einer Hummel besteht aus nur etwa einer Million Nervenzellen und ist damit rund ein Hunderttausendstel so groß wie das menschliche Gehirn. Dennoch zeigen die Tiere bemerkenswerte Fähigkeiten: Sie können mit Bällen spielen, bis vier oder fünf zählen und sogar Gesichter erkennen. Die neue Studie belegt nun, dass Hummeln auch neuartige Aufgaben spontan und zielgerichtet lösen können, ohne auf reines Versuch-und-Irrtum-Verhalten angewiesen zu sein.
Der Versuchsaufbau
Die Forscher setzten die Hummeln in ein rundes Gefäß mit dem Durchmesser einer Untertasse. Darin befand sich ein kleiner Ball aus Polystyrol. An der Decke des Gefäßes war eine künstliche blaue Blume angebracht, die eine Zuckerlösung enthielt. Die Konstruktion verhinderte, dass die Hummeln direkt zur Blume fliegen konnten. Stattdessen konnten sie den Ball nutzen, um darauf zu klettern und so an die Belohnung zu gelangen. Den Hummeln wurde nicht gezeigt, wie sie den Ball einsetzen sollten. Dennoch schob die Mehrheit der Tiere, die zuvor die Möglichkeit hatten, den Ball und eine ähnliche, erreichbare Blume unabhängig voneinander zu erkunden, den Ball gezielt unter die Blume an der Decke, kletterte darauf und erreichte so die Zuckerlösung.
Zielgerichtetes Handeln bestätigt
Um zu überprüfen, ob das Verhalten tatsächlich zielgerichtet war, modifizierten die Forscher das Experiment. Sie teilten das Gefäß in zwei Abteilungen, wobei nur eine eine Blume enthielt. Die Hummeln konnten das Gefäß inspizieren, sahen die Blume jedoch nicht von dem Ort aus, an dem der Ball lag. In diesem Fall schoben 23 von 30 Hummeln den Ball dennoch an die richtige Stelle. Dieser Befund fügt den geistigen Fähigkeiten der Bienen eine weitere Ebene der Komplexität hinzu, wie Gema Martin-Ordas, Kognitionsforscherin an der schottischen Universität Stirling, die nicht an der Studie beteiligt war, gegenüber „Science“ erklärte.
Implikationen für die Kognitionsforschung
Die Autoren der Studie betonen, dass ihre Ergebnisse die Annahme infrage stellen, dass fortgeschrittene kognitive Fähigkeiten ausschließlich Wirbeltieren mit großem Gehirn vorbehalten seien. Die Fähigkeit der Hummeln, Probleme kreativ und zielgerichtet zu lösen, deutet darauf hin, dass auch Insekten mit winzigen Gehirnen zu komplexen Denkprozessen fähig sind. Dies eröffnet neue Perspektiven für das Verständnis von Intelligenz und Problemlösungsverhalten im Tierreich.



