Ein internationales Forscherteam hat das Rätsel um einen Planeten gelöst, der den 80 Lichtjahre entfernten Weißen Zwergstern WD 1856 auf einer extrem engen Umlaufbahn umkreist. Eigentlich hätte dieser Planet während der Roten-Riesen-Phase des Sterns vor etwa sechs Milliarden Jahren verschlungen werden müssen. Doch Beobachtungen mit dem James-Webb-Weltraumteleskop zeigen, dass der Planet erst nach dieser Phase in seine aktuelle Position gelangte. Die Ergebnisse wurden im Fachblatt „Nature“ veröffentlicht.
Überleben in der Endphase eines Sterns
Bevor Sterne wie WD 1856 zu Weißen Zwergen werden, blähen sie sich zu Roten Riesen auf und verdichten sich dann. Der Planet um WD 1856 ist etwa so groß wie Jupiter und verdeckt bei seinen Transits bis zu 56 Prozent des erdgroßen Weißen Zwergs. Seine Atmosphäre liefert den Forschern Informationen über Zusammensetzung und Temperatur.
Mit 127 Grad Celsius ist der Planet um 240 Grad heißer, als es allein durch die Strahlung des Sterns zu erwarten wäre. Eine Modellrechnung zeigt, dass die Aufheizung maximal vor drei Milliarden Jahren stattgefunden haben kann – deutlich nach der Roten-Riesen-Phase des Sterns vor sechs Milliarden Jahren. Daher muss der Planet ursprünglich auf einer weit entfernten Umlaufbahn gewesen sein und die Aufblähung unbeschadet überstanden haben.
Dynamik durch Begleitstern
Die Forscher um Christopher O’Connor von der Cornell University schließen daraus, dass die Gravitation eines Begleitsterns, mit dem WD 1856 ein weites Paar bildet, die Umlaufbahn des Planeten langsam veränderte. Der Orbit wurde zunächst zu einer Ellipse, wodurch der Planet dem Weißen Zwerg sehr nahe kam und sich aufheizte. Gezeitenkräfte formten die Bahn anschließend zu einem Kreis nahe am Stern.
„Bislang wissen wir nicht genau, was dann mit den Planeten geschieht“, sagt O’Connor. Die Beobachtungen zeigten, dass Planeten die Endphase der Sternentwicklung überstehen können und sich ein Planetensystem danach sogar noch überraschend verändern kann.
Blick in die Zukunft unseres Sonnensystems
Die Sonne wird in etwa fünf Milliarden Jahren ebenfalls zu einem Weißen Zwerg werden. Wenn sie sich zum Roten Riesen aufbläht, dürfte sie die Planeten Merkur, Venus und vermutlich auch die Erde verschlingen. Danach fällt sie zu einem erdgroßen Weißen Zwerg zusammen, der über Milliarden Jahre abkühlt.
Die neuen Erkenntnisse deuten darauf hin, dass äußere Planeten wie Jupiter oder Saturn das Ende der Sonne überstehen könnten. Zudem können sich ihre Umlaufbahnen noch lange nach dem Tod des Sterns verändern – im Gegensatz zu bisherigen Vorstellungen. „Dass Planeten die letzte Phase des Sternenlebens überstehen können, erweitert das Spektrum der Möglichkeiten für die Existenz bewohnbarer Planeten im Universum erheblich“, so O’Connor.



