Studie: Händigkeit ist erlernt, nicht angeboren
Studie: Händigkeit ist erlernt, nicht angeboren

Ob jemand Links- oder Rechtshänder ist, könnte entscheidend vom Training der jeweiligen Hand abhängen und nicht von einer angeborenen motorischen Überlegenheit einer Gehirnhälfte. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsteam der University of California und der Johns Hopkins University. Die Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“, stellt die langjährige Annahme infrage, dass eine Gehirnhälfte natürlicherweise dominant für Aufgaben wie Schreiben, Werfen oder den Gebrauch von Werkzeugen sei.

Experimente mit Greifübungen und Schreiben mit dem Ellbogen

In ihrer Untersuchung entwickelten die Forscher zwei Experimente. Im ersten Test wurden rechtshändige Teilnehmer aufgefordert, einfache Greifbewegungen auszuführen, dann mit einem knapp zwei Kilogramm schweren Handgelenkgewicht und schließlich mit einem leichten Stock, der am Unterarm befestigt war, um den Werkzeuggebrauch zu simulieren. Die Bewegungen wurden mit Motion-Capture-Kameras im 3D-Format aufgezeichnet. Dabei zeigte sich: Bei einfachen Greifbewegungen und mit Gewicht schnitten dominanter und nicht-dominanter Arm ähnlich gut ab. Erst beim Einsatz des Stocks zur Werkzeugsimulation war der dominante Arm dem nicht-dominanten überlegen.

Training hebt Unterschiede auf

Im zweiten Experiment schrieben die elf Teilnehmer Buchstaben und Zahlen zuerst mit einem Stift in der Hand, dann mit einem am Ellbogen befestigten Stift – eine für alle völlig neue Schreibweise. Nach einer Übungsphase werteten die Forscher die Schrift mit moderner Technik aus. Ergebnis: Wenn mit dem Ellbogen geschrieben wurde, verschwand der Vorteil der dominanten Seite vollständig; beide Ellbogen schrieben anfangs gleich schlecht. Nach dem Üben verbesserten sich beide Seiten gleichermaßen und erreichten sogar eine bessere Qualität als die dominante Hand zuvor.

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Übung macht den Meister – auch bei der Händigkeit

„Der dominante Arm ist nicht deshalb leistungsfähiger, weil eine Gehirnhälfte Bewegungen einfach besser steuern kann“, wird Neurologe Ahmet Arac in einer Mitteilung der Universität zitiert. „Es liegt vielmehr daran, dass wir ein Leben lang die spezifischen, komplexen Bewegungen üben, die für das Schreiben und den Gebrauch von Werkzeugen wichtig sind.“ Die Studie zeige zudem, wie anpassungsfähig das Gehirn sei. Die Ergebnisse könnten vor allem für Therapeuten von Schlaganfall-Betroffenen und anderen einseitig eingeschränkten Patienten von großem Nutzen sein. Das Trainingsexperiment bestärke die Ansicht, dass die „Fähigkeit zur Präzision“ keine feste, sondern eine erworbene Eigenschaft eines Körperteils sei, die durch Übungserfahrung bestimmt werde.

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