Igel nach dem Winterschlaf: Die richtige Fürsorge im Frühjahr
Wenn die ersten Igel Ende März aus ihrem Winterschlaf erwachen, stehen viele Tierfreunde vor einer wichtigen Frage: Soll man die stacheligen Gartenbewohner füttern oder nicht? Die Meinungen dazu gehen stark auseinander, doch Experten betonen, dass falsche Fütterung mehr schaden als nützen kann.
Der Organismus im Ruhemodus
Nach dem Winterschlaf zehren Igel zunächst von ihren Fettreserven und wirken oft erschöpft. Der Stoffwechsel der Tiere befindet sich noch im Sparmodus und muss sich langsam wieder an die Nahrungsaufnahme gewöhnen. Eine plötzliche Futtergabe kann den Organismus durcheinanderbringen und im schlimmsten Fall zu lebensbedrohlichen Zuständen führen.
Die Autorinnen Sigrid Tinz und Birgit Schattling warnen ausdrücklich davor, Igel sofort nach dem Erwachen zu füttern. Große Portionen Katzenfutter könnten den Tieren mehr schaden als helfen.
Wasser statt Futter in den ersten Tagen
Das Schweizer Igelzentrum empfiehlt, dass Igel in den ersten drei Tagen nach dem Winterschlaf vor allem Wasser benötigen. Der Verdauungstrakt muss sich erst wieder an die Nahrungsaufnahme gewöhnen. Eine langsame Steigerung der Futtermenge ist daher entscheidend.
In der Regel dauert es etwa acht Tage, bis ein Igel nach dem Winterschlaf wieder voll aktiv ist. Für pflegebedürftige Igel kann eine behutsame Fütterung mit zunehmender Menge sinnvoll sein.
Die Debatte um ganzjährige Fütterung
Während der BUND Naturschutz in Bayern eine ganzjährige Fütterung ablehnt und vor Stress sowie Krankheitsverbreitung an Futterstellen warnt, sehen Igelstationen die Situation anders. Cornelia Schlicker von Anton's Igelpension betont: „Bei einem Insektenrückgang von über 70 Prozent ist es absolut wichtig, dass den Tieren Futter angeboten wird.“
Das Projekt „NatureTec“ unterstützt diese Ansicht, da der Insektenmangel die natürliche Nahrungssuche für Igel erheblich erschwert.
Igel als Wildtiere respektieren
Das Schweizer Igelzentrum bleibt bei seiner klaren Position: „Igel bitte nicht füttern!“ Die Organisation betont, dass Igel Wildtiere sind und nicht von Menschen abhängig werden sollten. Der BUND Naturschutz in Bayern weist darauf hin, dass Futterstellen zu Stress führen und die Verbreitung von Krankheiten fördern können.
Letztlich gilt: Beobachten Sie Igel in Ihrem Garten mit Respekt und Geduld. Bei Unsicherheiten oder auffällig geschwächten Tieren wenden Sie sich an professionelle Igelstationen oder Tierärzte.



